Wie ist ein Wettkampf der rhythmischen Sportgymnastik aufgebaut?
Qualifikation, Mehrkampf, Gerätefinale, Gruppen und Mannschaftswertung — was weitergetragen wird und was wieder bei null anfängt
Eine Weltmeisterschaft der rhythmischen Sportgymnastik läuft in drei Schichten. Die Qualifikation entscheidet, wer weiterkommt, und wird danach beiseitegelegt. Der Mehrkampf ist die Summe der vier Übungen einer Gymnastin (Reifen, Ball, Keulen, Band), niemals ihr Durchschnitt. Jedes Gerätefinale nimmt die besten acht und startet mit einer Übung bei null. Bei Gleichstand entscheidet zuerst die Ausführung.
Wettkampfformate der rhythmischen Sportgymnastik auf einen Blick
- Qualifikation: jede gemeldete Gymnastin turnt 3 oder 4 Übungen; die Noten regeln den Einzug in die Finals und zählen danach nicht mehr.
- Mehrkampffinale: die 18 besten aus der Qualifikation, höchstens zwei pro Verband, turnen alle vier Geräte, und die vier Summen werden addiert.
- Gerätefinale: die 8 besten an diesem Gerät turnen einmal, und diese eine Übung vergibt die Medaillen.
- Gruppen: fünf Gymnastinnen und zwei Übungen, eine mit einem Gerätesatz und eine mit einem gemischten Satz, addiert zum Gruppenmehrkampf.
- Gleichstand: die höhere Summe der E-Noten gewinnt, dann die A-Noten, dann die D-Noten; sonst wird der Platz geteilt.
Woraus besteht eine Weltmeisterschaft in der rhythmischen Sportgymnastik?
Eine Senioren-Weltmeisterschaft besteht aus drei getrennten Wettkämpfen mit demselben Starterfeld: einer Qualifikation, einem Mehrkampffinale für 18 Gymnastinnen und je einem Gerätefinale für acht Gymnastinnen an allen vier Geräten. Die Qualifikation regelt nur, wer weiterkommt. Sonst wandert nichts mit.
Ein Verband mit zwei oder drei Einzelgymnastinnen zeigt in der Qualifikation acht Übungen, je zwei an Reifen, Ball, Keulen und Band, und teilt sie nach eigenem Ermessen auf seine Gymnastinnen auf. Ein Verband mit einer Gymnastin meldet sie an drei oder vier Geräten. Aus diesen Noten entstehen drei Dinge: Plätze im Mehrkampffinale, Plätze in den Gerätefinals und die Endplatzierung aller Ausgeschiedenen, ab Rang 19 im Mehrkampf und ab Rang 9 an jedem Gerät.
Artikel 4.3.2 der technischen Reglemente 2026 fasst die entscheidende Regel in einem Satz: Noten aus der Qualifikation werden nicht in die Finals übertragen. Die Qualifikation ist ein Sieb, kein Sparkonto.
| Wettkampf | Wer startet | Übungen | Was weitergetragen wird | Was die Note entscheidet |
|---|---|---|---|---|
| Qualifikation | Alle gemeldeten Gymnastinnen | 3 oder 4 | Nichts, erste Runde | Zugang zu beiden Finals; Plätze ab 19 im Mehrkampf, ab 9 pro Gerät |
| Mehrkampffinale | 18 beste, höchstens 2 pro Verband | 4 | Nichts, Start bei null | Mehrkampfplätze 1-18 |
| Gerätefinale | 8 beste an diesem Gerät, höchstens 2 pro Verband | 1 | Nichts, Start bei null | Plätze 1-8 an diesem Gerät |
Bei Olympischen Spielen fällt das Gerüst noch kürzer aus: 24 Einzelgymnastinnen bestreiten die Qualifikation, die 10 besten erreichen das Mehrkampffinale, bei den Gruppen qualifizieren sich 14 und 8 ziehen ins Finale ein.
Mehrkampf: Summe oder Durchschnitt?
Der Mehrkampf ist eine Summe. Eine Seniorin addiert die Endnoten ihrer vier Übungen (Reifen, Ball, Keulen, Band), und diese eine Zahl bestimmt ihren Rang. Niemand teilt durch vier, und keine Übung fällt heraus. Darja Varfolomeev gewann den Mehrkampf-WM-Titel 2025 in Rio mit 121,900 aus vier Übungen.
