Wie wird Skateboarding gewertet?
SLS, Olympia und Contest-Wertung in Street und Park
Zuletzt aktualisiert: 4. März 2026
Fünf Kampfrichter werten jeden Run oder Trick auf einer Skala von 0 bis 100 nach dem Prinzip Overall Impression — die gesamte Darbietung zählt als Einheit, nicht Trick für Trick. Bei Paris 2024 (und für LA 2028 bestätigt): Street-Skater zeigen 2 Runs plus fünf Best Tricks; Park-Skater haben 3 Runs, von denen nur der beste zählt. Höchst- und Niedrigstwertung werden gestrichen, die mittleren drei gemittelt. Es gibt keinen Schwierigkeitsmultiplikator — ein sauberer Kickflip kann ein unsauberes 900 schlagen, wenn Ausführung und Stil stärker sind.
Die Kurzfassung: so funktioniert die Skateboard-Wertung
Skateboard-Wertung ist schlicht: fünf Kampfrichter schauen zu. Jeder vergibt eine Wertung auf einer Skala von 0 bis 100 nach Overall Impression — die gesamte Darbietung zählt, nicht der Trick für sich. Höchst- und Niedrigstwertung fallen weg. Die übrigen drei werden gemittelt. Fertig.
Keine Schwierigkeitstabelle. Kein Multiplikator. Keine Formel. Ein sauberer Kickflip mit Stil schlägt jedes Mal ein unsauberes 900, weil die Kampfrichter den ganzen Run als ein Stück werten. Schwierigkeit, Ausführung, Vielfalt, Stil, Kursnutzung — alles zusammen. So hat sich der Sport entschieden zu werten, und es funktioniert.
Olympisches Format: Street und Park
Zwei Disziplinen. Dieselbe Grundidee.
Street
2 Runs (je 45 Sekunden) + 5 Best-Trick-Versuche. Endwertung = bester Run + 2 beste Tricks = max. 300 Punkte.
Nur 3 von 7 Darbietungen zählen. Ein schwacher Run? Schadet nicht. Drei misslungene Tricks? Egal. Das Format belohnt Konstanz und Wagemut gleichzeitig. In Run 1 auf Nummer sicher gehen, in Run 2 voll angreifen und bei Best Trick die eigene Grenze pushen — ohne Angst vor der Wertung.
Park
3 Runs (je 45 Sekunden). Nur der beste Einzelrun zählt. Max. 100 Punkte. Keine Best-Trick-Runde.
Keine Wiedergutmachung. Du brauchst mindestens einen sauberen, eindrucksvollen Run. Mehr Druck. Es verlangt Mut und Ausführung zur selben Zeit. Beide Disziplinen: 5 Kampfrichter, Skala 0 bis 100, gestutztes Mittel als Rechenverfahren.
Format der Street League Skateboarding (SLS)
Die Street League ist die Flaggschiff-Serie des Top-Street-Skatens. Das aktuelle Format (seit 2023) arbeitet mit einem Ranglisten-System:
Die Fahrer zeigen Runs und Tricks in mehreren Runden, jede Darbietung wird auf einer Skala von 0,0 bis 10,0 gewertet. Die Wertungen werden gegen die Konkurrenz in jedem Abschnitt verglichen. Über K.-o.-Runden geht es weiter bis ins Finale.
Die SLS hat ihr Format über die Jahre mehrfach verändert. Frühere Versionen (2010–2018) nutzten ein festes „2 Runs + 5 Tricks“-System, bei dem bester Run plus zwei beste Tricks addiert wurden. Das heutige System betont direkte Vergleiche und kumulierte Leistung.
Unabhängig von der Formatentwicklung bleiben die Wertungskriterien konstant: Schwierigkeit, Ausführung, Kreativität, Stil und Kursnutzung.
Worauf achten die Kampfrichter?
Skateboard-Kampfrichter werten anhand von fünf Kriterien, die als ein Gesamteindruck zusammenwirken. Sie sind nicht einzeln gewichtet — sie speisen die eine Gesamtwertung:
| Criteria | Description |
|---|---|
| Schwierigkeit | Technische Komplexität der Tricks: Flip-Tricks (Kickflip, Heelflip, Tre Flip), Grinds (Smith, Feeble, Crooked), Kombinationen. Switch- und Nollie-Stance heben die Schwierigkeit zusätzlich. |
| Ausführung | Wie sauber Tricks gelandet werden. Sauberer Pop, korrekter Catch, stabile Landung, kontrolliertes Wegrollen. Ein Wackler oder Credit-Card (seitliche Landung) senkt die Wertung. |
| Vielfalt / Kreativität | Mischung der Trick-Typen (Flips, Grinds, Slides, Manuals), Nutzung verschiedener Obstacles, kreative Linien. Wer denselben Tricktyp wiederholt, wird abgewertet. |
| Stil / Flow | Persönliche Note, weiche Übergänge zwischen Tricks, natürliche Bewegung, sichere Körpersprache. Zwei Skater können denselben Trick zeigen — der mit Stil wertet höher. |
| Kursnutzung | Verschiedene Obstacles und Bereiche werden genutzt, statt am selben Spot zu kleben. Im Park: die ganze Bowl mit Extensions, Hips und Deep End. |
Wie die Trickschwierigkeit in die Wertung wirkt
Anders als im Turnen oder Eiskunstlauf gibt es im Skateboarding keine offizielle Schwierigkeitstabelle — die Kampfrichter ziehen keine Liste hervor und multiplizieren keinen Koeffizienten. Sie beurteilen Schwierigkeit aus Erfahrung, Sportkenntnis und Kontext.
