IFSC-Wertung 2025 erklärt
Das System 25/10/-0,1, gültig seit 2025
Zuletzt aktualisiert: 26. April 2026
Das IFSC-Wertungssystem im Bouldern gilt seit 2025 und vergibt 25 Punkte pro Top, 10 Punkte pro Zone (wenn kein Top erreicht wird) und zieht 0,1 Punkt für jeden gescheiterten Versuch vor dem Erfolg ab. Das Format gilt für alle sanktionierten IFSC-Boulderwettkämpfe bis LA 2028. Bei Gleichstand entscheidet zuerst die Vorrunde, dann der Countback. Den kostenlosen Rechner findest du weiter unten.
Was sich geändert hat und warum
Vor 2025 nutzte das IFSC-Bouldern eine Hierarchie aus Tops, Zones und Versuchen: zuerst die meisten Tops, bei Gleichstand die meisten Zones, dann die wenigsten Versuche. Das System funktionierte, lieferte aber Rangfolgen, die für Übertragungen und Fans schwer zu erklären waren – „diese Athletin hat über die Versuche gewonnen“ brauchte jedes Mal eine Erläuterung.
Das System 25/10/-0,1 ersetzt die Hierarchie durch eine einzige Zahl pro Athlet:
- 25 Punkte pro Top
- 10 Punkte pro Zone (wenn auf diesem Boulder kein Top erreicht wird)
- -0,1 Punkt pro gescheitertem Versuch vor dem Erfolg
Eine Zahl summiert sich über alle Boulder der Runde. Athleten lassen sich sofort über die Gesamtpunktzahl ranken, ohne dass eine Hierarchie interpretiert werden muss. Das Format gilt für Qualifikation, Halbfinale und Finale mit identischer Wertungslogik.
Die Formel im Detail
Pro Boulder:
- Top erreicht:
25 - 0,1 × (gescheiterte_Versuche_vor_dem_Top). Flash = 25,0. Top im 5. Versuch = 25 - 0,4 = 24,6. - Nur Zone:
10 - 0,1 × (gescheiterte_Versuche_vor_der_Zone). Zone im 1. Versuch = 10,0. Zone im 3. Versuch = 10 - 0,2 = 9,8. - Keine Zone, kein Top: 0 Punkte.
Gesamtpunktzahl = Summe über alle Boulder der Runde.
Der Versuchszähler beginnt beim ersten Versuch bei 1 (= 0 gescheiterte Versuche). Jeder weitere gescheiterte Versuch erhöht den Zähler. Der Abzug wird nur von der Wertung für den ersten Erfolg (Top oder Zone) auf diesem Boulder abgezogen; spätere Versuche nach dem ersten Erfolg ziehen nichts ab.
Beispiel: Athletin erreicht die Zone im 2. Versuch und topt im 4. Versuch. Die Wertung für den Boulder ist 25 - 0,3 = 24,7 (3 gescheiterte Versuche vor dem Top: Versuche 1, 2 und 3 ohne Top). Die Zone im 2. Versuch war ein Zwischenschritt – die Wertung spiegelt das Top, nicht die Zone.
Rechenbeispiel – Qualifikationsrunde
Athletin A in einer Qualifikationsrunde mit 4 Bouldern:
- Boulder 1: Top im 1. Versuch (Flash) → 25,0 Punkte
- Boulder 2: Top im 3. Versuch → 25 - 0,2 = 24,8 Punkte
- Boulder 3: Zone im 2. Versuch, kein Top → 10 - 0,1 = 9,9 Punkte
- Boulder 4: Keine Zone, kein Top → 0 Punkte
Gesamt: 59,7 Punkte.
Athletin B in derselben Runde:
- Boulder 1: Top im 4. Versuch → 25 - 0,3 = 24,7 Punkte
- Boulder 2: Top im 1. Versuch (Flash) → 25,0 Punkte
- Boulder 3: Top im 5. Versuch → 25 - 0,4 = 24,6 Punkte
- Boulder 4: Zone im 1. Versuch, kein Top → 10,0 Punkte
Gesamt: 84,3 Punkte. Athletin B kommt in der Qualifikation weiter, obwohl Athletin A einen Flash gemacht hat – B hat 3 Boulder getoppt, A nur 2.
Rechenbeispiel – Finalrunde
Finalrunden nutzen dieselbe Formel auf einem anderen Bouldersatz (üblicherweise 4 Probleme für Frauen- und Männerfinale).