Der Unterschied zeigt sich beim Lesen der Ergebnisliste. Ein Durchschnitt ergäbe dieselbe Reihenfolge, würde aber die Abstände einebnen, die tatsächlich über Medaillen entscheiden. In Rio stand auf dem Podium 121,900, 119,300 und 117,950 — 3,95 Punkte Spanne über vier Übungen, weniger als ein Punkt pro Gerät.
Der Weg ins Mehrkampffinale rechnet noch einmal anders. Weil eine Gymnastin in der Qualifikation drei oder vier Übungen turnen darf, entsteht die Rangliste für die 18 Plätze aus ihren drei besten Noten. Im Finale selbst turnt sie alle vier Geräte, und dort werden alle vier Noten addiert.
Gruppen machen dasselbe mit einem kürzeren Programm: zwei Übungen, zwei Noten, eine Summe.
Ein praktischer Hinweis für Ausrichter. In JudgeMate ist jedes Gerät eine Übung, und der Mehrkampf ist die Summe der Übungsnoten innerhalb einer Kategorie, berechnet neben einer eigenen Rangliste pro Gerät. Summen laufen nicht über Kategorien hinweg zusammen, eine Jugend- und eine Seniorenrotation bleiben also zwei Wettkämpfe.
Eine Übung automatisch auswerten.
D-Wert + E-Wert nach dem Code of Points — ohne Taschenrechner.
Was passiert in einem Gerätefinale?
Ein Gerätefinale ist eine einzige Übung, geturnt von den acht besten aus der Qualifikation an diesem Gerät, höchstens zwei pro Verband. Die höchste Summe aus D + A + E abzüglich Strafen gewinnt. Die Note, die den Platz gebracht hat, zählt ab dem Start des Finales nicht mehr.
Dieser Nullstart prägt den ganzen Wettkampf. Wer die Qualifikation mit 0,6 Vorsprung gewonnen hat, nimmt davon nichts mit. Eine Keule, die auf der Stelle aufgenommen wird, kostet 0,50 in der Ausführung, 0,70 nach einem oder zwei Schritten und 1,00, sobald sie die Fläche von 13 mal 13 Metern verlässt, wozu der Linienrichter weitere 0,30 nimmt. In einem Feld, in dem acht Endnoten oft innerhalb eines Punktes liegen, sind diese 1,30 der Weg von Platz eins auf Platz fünf.
Die Zweier-Grenze pro Verband überrascht Neulinge am meisten. Eine starke Nation kann drei Gymnastinnen unter den besten acht am Band haben und trotzdem nur zwei ins Finale schicken; den frei werdenden Platz nimmt die Neuntplatzierte eines anderen Verbands. Für jedes Finale werden drei Ersatzgymnastinnen benannt, die startbereit in der Aufwärmhalle warten müssen.
Gerätefinals der Gruppen laufen genauso: die acht besten Gruppen aus dem Gruppenwettkampf turnen ihre Übung noch einmal, ein Finale je Gerätesatz.
Bei Olympischen Spielen gibt es überhaupt keine Gerätefinals im Einzel. Das olympische Einzelprogramm besteht aus Qualifikation und Mehrkampffinale, deshalb existiert ein Reifentitel bei einer Weltmeisterschaft, aber nicht bei den Spielen.
Wie funktionieren Gruppen- und Mannschaftswertung?
Eine Gruppe sind fünf Gymnastinnen gleichzeitig auf der Fläche, und ein Seniorenprogramm besteht aus zwei Übungen: eine mit einem Gerätetyp, fünf gleiche, und eine mit zwei Typen im Verhältnis drei zu zwei. Der Gruppenmehrkampf ist die Summe dieser beiden Noten. Für 2026 lauten die Sätze 5 Bälle sowie 3 Reifen und 4 Keulen, also drei Gymnastinnen mit Reifen und zwei mit je einem Keulenpaar.
Gemeldet werden dürfen fünf oder sechs Gymnastinnen für das gesamte Programm. Bei sechs muss jede in mindestens einer Übung auftreten, sonst wird die Gruppe disqualifiziert, und eine Übung mit nur vier Gymnastinnen wird gar nicht gewertet. Eine Gruppenübung dauert 2:15 bis 2:30, eine Einzelübung 1:15 bis 1:30.
