So wertest du einen Skateboard-Wettkampf
Overall Impression, Kriterien, Wertungssysteme und Praxis
Zuletzt aktualisiert: 24. Februar 2026
Skateboard-Wertung basiert auf Overall Impression — Kampfrichter beurteilen jeden Lauf ganzheitlich statt einzelne Tricks getrennt zu punkten. Ein Panel aus 5 Kampfrichtern vergibt für jeden Run oder Trick eine Note auf der Skala 0–100. Höchst- und Niedrigstwertung werden gestrichen, die drei mittleren werden gemittelt. Einen offiziellen Schwierigkeitsmultiplikator gibt es nicht — ein sauberer, stylischer Kickflip kann einen wackeligen 900 schlagen. Schwierigkeit, Ausführung, Vielfalt, Style und Kursnutzung sind miteinander verwobene Kriterien, keine gewichteten Kategorien. Dieser Leitfaden zeigt dir, wie du Skateboard-Wettkämpfe auf jedem Niveau souverän wertest.
Overall Impression verstehen
Overall Impression ist das Herzstück. Du schaust dem Skater zu. Du nimmst auf, was passiert. Du vergibst eine einzige Note. Mehr nicht. Keine Schwierigkeitstabelle. Keine Komponenten, die addiert werden. Eine Gesamtnote für das, was du gesehen hast.
Das spiegelt das Wesen des Skateboardings wider — es schätzt Originalität, Style und Risiko genauso wie technische Schwierigkeit. Wer etwas Neues sauber landet und im Flow bleibt, verdient die Belohnung, auch wenn die einzelnen Tricks nicht die schwersten im Feld sind.
Was das in der Praxis heißt:
Zähle keine Trick-Punkte im Kopf zusammen. Schau den Run als Ganzes. Ein starker Run baut Momentum auf — jeder Trick fügt der Gesamtbogen etwas hinzu. Ein Sturz drückt die Note, aber ein Fehler löscht nicht alles andere aus. Kontext zählt: derselbe Kickflip Backside Lipslide wertet sich anders auf einer flachen Rail als auf einem großen Handrail. Gleicher Trick, andere Lage. Eine 85 auf einem lokalen Contest ist nicht dasselbe wie eine 85 bei Olympia. Du vergleichst immer relativ zu Niveau und Feld. Wenn du wertest, fragst du dich: Wie gut war dieser Auftritt insgesamt?
Die fünf Wertungskriterien
Overall Impression ist eine einheitliche Note, aber fünf miteinander verwobene Kriterien dienen dir als mentaler Rahmen. Sie werden nicht getrennt gewichtet oder gepunktet — sie speisen die eine Gesamtnote:
| Criteria | Description |
|---|---|
| Schwierigkeit | Technische Komplexität der gezeigten Tricks. Umfasst Flip-Tricks (Kickflip, Heelflip, Tre Flip), Grinds (Smith, Feeble, Crooked), Kombinationen (Flip-in/Flip-out-Grinds) und Stance-Varianten (Switch, Nollie, Fakie). Höheres Schwierigkeitspotenzial bringt höhere Noten — aber nur bei sauberer Ausführung. |
| Ausführung | Wie sauber Tricks gelandet werden. Sauberer Pop, kontrollierter Catch in der Luft, stabile Landung, ruhiges Ausrollen. Ein Wackler, Foot-Drag oder Hand-Touch bei der Landung drückt die Ausführung. Selbst der schwerste Trick verliert an Wirkung, wenn die Landung sketchy ist. |
| Vielfalt | Bandbreite an Trick-Typen und genutzten Obstacles. Ein Run mit Flips, Grinds, Slides, Manuals und mehreren Obstacles wertet sich höher als die Wiederholung desselben Trick-Typs. Vielfalt zeigt komplettes Skateboarding. |
| Style & Flow | Persönlicher Ausdruck, weiche Übergänge zwischen Tricks, gehaltene Geschwindigkeit und souveräne Körperhaltung. Style trennt gutes Skaten vom großartigen. Zwei Skater zeigen identische Tricks — wer es lockerer und natürlicher aussehen lässt, bekommt die höhere Note. |
| Kursnutzung | Verschiedene Obstacles und Sektionen nutzen, statt nur in einer Ecke zu bleiben. Im Street: Rails, Stairs, Ledges, Gaps, Manual Pads. Im Park: das ganze Bowl mit Extensions, Hips, Deep End und Shallow. Kreative Line-Wahl durch den Kurs zählt. |
Runs werten: der 45-Sekunden-Lauf
In Street und Park sind Runs zeitlich begrenzte Läufe (typisch 45 Sekunden), in denen der Skater mehrere Tricks über den Kurs verkettet. Werte die komplette Performance als eine Einheit.