Beispiel Finale:
- Athletin X: Top im 1., Top im 2., Top im 3., Top im 5. → 25 + 24,9 + 24,8 + 24,6 = 99,3 Punkte
- Athletin Y: Top im 1., Top im 1., Top im 4., Zone im 2. → 25 + 25 + 24,7 + 9,9 = 84,6 Punkte
Athletin X gewinnt, obwohl sie im Schnitt mehr Versuche braucht – sie hat alle vier Boulder getoppt, Athletin Y nur drei. Der Versuchsabzug von 0,1 überbrückt den 15-Punkte-Abstand zwischen Top und Zone nicht.
Wer ein IFSC-Finale gewinnen will, muss möglichst viele Boulder toppen. Die Versuchszahl verfeinert die Reihenfolge unter Athleten mit gleichen Tops; sie ersetzt aber keine Tops.
Entscheidung bei Gleichstand
Haben zwei Athleten nach einer Runde dieselbe Gesamtpunktzahl, greifen die IFSC-Gleichstandsregeln in dieser Reihenfolge:
- Vorrunden-Ranking – das Halbfinal-Ranking entscheidet Gleichstände im Finale; das Qualifikations-Ranking entscheidet Gleichstände im Halbfinale.
- Countback – die beste Einzelwertung über alle Boulder, dann die zweitbeste und so weiter, bis der Gleichstand bricht.
- Zahl der Tops – nur, wenn auch der Countback gleich bleibt.
In der Praxis musste die IFSC selten bis zum Countback gehen; das Vorrunden-Ranking deckt die meisten Fälle ab. Bei Gleichstand auf Medaillenrängen im Finale kann die IFSC geteilte Medaillen vergeben, wenn auch der Countback gleich endet – je nach Reglement des Wettkampfs.
Der JudgeMate-Rechner setzt keine Gleichstandsregeln um – er liefert die rohe Punktzahl. Für echte Wettkämpfe läuft die Gleichstandslogik im Wertungssystem des Verbands.
Kostenloser IFSC-Punkterechner
Nutze unseren IFSC-Punkterechner, um Athletenwertungen zu prüfen oder Gleichstandsszenarien durchzuspielen. Trage Top/Zone-Status und Versuchszahl für beliebig viele Boulder ein – das Werkzeug liefert die Summe nach der Formel 25/10/-0,1.
Der Rechner läuft in jedem Browser, eine typische 4-Boulder-Runde ist in rund 30 Sekunden eingetragen, und er verlangt weder Konto noch Anmeldung.
IFSC-Wertung bei einem lokalen Wettkampf umsetzen
Lokale Veranstalter können die IFSC-Wertung 25/10/-0,1 ohne IFSC-Sanktionierung übernehmen. Zwei Wege:
- Strenger IFSC-Modus – Circuit-Format mit Wertungsrichter an jedem Boulder, Isolationsrunden (oder Teil-Isolation) und vollständiger Versuchszählung. Geeignet für nationale Qualifikationen und Jugendmeisterschaften, die Athleten auf IFSC-Wettkämpfe vorbereiten.
- Angepasste Wertung – statische IFSC-nahe Punktwerte (Top=25, Zone=10, Flash=15) pro Boulder im Scramble mit Selbstmeldung in der App. Die Athleten tippen ihr Ergebnis auf jedem nummerierten Boulder ein; der Server summiert die konfigurierten Punkte.
JudgeMate deckt die Variante mit statischen Punktwerten heute ab: Konfiguriere den Wettkampf mit IFSC-nahen Punktwerten pro Boulder, der Server rechnet die Summen automatisch. Eine native Umsetzung des Versuchsabzugs von -0,1 steht auf der Roadmap; bis dahin wird die Formel über feste Punktwerte angenähert, nicht über dynamische Versuchszählung. Für volle Sanktionierung mit Einfluss auf das IFSC-Ranking ist das Verbands-Tool (Vertical-Life) nötig – die lokale Übernahme der Formel erzeugt keine offiziellen Ranglistenpunkte.
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Häufig gestellte Fragen
Primärquellen
- IFSC Bouldering Rules 2025 — IFSC
- IFSC-Ankündigung des neuen Wertungssystems — IFSC
- Olympics.com – Sportklettern-Wertung 2024–2028 — Internationales Olympisches Komitee
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