Wie funktioniert die Ausführungsbewertung (GOE) im Eiskunstlauf?
Die GOE-Skala, Grundwerte und wie Kampfrichter Elementwertungen anpassen
Die Ausführungsbewertung (GOE — Grade of Execution) ist die Qualitätsnote, die Kampfrichter im Eiskunstlauf jedem technischen Element zuweisen. Jeder der neun Kampfrichter vergibt eine GOE von −5 bis +5, wobei negative Werte Fehler markieren und positive die Klasse der Ausführung belohnen. Die GOE entspricht einem Prozentsatz des Grundwerts des Elements — schwere Elemente gewinnen oder verlieren also mehr Punkte. Nach Streichung der höchsten und niedrigsten Note werden die übrigen sieben gemittelt, das ergibt die finale GOE-Anpassung.
Was ist GOE im Eiskunstlauf?
Im ISU-Wertungssystem (IJS) bekommt jedes technische Element zwei Wertungsebenen. Erstens einen Grundwert: eine feste Punktzahl, die die Schwierigkeit des Elements widerspiegelt. Zweitens eine Ausführungsbewertung (GOE) von jedem Kampfrichter, die diesen Grundwert nach Qualität der Ausführung nach oben oder unten korrigiert.
Die GOE reicht von −5 (schwer fehlerhaftes oder misslungenes Element) bis +5 (außergewöhnliche Ausführung). Eine GOE von 0 bedeutet solide Grundqualität — sauber, aber ohne Glanz. Positive GOE belohnt Höhe, fließendes Laufen ohne Druck, kreative Einsprungs- oder Auslaufphase. Negative GOE bestraft Stürze (−5), Unterrotationen, schlechte Landungen und Kontrollverlust.
Die Skala wurde in der Saison 2018/2019 von −3/+3 auf −5/+5 erweitert. Damit bekamen Kampfrichter feinere Abstufungen, und die Ausführungsqualität gewann an Gewicht.
Wie funktioniert die GOE-Skala?
Jede ganze Zahl der GOE-Skala entspricht einem Prozentsatz vom Grundwert des Elements. Diese proportionale Logik bedeutet: Dieselbe GOE bewirkt bei schwierigeren Elementen einen größeren Punkteausschlag. Beispiel — eine +3-GOE auf einem Vierfach-Lutz (Grundwert 11,50) bringt 3,45 Punkte zusätzlich, während +3 auf einem Dreifach-Toeloop (Grundwert 4,20) nur 1,26 Punkte ergibt.
| Goe | Percentage | Description |
|---|---|---|
| −5 | −50 % | Sturz oder schwer misslungenes Element |
| −4 | −40 % | Gravierende Fehler oder mehrere Mängel |
| −3 | −30 % | Deutliche Fehler (z. B. Landung auf beiden Füßen, starke Unterrotation) |
| −2 | −20 % | Klare Fehler (z. B. leichte Unterrotation, wacklige Landung) |
| −1 | −10 % | Kleine Fehler (z. B. minimaler Schönheitsfehler in der Ausführung) |
| 0 | 0 % | Grundqualität — Element wie erwartet ausgeführt |
| +1 | +10 % | Gute Qualität mit einem deutlich positiven Aspekt |
| +2 | +20 % | Sauber ausgeführt mit zwei oder mehr positiven Aspekten |
| +3 | +30 % | Sehr saubere Ausführung mit mehreren positiven Aspekten |
| +4 | +40 % | Hervorragende Ausführung mit herausragenden Qualitäten |
| +5 | +50 % | Außergewöhnliche Ausführung ohne sichtbare Fehler |
Ein Kürprogramm automatisch auswerten.
Basiswert, GOE und Komponenten nach dem Code of Points — ohne Tabelle.
Grundwerte der Eiskunstlauf-Elemente
Jedes anerkannte Eiskunstlauf-Element hat einen Grundwert, den die ISU in der Scale of Values festsetzt. Der Grundwert spiegelt die innewohnende Schwierigkeit des Elements wider — vor jeder Qualitätsanpassung. Unten die Grundwerte gängiger Sprungelemente aus der ISU Scale of Values für die Saison 2024/2025.
| Element | Base Value |
|---|---|
| Doppel-Axel (2A) | 3,30 |
| Dreifach-Toeloop (3T) | 4,20 |
| Dreifach-Salchow (3S) | 4,30 |
| Dreifach-Rittberger (3Lo) | 4,90 |
| Dreifach-Flip (3F) | 5,30 |
| Dreifach-Lutz (3Lz) | 5,90 |
| Dreifach-Axel (3A) | 8,00 |
| Vierfach-Toeloop (4T) | 9,50 |
| Vierfach-Salchow (4S) | 9,70 |
| Vierfach-Rittberger (4Lo) | 10,50 |
| Vierfach-Flip (4F) | 11,00 |
| Vierfach-Lutz (4Lz) | 11,50 |
| Vierfach-Axel (4A) | 12,50 |
Wie wird der gestutzte Mittelwert berechnet?