Was einen starken Run ausmacht:
Starker Einstieg: Ein selbstbewusster, sauberer Trick setzt den Ton und etabliert Autorität. Steigende Schwierigkeit: Von soliden Tricks zu schwereren — das zeigt Kontrolle und Anspruch. Weiche Verbindungen: Tricks ohne unschöne Pushes, Stopps oder Zögern verketten — das ist Flow. Volle Kursnutzung: Sich durch verschiedene Sektionen bewegen, das beweist Anpassung und Übersicht. Sauberer Abschluss: Mit einem starken Schluss-Trick einen bleibenden Eindruck hinterlassen.
Wie Stürze Run-Noten beeinflussen:
Ein Sturz im Run drückt die Note deutlich, aber Kampfrichter müssen die Qualität von allem davor und danach anerkennen. Ein Run mit einem Sturz, sonst aber außergewöhnlichem Inhalt, kann 60–70 wert sein, während ein sauberer, aber blasser Run bei 65–75 landet. Kontext zählt — Schwere des Sturzes, wie schnell der Skater zurück in den Lauf findet, wie viel Qualität den Fehler umrahmt.
Orientierungswerte für Run-Noten (ungefähr):
- 90–100: Außergewöhnlich — nahezu perfekte Ausführung schwerer Tricks mit Style und Flow. Sehr selten.
- 80–89: Exzellent, hohe Schwierigkeit, saubere Ausführung, starke Vielfalt und Style. Vereinzelte kleine Schönheitsfehler.
- 70–79: Stark, solide Schwierigkeit und Ausführung mit klaren Höhepunkten. Kleine Fehler vertretbar.
- 60–69: Gut, kompetentes Skaten mit Highlights, aber auch sichtbaren Schwächen oder einem Sturz.
- 50–59: Durchschnittlich, einfache Tricks ordentlich ausgeführt oder schwerere Tricks mit klaren Ausführungsproblemen.
- Unter 50: Unter Durchschnitt, mehrere Stürze, dünne Trick-Auswahl oder unvollständiger Run.
Best-Trick-Versuche werten
Best Trick funktioniert anders — ein einzelner Trick, allein bewertet. Der Skater hat pro Versuch eine Chance, einen Trick zu landen. Du wertest diesen Moment isoliert.
Die Unterschiede zur Run-Wertung:
Fokus auf einen Trick: Du schaust keine Sequenz. Ein Trick. Schwierigkeit, Ausführung, Style dieses einen Tricks. Höhere Risikobereitschaft: Skater versuchen im Best Trick deutlich schwerere Sachen, weil missglückte Versuche nicht zählen. Ein Kickflip Backside Lipslide ist auf einer flachen Rail vielleicht eine 75, auf dem großen Handrail aber 90+ — gleicher Trick, andere Lage. Progression wird belohnt: Hat ein Skater schon eine 80 gestanden, geht er beim nächsten Versuch auf etwas Schwereres. Landet er die härtere Variante, gehört sie höher gewertet. Du wertest die Progression, du bestrafst nicht das Risiko.
TNS (Trick Not Scored): Paris 2024 hat das eingeführt. Der Athlet landet, mag aber die Note nicht? Er kreuzt beide Arme über dem Kopf innerhalb von 5 Sekunden nach der Landung — der Versuch wird TNS (Trick Not Scored), zählt als 0,0, ohne Wiederholungsstrafe. Er darf denselben Trick sofort erneut versuchen, härter. Als Kampfrichter behandelst du TNS wie einen missglückten Versuch (es ist eine 0), verstehst aber, dass der Athlet auf Progression geht. Dieser Mechanismus hat Best Trick von „mach keinen Fehler“ zu „push härter“ verschoben.
Olympisches Street-Format: 5 Best-Trick-Versuche pro Skater. Nur die zwei besten Tricks fließen in die Endnote. Drei missglückte Versuche oder TNS-Refusals? Egal. Diese Struktur ermutigt Skater, voll auf Progression zu gehen, ohne Angst.
