Wie wird die Wertung bei der WM 2026 in der Rhythmischen Sportgymnastik bestimmt?
Frankfurt, 12.–16. August 2026 — das D-+-A-+-E-System, die Handgeräte und die Medaillen-Rechnung
Bei der WM 2026 in der Rhythmischen Sportgymnastik (Festhalle Frankfurt, 12.–16. August) wird jede Übung gleich gewertet: Schwierigkeit (D) + künstlerischer Wert (A) + Ausführung (E) − Strafen. Die D-Note hat keine Obergrenze und belohnt Körper- und Gerätschwierigkeit; die A- und die E-Note starten jeweils bei 10,0 und verlieren durch Abzüge. Einzel-Seniorinnen turnen vier Handgeräte — Reifen, Ball, Keulen und Band — plus Mehrkampf, Gruppen turnen mit 5 Bällen sowie 3 Reifen + 4 Keulen. Eine Gerätemedaille entsteht aus einer Übung, eine Mehrkampfmedaille aus der Summe der Übungen.
Worum wird in Frankfurt 2026 gekämpft?
Die WM 2026 in der Rhythmischen Sportgymnastik findet vom 12. bis 16. August 2026 in der Festhalle Frankfurt statt. Rund 300 Gymnastinnen treten in Einzel- und Gruppenwettbewerben an.
Im Programm der Einzel-Seniorinnen werden fünf Medaillensätze vergeben: der Mehrkampf sowie vier Gerätefinale — Reifen, Ball, Keulen und Band. Die Mehrkampfplatzierung ist die Summe der vier Geräteübungen einer Gymnastin am Qualifikationstag.
Im Gruppenwettbewerb gibt es drei Medaillensätze: den Gruppen-Mehrkampf und zwei Gerätefinale. In der Saison 2026 lauten die Gruppen-Kombinationen 5 Bälle und in der Mischform 3 Reifen + 4 Keulen, mit fünf Gymnastinnen gleichzeitig auf der Fläche.
Im Standardformat der FIG erreichen nur die acht besten Qualifikantinnen jedes Gerätefinale (höchstens zwei pro Land), sodass eine starke Nation eine Weltklasse-Gymnastin außen vor lassen muss. Jedes Finale ist eine neue Übung — Qualifikationsnoten werden nicht übertragen. Das unten beschriebene Wertungsprinzip gilt gleichermaßen im Reifenfinale wie im Gruppen-Mehrkampf.
Wie wird eine einzelne Übung gewertet? (D + A + E)
Jede Übung bei der WM entsteht aus drei eigenständigen Noten, die addiert und anschließend um Strafen gekürzt werden: Endnote = D + A + E − Strafen. Das ist dasselbe Schema, das wir ausführlich in unserem Leitfaden zur Wertung in der Rhythmischen Sportgymnastik erklären.
Die Schwierigkeitsnote (D) hat keine Obergrenze. Sie verbindet Körperschwierigkeit — Sprünge, Gleichgewichte, Drehungen und Flexibilitäten — mit Geräteschwierigkeit, also den Würfen, Fängen, Rollbewegungen und Abgaben, die jedes Gerät prägen. Zwei D-Kampfrichterinnen erfassen und bewerten jedes anerkannte Element.
Die künstlerische Note (A) beginnt bei 10,0 und verliert durch Fehler in Komposition und Musikalität — eine ungleiche Nutzung der Fläche, eine schwache Bindung an die Musik oder eine Übung, die ihre schwersten Elemente in eine Ecke drängt.