Allgemeine Schwierigkeitsstufen, die die Kampfrichter erkennen:
Niedrig: Grund-Grinds (50-50, Boardslide), Kickflips, Ollies über Obstacles
Mittel: Technische Grinds (Smith, Feeble, Crooked), Flip-in/Flip-out-Grinds, Manual-Kombinationen, konstantes Switch-Skaten
Hoch: Nollie-/Switch-Flip-Tricks in den Grind, Big-Spin-Varianten, Handrail-Tricks, Gap-to-Grind, 540er+ in der Park-Air
NBDs / Progression: Erstmals gelandete Tricks (Never Been Done), 900er+ in der Park-Air, Multi-Flip-Kombinationen in technische Grinds
Entscheidend bleibt: Schwierigkeit gewinnt nicht allein. Ein perfekt ausgeführter mittel-schwerer Trick mit klarem Stil schlägt einen kaum gelandeten harten Trick jedes Mal. Die Kampfrichter belohnen das komplette Paket.
Street vs. Park: wo die Wertung Akzente setzt
Dieselbe Wertungsskala, aber der Schwerpunkt verschiebt sich zwischen den Disziplinen:
Schwerpunkte Street-Wertung
Technische Präzision: sauberer Pop, korrekte Grinds, kontrollierte Slides. Trickwahl auf konkreten Obstacles: der richtige Trick auf das richtige Feature. Konstanz: saubere Landungen, besonders in der Best-Trick-Runde. Linien-Kreativität: eigenständige Kombinationen im Run.
Schwerpunkte Park-Wertung
Flow und Tempo: Momentum durch die Bowl halten, ohne unnötig anzuschieben. Amplitude: wie weit über dem Coping. Nutzung der Transitions: Carven, Pumpen, die Form der Bowl ausspielen. Vielfalt über die Bowl: verschiedene Bereiche (Deep End, Shallow End, Extensions, Hips). Schwierigkeit der Aerials: 540er, 720er, McTwists über dem Coping.
Häufige Irrtümer zur Skateboard-Wertung
„Härtere Tricks gewinnen immer“ — falsch. Ein sauberer Kickflip Crooked Grind mit Stil kann einen unsauberen Double Kickflip schlagen. Kampfrichter belohnen die Verbindung von Schwierigkeit UND Ausführung.
„Kampfrichter werten jeden Trick im Run einzeln“ — nicht ganz. Im Run-Teil werten sie die gesamte 45-Sekunden-Darbietung als ein Stück. In der Best-Trick-Runde wird jeder einzelne Versuch separat gewertet.
„Die Wertung ist zufällig und subjektiv“ — es gibt keine mathematische Formel, aber die Kampfrichter sind ausgebildete Profis und folgen konstanten Kriterien. Die Wertungen eines Fünfer-Panels weichen selten um mehr als 5 bis 10 Punkte voneinander ab — ein deutliches Zeichen für Konsens.
„Man muss jeden Trick landen, um gut zu werten“ — in der Best-Trick-Runde hast du fünf Versuche, und nur deine beste Wertung zählt. Auch im Run zerstört ein kleiner Bobble die Wertung nicht, wenn der Gesamteindruck stark ist.
„Park und Street nutzen unterschiedliche Wertungssysteme“ — sie nutzen dieselbe Skala 0 bis 100 und dieselben Wertungskriterien. Das Format unterscheidet sich (nur Runs vs. Runs + Tricks), die Wertungsphilosophie ist identisch.
Rechenbeispiel: Wertung eines olympischen Street-Auftritts
So entfaltet sich ein olympischer Street-Wettkampf eines Skaters:
Run 1 (45 Sekunden): Kickflip Backside 50-50 auf dem langen Rail, Frontside Boardslide auf der Hubba Ledge, Nollie Heelflip über den Gap, Switch Frontside Crooked Grind auf dem Flat Bar, Tre Flip aus dem End-Section. Sauber, flüssig, gute Kursnutzung. → Wertung: 82,4 (starke Vielfalt und Flow, mittel-hohe Schwierigkeit, saubere Ausführung)
Run 2 (45 Sekunden): Ambitionierter: Backside Smith Grind auf dem großen Rail, Kickflip Frontside Boardslide auf der Hubba, Hardflip die Stairs runter, Slip beim letzten Trick. → Wertung: 71,8 (höhere Schwierigkeit versucht, aber der Slip kostet Punkte)
Best-Trick-Versuche:
- Versuch 1: Kickflip Backside Lipslide auf dem großen Rail → 86,2 (hohe Schwierigkeit, sauber)
- Versuch 2: Derselbe Trick noch einmal, sauberer → Sturz → 0,0
- Versuch 3: Nollie Backside Heelflip → 78,5 (technisch, solide)
- Versuch 4: Switch Heelflip Frontside Boardslide → 88,1 (sehr hohe Schwierigkeit, sauber)
- Versuch 5: 360 Flip Backside Nosegrind → Sturz → 0,0
Endrechnung: Bester Run + 2 beste Tricks: 82,4 + 88,1 + 86,2 = 256,7
(Nur der beste Run zählt plus die beiden höchsten Trick-Wertungen. Run 2 mit 71,8, der 78,5er-Trick und beide Stürze fallen heraus.)
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Häufig gestellte Fragen
Primärquellen
- World Skate — Park-Regelwerk Skateboarding — World Skate
- World Skate — Street-Regelwerk Skateboarding — World Skate
- World Skate — Regelbibliothek Skateboarding — World Skate
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