Was JudgeMate übernimmt: Das System erkennt automatisch, welche zwei Tricks zählen (die beiden höchsten) und addiert sie zur besten Run-Note. Du wertest jeden Versuch unabhängig. JudgeMate rechnet aus, was am Ende zählt.
Street vs. Park: wie sich die Gewichtung verschiebt
Dieselbe Skala 0–100 und dieselben fünf Kriterien gelten für beide Disziplinen, aber die relative Gewichtung verschiebt sich.
Wertung im Street
Technische Präzision steht im Vordergrund. Street-Tricks auf Rails, Stairs und Ledges verlangen exakte Pop-Höhe, sauberes Lock-in auf Grinds und stabile Landungen auf Flat. Trick-Auswahl auf dem Obstacle zählt — den richtigen Trick für das richtige Obstacle zu wählen, beweist Skate-IQ. Ein Smith Grind auf einer Kinked Rail ist beeindruckender als auf einer geraden Flat Bar. Best Trick wiegt schwer — die Best-Trick-Runde im Street erlaubt Progression und Strategie; belohne Skater, die Grenzen verschieben. Line-Kreativität in Runs zählt, eigene Kombinationen aus Obstacles, die natürlich durch den Kurs fließen.
Wertung im Park
Flow und Speed sind essentiell. Park-Skaten soll leicht aussehen — Geschwindigkeit durch Transitions ohne unnötige Pushes halten. Amplitude (Höhe über der Coping) trennt klar. Höhere Airs zeigen Power, Kontrolle und Commitment. Transition-Nutzung zählt: Carven, Pumpen und die Form des Bowls nutzen statt nur die Lip anzusteuern — das zeigt Beherrschung. Vielfalt bei Aerial-Tricks über verschiedene Sektionen — 540 an einer Wand, McTwist an der nächsten, Kombinationen in der Ecke — zeigt komplettes Park-Skateboarding. Im Park zählt nur der beste Run (drei Runs, bester Score gewinnt), also werte jeden Run unabhängig, als wäre er der einzige.
Das getrimmte Mittel: vom Einzelwert zur Endnote
Bei World-Skate-sanktionierten Skateboard-Wettkämpfen wertet ein Panel aus 5 Kampfrichtern jede Performance unabhängig. Anschließend werden die höchste und die niedrigste Note gestrichen, und die verbleibenden drei werden gemittelt. Das ist das getrimmte Mittel.
Warum das getrimmte Mittel zählt:
Es schützt vor Ausreißern: Wertet ein Kampfrichter deutlich höher oder niedriger als der Konsens, fällt sein Wert heraus. Das schirmt gegen individuelle Voreingenommenheit, nationale Favoritisierung oder schlichte Fehler ab. Es ermutigt zu ehrlichen Werten: Wer weiß, dass Extremwerte wahrscheinlich gestrichen werden, wertet eher im Korridor seiner Kolleginnen und Kollegen. Es hält die Konsistenz: Die mittleren drei Werte liegen bei gut besetzten Panels meist innerhalb von 3–5 Punkten zueinander — das Ergebnis spiegelt echten Konsens.
Beispielrechnung: Kampfrichter-Werte für einen Run: 78, 82, 80, 75, 81
- Höchst- (82) und Niedrigstwert (75) streichen
- Rest mitteln: (78 + 80 + 81) / 3 = 79,67
JudgeMate führt diese Berechnung automatisch in Echtzeit durch. Die Kampfrichter geben ihre Einzelwerte ein, und das getrimmte Mittel erscheint sofort für Publikum und Athleten auf der Live-Rangliste.
Gute Praxis für Skateboard-Kampfrichter
Vor dem Wettkampf:
Kenne das Format. Street oder Park? Wie viele Runs, wie viele Tricks, Skala 0–100 oder 0,0–10,0? Geh über den Kurs. Verstehe, welche Obstacles da sind und welche Tricks sie erlauben. Eine technische Ledge-Kombination hat andere Wertungsfolgen als offene Transition. Geh ins Kampfrichter-Briefing. Der Head Judge legt die Benchmarks fest. Du gleichst Erwartungen mit dem Panel ab. Kalibriert gemeinsam. Schaut Trainings-Runs als Panel an, sprecht Wert-Korridore ab. Das verhindert, dass das Panel beim selben Skater 20 Punkte auseinanderliegt.