Die Ausführungsnote (E) startet ebenfalls bei 10,0 und wird für technische Fehler gekürzt: ein gebeugtes Knie, eine unterdrehte Pirouette, ein unvollständiger Spagat oder ein Geräteverlust. Ein fallengelassenes Gerät ist mit 0,7 einer der schwersten Einzelabzüge im Sport — rollt es über die 13×13 m große Fläche hinaus, kommt eine Strafe für das Überschreiten der Begrenzung hinzu. Weil D, A und E getrennt sind, kann eine sehr schwere Übung dennoch gegen eine saubere verlieren.
| Component | Starts At | Rewards |
|---|---|---|
| Schwierigkeit (D) | 0 — keine Obergrenze | Körper- + Geräteschwierigkeit |
| Künstlerischer Wert (A) | 10,0 | Komposition, Musikalität, Ausdruck (minus Fehler) |
| Ausführung (E) | 10,0 | Saubere Technik + Geräteführung (minus Fehler) |
Eine Übung automatisch auswerten.
D-Wert + E-Wert nach dem Code of Points — ohne Taschenrechner.
Welche Handgeräte werden bei der WM 2026 geturnt?
Die Rhythmische Sportgymnastik ist durch ihre fünf Handgeräte definiert, doch das Seniorinnen-Programm der WM nutzt nicht alle fünf gleichzeitig. In Frankfurt turnen die Einzel-Seniorinnen mit Reifen, Ball, Keulen und Band — das Seil gehört nicht mehr zum Einzelprogramm der Seniorinnen und kommt heute vor allem im Juniorinnenbereich vor.
Jedes Gerät belohnt eine andere Spezialität. Der Reifen wird für Rollen, Körperdurchgänge durch den Reifen und hohe Würfe mit Drehung bewertet. Der Ball ist das flüssigste Gerät — er muss auf offener Hand liegen, darf nie gegriffen werden und wird für Rollen am Körper, Abpraller und Spiralen gewertet.
Die Keulen werden paarweise geführt und verlangen beidhändige Koordination: Mühlkreise, asymmetrische Würfe, bei denen jede Keule eine andere Bahn nimmt, und der Fang der einen Keule, während die andere in der Luft ist. Das Band — ein sechs Meter langer Streifen an einem 60 cm langen Stab — muss ständig in Bewegung bleiben; jeder Knoten oder jede Verwicklung ist ein sofortiger Abzug.
Die Gruppenwettbewerbe nutzen gemeinsame Geräte. 2026 lauten die beiden Gruppenvarianten 5 Bälle (alle fünf Gymnastinnen am selben Gerät) und 3 Reifen + 4 Keulen (Mischform). Die Gruppenwertung ergänzt ein entscheidendes Element: die Abgaben — zwischen den Gymnastinnen geworfene Geräte — und die Synchronität fünf sich wie ein Körper bewegender Gymnastinnen, die die E-Kampfrichterinnen besonders genau prüfen.
| Event | Apparatus | Note |
|---|---|---|
| Einzel-Seniorinnen | Reifen · Ball · Keulen · Band | Seil nicht im Einzelprogramm der Seniorinnen |
| Gruppe | 5 Bälle · 3 Reifen + 4 Keulen | Abgaben und Synchronität werden gewertet |
Was änderte sich im Code de Pointage 2025-2028?
Frankfurt 2026 wird nach dem FIG Code de Pointage 2025-2028 geturnt — dem Regelwerk des laufenden olympischen Zyklus in Richtung Los Angeles 2028. Die zentrale Änderung ist eine bewusste Verschiebung weg von reiner Schwierigkeit und zurück zum künstlerischen Wert.
Der Code senkte die Höchstzahl der in einer Übung gewerteten Schwierigkeiten. Statt so viele hochwertige Elemente wie körperlich möglich zu packen, haben die Gymnastinnen nun weniger Schwierigkeitsplätze — was Zeit und Raum für Übergänge, Choreografie und Musikbindung schafft.
Einige Körperschwierigkeiten wurden gestrichen oder zusammengelegt, was wiederholtes "Element-Farming" bremst und Vielfalt über die vier Körperelementfamilien belohnt. Die von der FIG genannte Absicht: Eine Übung soll weniger ein Schwierigkeits-Sprint und mehr eine vollständige Darbietung sein — und das Verletzungsrisiko durch Überladung mit extremen Elementen senken.