Die Mannschaftswertung belohnt Verbände, die eine vollständige Delegation stellen. Ein Verband mit zwei oder drei Einzelgymnastinnen und einer Gruppe wird über zehn Übungen gewertet: die acht Einzelübungen aus der Qualifikation plus die zwei Gruppenübungen aus dem Mehrkampf, addiert. Deutschland holte den WM-Mannschaftstitel 2025 nach dieser Formel, vor Bulgarien und der Ukraine.
Die Mannschaftsehrung hat eine eigene Zeremonie am Tag des Gruppenmehrkampfs, bevor ein einziges Gerätefinale geturnt wurde. Nichts in der Mannschaftswertung hängt an den Finals, ein Verband kann den Titel also gewinnen und danach jedes Finale verlieren. Bei Junioren-Weltmeisterschaften zählen sechs statt zehn Übungen: vier im Einzel plus zwei in der Gruppe.
Wie werden Gleichstände aufgelöst?
Die Ausführung kommt zuerst. Beenden zwei Gymnastinnen das Mehrkampffinale mit derselben Endsumme, bekommt die höhere Summe der E-Noten über vier Geräte den besseren Platz, danach die höhere Summe der A-Noten, danach die höhere Summe der D-Noten. Stimmen alle drei überein, bleibt der Gleichstand bestehen und beide teilen sich den Platz.
Im Gerätefinale gilt dieselbe Leiter, nur auf einer Übung: höhere E-Note, dann A-Note, dann D-Note. Saubere Arbeit schlägt schwere Arbeit bei gleicher Summe, und diese Reihenfolge ist im Reglement 2025-2028 bewusst so gesetzt.
Vor der Qualifikation zum Mehrkampffinale steht ein zusätzlicher Schritt. Weil eine Gymnastin drei oder vier Übungen geturnt haben kann, entscheidet zuerst die Summe ihrer zwei höchsten Gerätenoten, danach die E-Noten ihrer drei besten Geräte, danach die A-Noten.
Die Mannschaftswertung klettert dieselbe Leiter über die ganze Delegation: höhere Summe der E-Noten aus zehn Übungen, dann A, dann D, und bei weiterem Gleichstand dieselben drei Vergleiche über die neun besten Übungen.
Junioren-Weltmeisterschaften gehen bewusst den anderen Weg. Gleichstände in der Mannschaftswertung, im Gruppenmehrkampf und in den Gerätefinals werden dort gar nicht aufgelöst.
Wie vereinfachen Vereins- und Regionalwettkämpfe das?
Die meisten Wettkämpfe, die Eltern je sehen, haben genau eine Runde. Jede Gymnastin turnt ihre Übungen einmal, der Mehrkampf ist deren Summe, und dieselben Noten ergeben die Platzierungen pro Gerät ohne separates Finale. Nichts wird zurückgesetzt, weil nichts zweimal geturnt wird.
Nationale Verbände kürzen auch das Programm selbst. Der Deutsche Turner-Bund veröffentlicht ein eigenes Wettkampfprogramm 2025 bis 2028, dazu eine deutsche Fassung des Code de Pointage und fertige Wertungsbögen für DB, DA, A und E. Dieses Programm, nicht der FIG-Code, legt fest, wie viele Übungen ein Jahrgang turnt und welche Geräte in den Mehrkampf zählen.
Das Kampfgericht schrumpft genauso. Eine Weltmeisterschaft setzt vier Kampfrichterinnen auf die Schwierigkeit, vier auf die Artistik und vier auf die Ausführung, dazu zwei Linienrichter und einen oder zwei Zeitnehmer. Ein Vereinswettkampf besetzt oft ein Panel mit einer Person, ein kleiner Wettkampf alle drei Panels mit derselben.