Im Wettkampf:
Werte unabhängig. Schau nie auf die Werte anderer Kampfrichter, bevor du deinen eintippst. Das ist die Basis. Nutze die ganze Skala. Stapele nicht alles zwischen 60 und 80. 90+ für Außergewöhnliches. Unter 50 für Schwaches. Volle Range = sinnvolle Abstände. Bleib konsistent. Zwei gleich starke Runs bekommen ähnliche Werte. Konsistenz wiegt mehr als ein konkreter Treffer. Stürze wirken proportional. Ein Sturz in einem sonst starken Run: spürbarer Abzug, kein Totalverlust. Mehrere Stürze: stärkerer Effekt. Jag keinem Konsens nach. Du hältst es für eine 85, der Schnitt liegt bei 78? Gib die 85. Das getrimmte Mittel federt Meinungsverschiedenheiten ab.
Typische Fehler:
Tricks, die du nicht kennst: Werte die Ausführung, nicht den Namen. Sauberer Pop? Stabile Landung? Kontrolliert? Du musst nicht wissen, dass es ein „Kickflip Backside Lipslide“ war, um es zu werten. Schwierigkeit überbewerten: Eine wackelige 900 schlägt keinen perfekt gestandenen 540. Ausführung und Style wiegen gleich. Recency-Effekt: Lass dich nicht vom letzten Skater beeinflussen, wenn du den nächsten wertest. Jeder Run wird für sich gewertet.
Beispielwertung: ein Street-Wettkampf-Run
Geh den Gedankengang einer Wertung für einen 45-Sekunden-Street-Run einmal mit durch.
Der Run: Der Skater drückt an und nimmt das 8-Stair-Set. Sauberer Kickflip die Treppen runter — gute Höhe, sauber gecatcht, stabile Landung. Rollt zur Flat Bar und lockt einen Frontside Boardslide ein, gleitet die volle Länge, sauber ab. Übergang zur Hubba Ledge, Backside Smith Grind, technisch, perfekt im Lock-in, sauber raus. Drückt zum Manual Pad und hält ein langes Manual (über 3 m), bevor er per Kickflip rauskommt. Geht zur großen Rail, versucht ein Backside 50-50, steigt am Ende ab — kleiner Wackler, bleibt aber auf dem Board. Schluss mit einem Frontside 180 über den Gap.
Was der Kampfrichter denkt:
Schwierigkeit: Mittel bis hoch. Kickflip die 8 Stairs, Smith Grind, langes Manual mit Kickflip-Out — solide technische Inhalte. Keine Grenzen-Sprenger, aber durchweg anspruchsvoll.
Ausführung: Sehr sauber bis auf das Abstellen beim 50-50. Fünf von sechs Tricks perfekt gelandet. Das Manual war in Länge und Kontrolle stark.
Vielfalt: Gut — Flip-Tricks, Grinds, Manuals, Gap-Trick. Mehrere Obstacle-Typen genutzt.
Style: Weiche Übergänge, gehaltene Geschwindigkeit, natürliche Körperhaltung. Der Kickflip-Catch war besonders sauber.
Kursnutzung: Gut — Stairs, Flat Bar, Hubba, Manual Pad, Rail und Gap genutzt. Großen Teil des Kurses abgedeckt.
Gesamteindruck: Starker Run mit einem kleinen Patzer. Konsistenz und Flow waren beeindruckend, die Trick-Auswahl klug, die Ausführung großteils sauber. Das Abstellen verhindert die Elite-Note, aber es ist klar ein Auftritt auf hohem Niveau.
Note: 78
Begründung: Über der „Stark“-Schwelle (70+) wegen Qualität und Vielfalt. Unter dem „Exzellent“-Bereich (80+), weil das Abstellen auf der großen Rail — ein möglicher Highlight-Moment — den Gesamteindruck drückt. Mit sauberem 50-50 hätte der Run bei 82–84 landen können.
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Häufige Fragen
Primärquellen
- World Skate Judges Manual und Offizielle Materialien — World Skate
- World Skate Skateboarding Park Rules — World Skate
- World Skate Skateboarding Street Rules — World Skate
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