Entscheidend ist, dass der künstlerische Wert (A) eine eigene, unabhängige Komponente mit bis zu 10,0 bleibt, wie seit dem Zyklus 2022-2024. Genau das unterscheidet die Rhythmische Sportgymnastik am stärksten vom Gerätturnen, wo die Kunst nur in den Ausführungsabzügen steckt. In Frankfurt werden die Medaillenabstände ebenso von Musikalität und sauberen Linien entschieden wie davon, wer die höchste D-Note aufbaute.
Wie fallen die Medaillen — Mehrkampf oder Gerätefinale?
In Frankfurt gewinnt man Medaillen auf zwei verschiedene Arten, und beide nutzen dieselben Noten unterschiedlich.
Eine Medaille im Gerätefinale entsteht aus einer einzigen Übung. Die acht Finalistinnen turnen je einmal; die höchste Summe aus D + A + E − Strafen gewinnt. Weil es eine Übung ist, kann eine einzelne fallengelassene Keule oder ein Schritt über die Begrenzung das Podium kippen — es gibt keine zweite Note, die es ausgleicht.
Eine Mehrkampf-Medaille ist eine kumulierte Summe. Bei einer Einzel-Seniorin ist der Mehrkampf die Summe ihrer vier Übungen (Reifen, Ball, Keulen, Band) am Qualifikationstag; bei einer Gruppe die Summe der beiden Gruppenübungen. Hier zählt vor allem Konstanz — Mehrkampfsiegerin wird selten die Gymnastin mit der einen besten Übung, sondern jene, die über alle hinweg einen Patzer vermeidet.
Gleichstände werden nach FIG-Regeln aufgelöst, meist über die höhere Ausführungsnote oder die Summe der E-Noten, sodass zwei identische Endnoten selten gleichauf im Ergebnis bleiben. Jeder Wert auf der Anzeigetafel ist eine live berechnete D-+-A-+-E-Rechnung — genau die Art mehrpaneliger Wertung, die Plattformen wie JudgeMate in Echtzeit berechnen.
Rechenbeispiel: Wie eine Medaille im Ballfinale entschieden wird
So kann ein Gerätefinale eher an der Ausführung als an der Schwierigkeit kippen — ein realistisches Ballfinale-Szenario bei der WM.
Gymnastin A (saubere Übung):
- Schwierigkeit (D): 9,400
- Künstlerischer Wert (A): 10,0 − 0,9 Fehler = 9,100
- Ausführung (E): 10,0 − 1,1 Fehler = 8,900
- Strafen: 0,000
Endnote = 9,400 + 9,100 + 8,900 − 0,000 = 27,400
Gymnastin B (höhere Schwierigkeit, aber Ballverlust):
- Schwierigkeit (D): 9,700
- Künstlerischer Wert (A): 10,0 − 1,0 Fehler = 9,000
- Ausführung (E): 10,0 − 1,1 normale Fehler − 0,7 Geräteverlust = 8,200
- Strafen: 0,000
Endnote = 9,700 + 9,000 + 8,200 − 0,000 = 26,900
Ergebnis: Gymnastin A gewinnt um 0,500, obwohl sie mit einer um 0,300 niedrigeren D-Note startete. Ohne den Verlust läge die Ausführung von Gymnastin B bei 8,900 und damit ihre Endnote bei 27,600 — genug für Gold. Der Abzug von 0,7 für das fallengelassene Gerät verwandelte einen prognostizierten Vorsprung von 0,2 in einen Rückstand von 0,5.
(Hinweis: Elite-Einzelnoten am Gerät liegen auf WM-Niveau meist zwischen etwa 26,0 und 30,0; die genauen D-Werte hängen von den nach dem Code 2025-2028 gemeldeten Elementen ab.)
D-Wert und E-Wert von Hand addieren? Überlass es dem System.
Schwierigkeit (D) und Ausführung (E) werden automatisch nach dem Code of Points summiert. Kampfrichter geben Noten ein, JudgeMate berechnet das Endergebnis.
Häufige Fragen
Primärquellen
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