| Senioren-Weltmeisterschaft | Vereins- oder Regionalwettkampf | |
|---|---|---|
| Dauer | 5 Wettkampftage in einem 8-tägigen Ablauf mit Anreise und Podiumstraining | 1 Tag |
| Runden | Qualifikation, Mehrkampffinale, Gerätefinals | Eine Runde |
| Übungen pro Gymnastin | 3-4, danach erneut 4 im Finale | 2 bis 4, einmal geturnt |
| Geräte | Reifen, Ball, Keulen, Band | Übung ohne Gerät plus 1-3 Geräte, nach Stufe |
| Kampfgericht pro Übung | 12 Panelrichterinnen, 2 Linienrichter, 1-2 Zeitnehmer | 1 bis 3 insgesamt |
| Mehrkampf | Summe der 4 Finalübungen | Summe der geturnten Übungen |
| Titel | Mehrkampf, 4 Geräte, Gruppenmehrkampf, 2 Gruppenfinals, Mannschaft | Entscheidung des Ausrichters |
Wertungssoftware sollte dem Wettkampf folgen, nicht umgekehrt. JudgeMate stellt die Geräterotation je Kategorie ein, nur die Übung ohne Gerät für Anfängerinnen oder die vier FIG-Geräte für Seniorinnen, und eine Person kann alle drei Panels halten. Liegen an einem Panel vier oder mehr Noten vor, fallen die höchste und die niedrigste vor der Mittelung heraus, wie bei der FIG; bei einer bis drei Personen gilt das schlichte Mittel.
Zur Wertung selbst erklärt unser Leitfaden zur Wertung in der rhythmischen Sportgymnastik D, A und E im Detail, und der Frankfurt-2026-Überblick führt durch das WM-Geräteprogramm.
Vier Übungen, eine Mehrkampfsumme und ein Gleichstand im Finale
Begleiten wir eine Seniorin durch ein Meisterschaftswochenende. Die Zahlen sind Beispielwerte auf dem Niveau einer nationalen Meisterschaft nach dem Code of Points 2025-2028, nicht eines WM-Finales, in dem der Mehrkampf 2025 mit 121,900 gewonnen wurde.
Schritt 1. Ihre vier Übungen im Mehrkampffinale. Die Endnote einer Übung ist D + A + E, Strafen werden von der Summe abgezogen.
| Gerät | D | A | E | Strafe | Endnote |
|---|---|---|---|---|---|
| Reifen | 9,20 | 8,70 | 8,40 | 0,00 | 26,30 |
| Ball | 9,50 | 8,90 | 8,60 | 0,05 | 26,95 |
| Keulen | 8,90 | 8,50 | 7,90 | 0,30 | 25,00 |
| Band | 9,10 | 8,60 | 8,20 | 0,00 | 25,90 |
Schritt 2. Addieren, nicht mitteln.
26,30 + 26,95 = 53,25
53,25 + 25,00 = 78,25
78,25 + 25,90 = 104,15
Ihre Mehrkampfsumme lautet 104,15. Der Durchschnitt derselben vier Übungen wäre 104,15 ÷ 4 = 26,0375, und diese Zahl taucht auf keiner Ergebnisliste auf. Die Keulenübung lag 1,95 unter der Ballübung und kostete sie in der Wertung volle 1,95, nicht ein Viertel davon.
Schritt 3. Dieselbe Gymnastin im Ballfinale. Sie hat sich als Vierte mit 26,95 qualifiziert. Diese 26,95 sind weg. Sie turnt eine Übung:
D 9,60 + A 9,00 + E 8,75 − 0,00 Strafen = 27,35
Schritt 4. Der Gleichstand. Eine zweite Finalistin geht in der Schwierigkeit höheres Risiko, verliert aber in der Ausführung:
D 9,80 + A 8,95 + E 8,60 − 0,00 Strafen = 27,35
Beide stehen bei 27,35. Die Gleichstandsleiter beginnt mit der Ausführung: 8,75 gegen 8,60. Unsere Gymnastin holt den Titel über die E-Note, obwohl sie 0,20 an Schwierigkeit abgibt. Würde zuerst die Schwierigkeit verglichen, wären die Medaillen vertauscht.
D-Wert und E-Wert von Hand addieren? Überlass es dem System.
Schwierigkeit (D) und Ausführung (E) werden automatisch nach dem Code of Points summiert. Kampfrichter geben Noten ein, JudgeMate berechnet das Endergebnis.
Häufige Fragen zu Wettkampfformaten in der rhythmischen Sportgymnastik
Primärquellen
- Technische Reglemente 2026 — Abschnitt 3, rhythmische Sportgymnastik — Fédération Internationale de Gymnastique
- Rhythmic Gymnastics Code of Points 2025-2028 — Fédération Internationale de Gymnastique
- 41. Weltmeisterschaft der rhythmischen Sportgymnastik 2025 — Rangliste des Mehrkampffinales — Fédération Internationale de Gymnastique (offizielles Ergebnissystem)
- Rhythmische Sportgymnastik — Wettkampfprogramm und Wertungsbögen — Deutscher Turner-Bund
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