Wie funktioniert die Ausführungsbewertung (GOE) im Eiskunstlauf?
Die GOE-Skala, Grundwerte und wie Kampfrichter Elementwertungen anpassen
Zuletzt aktualisiert: 13. April 2026
Die Ausführungsbewertung (GOE — Grade of Execution) ist die Qualitätsnote, die Kampfrichter im Eiskunstlauf jedem technischen Element zuweisen. Jeder der neun Kampfrichter vergibt eine GOE von −5 bis +5, wobei negative Werte Fehler markieren und positive die Klasse der Ausführung belohnen. Die GOE entspricht einem Prozentsatz des Grundwerts des Elements — schwere Elemente gewinnen oder verlieren also mehr Punkte. Nach Streichung der höchsten und niedrigsten Note werden die übrigen sieben gemittelt, das ergibt die finale GOE-Anpassung.
Was ist GOE im Eiskunstlauf?
Im ISU-Wertungssystem (IJS) bekommt jedes technische Element zwei Wertungsebenen. Erstens einen Grundwert: eine feste Punktzahl, die die Schwierigkeit des Elements widerspiegelt. Zweitens eine Ausführungsbewertung (GOE) von jedem Kampfrichter, die diesen Grundwert nach Qualität der Ausführung nach oben oder unten korrigiert.
Die GOE reicht von −5 (schwer fehlerhaftes oder misslungenes Element) bis +5 (außergewöhnliche Ausführung). Eine GOE von 0 bedeutet solide Grundqualität — sauber, aber ohne Glanz. Positive GOE belohnt Höhe, fließendes Laufen ohne Druck, kreative Einsprungs- oder Auslaufphase. Negative GOE bestraft Stürze (−5), Unterrotationen, schlechte Landungen und Kontrollverlust.
Die Skala wurde in der Saison 2018/2019 von −3/+3 auf −5/+5 erweitert. Damit bekamen Kampfrichter feinere Abstufungen, und die Ausführungsqualität gewann an Gewicht.
Wie funktioniert die GOE-Skala?
Jede ganze Zahl der GOE-Skala entspricht einem Prozentsatz vom Grundwert des Elements. Diese proportionale Logik bedeutet: Dieselbe GOE bewirkt bei schwierigeren Elementen einen größeren Punkteausschlag. Beispiel — eine +3-GOE auf einem Vierfach-Lutz (Grundwert 11,50) bringt 3,45 Punkte zusätzlich, während +3 auf einem Dreifach-Toeloop (Grundwert 4,20) nur 1,26 Punkte ergibt.
| Goe | Percentage | Description |
|---|---|---|
| −5 | −50 % | Sturz oder schwer misslungenes Element |
| −4 | −40 % | Gravierende Fehler oder mehrere Mängel |
| −3 | −30 % | Deutliche Fehler (z. B. Landung auf beiden Füßen, starke Unterrotation) |
| −2 | −20 % | Klare Fehler (z. B. leichte Unterrotation, wacklige Landung) |
| −1 | −10 % | Kleine Fehler (z. B. minimaler Schönheitsfehler in der Ausführung) |
| 0 | 0 % | Grundqualität — Element wie erwartet ausgeführt |
| +1 | +10 % | Gute Qualität mit einem deutlich positiven Aspekt |
| +2 | +20 % | Sauber ausgeführt mit zwei oder mehr positiven Aspekten |
| +3 | +30 % | Sehr saubere Ausführung mit mehreren positiven Aspekten |
| +4 | +40 % | Hervorragende Ausführung mit herausragenden Qualitäten |
| +5 | +50 % | Außergewöhnliche Ausführung ohne sichtbare Fehler |
Grundwerte der Eiskunstlauf-Elemente
Jedes anerkannte Eiskunstlauf-Element hat einen Grundwert, den die ISU in der Scale of Values festsetzt. Der Grundwert spiegelt die innewohnende Schwierigkeit des Elements wider — vor jeder Qualitätsanpassung. Unten die Grundwerte gängiger Sprungelemente aus der ISU Scale of Values für die Saison 2024/2025.
| Element | Base Value |
|---|---|
| Doppel-Axel (2A) | 3,30 |
| Dreifach-Toeloop (3T) | 4,20 |
| Dreifach-Salchow (3S) | 4,30 |
| Dreifach-Rittberger (3Lo) | 4,90 |
| Dreifach-Flip (3F) | 5,30 |
| Dreifach-Lutz (3Lz) | 5,90 |
| Dreifach-Axel (3A) | 8,00 |
| Vierfach-Toeloop (4T) | 9,50 |
| Vierfach-Salchow (4S) | 9,70 |
| Vierfach-Rittberger (4Lo) | 10,50 |
| Vierfach-Flip (4F) | 11,00 |
| Vierfach-Lutz (4Lz) | 11,50 |
| Vierfach-Axel (4A) | 12,50 |
Wie wird der gestutzte Mittelwert berechnet?
Der Eiskunstlauf nutzt einen gestutzten Mittelwert, um die finale GOE jedes Elements zu ermitteln:
Schritt 1: Alle neun Kampfrichter vergeben unabhängig eine GOE von −5 bis +5.
Schritt 2: Die höchste und die niedrigste Note werden gestrichen, das reduziert den Einfluss von Ausreißern oder Verzerrungen.
Schritt 3: Die verbleibenden sieben Noten werden auf zwei Nachkommastellen gemittelt.
Schritt 4: Die gestutzte mittlere GOE wird über den passenden Prozentsatz des Grundwerts in einen Punktwert umgerechnet und dann zum Grundwert addiert oder von ihm abgezogen — daraus ergibt sich die finale Elementwertung.
Beispiel: Die sieben verbleibenden Noten ergeben eine gestutzte mittlere GOE von +2,43 für einen Dreifach-Axel (Grundwert 8,00). Anpassung: 8,00 × 24,3 % = 1,94, finale Wertung 9,94.
Beispiel: GOE-Effekt auf einen Dreifach-Axel
Berechnen wir die GOE-Anpassung für einen Dreifach-Axel (3A) mit einem Grundwert von 8,00 Punkten.
Schritt 1 — Neun Kampfrichter vergeben GOE:
| K1 | K2 | K3 | K4 | K5 | K6 | K7 | K8 | K9 |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| +3 | +2 | +3 | +4 | +3 | +2 | +3 | +3 | +1 |
Schritt 2 — Streichen: +4 (höchste) und +1 (niedrigste) raus. Bleiben: +3, +2, +3, +3, +2, +3, +3
Schritt 3 — Gestutzter Mittelwert: (3+2+3+3+2+3+3) / 7 = 2,71
Schritt 4 — Punktwert: 8,00 × 27,1 % = +2,17 Punkte
Schritt 5 — Finale Elementwertung: 8,00 + 2,17 = 10,17 Punkte
Zum Vergleich: Ein schlecht ausgeführter Dreifach-Axel mit gestutzter mittlerer GOE von −2,00 ergibt 8,00 − 1,60 = 6,40 Punkte. Die Lücke von 3,77 Punkten kann auf olympischem Niveau über Medaillen entscheiden.
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