Der Eiskunstlauf nutzt einen gestutzten Mittelwert, um die finale GOE jedes Elements zu ermitteln:
Schritt 1: Alle neun Kampfrichter vergeben unabhängig eine GOE von −5 bis +5.
Schritt 2: Die höchste und die niedrigste Note werden gestrichen, das reduziert den Einfluss von Ausreißern oder Verzerrungen.
Schritt 3: Die verbleibenden sieben Noten werden auf zwei Nachkommastellen gemittelt.
Schritt 4: Die gestutzte mittlere GOE wird über den passenden Prozentsatz des Grundwerts in einen Punktwert umgerechnet und dann zum Grundwert addiert oder von ihm abgezogen — daraus ergibt sich die finale Elementwertung.
Beispiel: Die sieben verbleibenden Noten ergeben eine gestutzte mittlere GOE von +2,43 für einen Dreifach-Axel (Grundwert 8,00). Anpassung: 8,00 × 24,3 % = 1,94, finale Wertung 9,94.
Was ändert sich für 2026/27? (ISU Communication Nr. 2788)
Die Struktur des ISU-Wertungssystems bleibt für die Saison 2026/27 unverändert, doch ISU Communication Nr. 2788 vom 23. April 2026 verschärft, wie Kampfrichter die GOE anwenden. Sie ersetzt Communication Nr. 2701 und gilt ab der Saison 2026/27, unter anderem beim Junior Grand Prix, bei Skate America und in der ISU-Grand-Prix-Serie.
Die zentrale Änderung ist der Wechsel vom Ausgleichen zum Deckeln. Bisher konnten starke Qualitäten wie Höhe und fließendes Laufen einen sichtbaren Fehler teilweise ausgleichen, sodass ein ehrgeiziges, aber fehlerhaftes Element nur eine mäßig negative GOE bekam. Nach Communication 2788 setzt ein sichtbarer Fehler nun eine Obergrenze für die maximal erreichbare GOE — die Qualität kann den Fehler nicht mehr kompensieren.
Diese Obergrenze gilt für alle Fehlerarten. Ein Sturz zieht weiterhin die obligatorische GOE von −5 nach sich, während Step-outs und Landungen auf zwei Füßen, Absprünge von der falschen Kante (etwa ein „Flutz“ beim Lutz), Unterrotationen und Downgrades sowie schwache oder instabile Absprünge die maximal mögliche GOE jeweils deckeln — selbst wenn der Rest des Elements stark aussieht.
Communication 2788 verschärft auch die Schwierigkeitsgrade: Schrittfolgen und Pirouetten müssen klare Vielfalt, echten Einsatz beider Drehrichtungen und volle Körperkontrolle zeigen, und Kampfrichter werten nur Merkmale, die klar und vollständig erfüllt sind. Bei den Programmkomponenten müssen Kampfrichter Composition, Presentation und Skating Skills nun unabhängiger bewerten und eine größere Spreizung statt einer pauschalen Note vergeben. All das ändert weder die Skala von −5 bis +5 noch die Prozenttabelle oben — es ändert, wie streng die Kampfrichter zu diesen Zahlen kommen. Wie diese Noten auf einem echten Protokoll erscheinen, zeigt der Leitfaden Eiskunstlauf-Protokolle lesen.
Beispiel: GOE-Effekt auf einen Dreifach-Axel
Berechnen wir die GOE-Anpassung für einen Dreifach-Axel (3A) mit einem Grundwert von 8,00 Punkten.
Schritt 1 — Neun Kampfrichter vergeben GOE:
| K1 | K2 | K3 | K4 | K5 | K6 | K7 | K8 | K9 |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| +3 | +2 | +3 | +4 | +3 | +2 | +3 | +3 | +1 |
Schritt 2 — Streichen: +4 (höchste) und +1 (niedrigste) raus. Bleiben: +3, +2, +3, +3, +2, +3, +3
Schritt 3 — Gestutzter Mittelwert: (3+2+3+3+2+3+3) / 7 = 2,71
Schritt 4 — Punktwert: 8,00 × 27,1 % = +2,17 Punkte
Schritt 5 — Finale Elementwertung: 8,00 + 2,17 = 10,17 Punkte
Zum Vergleich: Ein schlecht ausgeführter Dreifach-Axel mit gestutzter mittlerer GOE von −2,00 ergibt 8,00 − 1,60 = 6,40 Punkte. Die Lücke von 3,77 Punkten kann auf olympischem Niveau über Medaillen entscheiden.
GOE und Basiswert von Hand addieren? Automatisiere es.
Basiswert, GOE und Programmkomponenten werden live nach dem Code of Points berechnet. Kampfrichter geben Noten ein, die Segmentwertung addiert sich selbst.
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