So wertest du einen Boulderwettkampf
Der Routenrichter-Leitfaden zu Tops, Zonen, Versuchen und allem dazwischen
Zuletzt aktualisiert: 26. April 2026
Bouldern werten gehört zu den objektivsten Aufgaben im Wettkampfsport. Es gibt keine Stilnoten, kein Gremium aus Meinungen – ein Routenrichter klärt pro Versuch drei Dinge: Hat der Athlet die Zone kontrolliert? Hat er den Topgriff kontrolliert? Wie viele Versuche hat er gebraucht? Hinter dieser scheinbaren Einfachheit stecken viele Grenzfälle: Was heißt „Kontrolle“, wann beginnt ein Versuch, und wie gehst du mit strittigen Entscheidungen um? Dieser Leitfaden deckt jeden Teil der Routenrichter-Rolle ab, von der Besprechung vor dem Wettkampf bis zur digitalen Wertung, damit du auf jedem Niveau sicher entscheidest.
Was unterscheidet das Werten beim Bouldern?
Anders als in artistischen oder subjektiv gewerteten Sportarten wie Eiskunstlauf oder Turnen ist das Werten beim Bouldern im Kern binär und objektiv. Der Routenrichter vergibt keine Note zwischen 1 und 10, beurteilt keine Technik und hat keinen ästhetischen Geschmack, der das Ergebnis färbt. Die Frage lautet immer gleich: Hat der Athlet den markierten Griff kontrolliert?
Doch das Wort „Kontrolle“ wiegt schwer. Ein Athlet, der einen Griff anschlägt und sofort stürzt, ist nicht dasselbe wie einer, der ihn fasst, den Körper stabilisiert und erst beim nächsten Zug stürzt. Diese Unterscheidung in Echtzeit zu treffen – manchmal aus einem ungünstigen Blickwinkel, manchmal an einer dynamischen oder überhängenden Wand, ist das eigentliche Können erfahrener Routenrichter.
Bouldern werten unterscheidet sich auch vom Lead-Werten: Es gibt keine durchgehende Beobachtung des Fortschritts von unten nach oben. Ein Lead-Richter verfolgt den höchsten Punkt eines Athleten und beurteilt einen einzigen Sturz. Ein Routenrichter an einem Boulder sieht in einem Zeitfenster von vier Minuten sechs bis zehn schnelle Versuche, muss die Zone jedes Mal korrekt registrieren, wenn sie erreicht wird, und durchgehend einen genauen Versuchszähler führen.
Deshalb sind Genauigkeit und Konzentration die zentralen Kompetenzen eines Boulder-Routenrichters, nicht subjektiver Geschmack. Genau das macht das Werten beim Bouldern besonders geeignet für digitale Wertungssysteme, in denen Eingaben geprüft und in Echtzeit übertragen werden.
Der Routenrichter: Aufgaben und Position
Ein Routenrichter (auch Boulderrichter genannt) wird für die Dauer einer Runde einem einzelnen Boulder zugewiesen. Er bleibt für jeden Durchgang an diesem Boulder und ist allein verantwortlich, das Ergebnis dieses Boulders für jeden Teilnehmer festzuhalten.
Kernaufgaben eines Routenrichters:
- Jeden Versuch beobachten aus einem Winkel, der freie Sicht auf Zone und Topgriff erlaubt. Vor dem Rundenbeginn sollten Richter ihre zugewiesene Position einnehmen und prüfen, ob sie beide Griffe aus verschiedenen Körperstellungen klar sehen.
- Zone und Top validieren: Erreicht ein Athlet die Zone oder den Topgriff, muss der Richter bestätigen, dass Kontrolle hergestellt war, bevor er die Leistung registriert (siehe eigene Abschnitte unten).
- Versuche genau zählen: Der Versuchszähler (Strichliste oder digitales Gerät) wird in dem Moment erhöht, in dem die Füße des Athleten den Boden verlassen (gemäß IFSC-Regeln). Der Stand wird nie nachträglich angepasst, außer der Jurypräsident genehmigt eine Korrektur.
- Mit dem Wertungssystem kommunizieren: Ob über eine Papier-Wertungskarte, ein Handzeichen an einen Eingabe-Operator oder die direkte Eingabe in ein digitales System wie JudgeMate – der Routenrichter überträgt das Ergebnis (Zone ja/nein, Top ja/nein, Versuchszahl) sofort, nachdem der Athlet sein Zeitfenster beendet hat.
- Bürsten zwischen den Athleten steuern: Zwischen den Durchgängen sind Routenrichter dafür zuständig, das Bürsten der Griffe zu beaufsichtigen (oder bei kleineren Wettkämpfen selbst auszuführen), um Magnesia-Ablagerungen zu entfernen. Gleiche Griffbedingungen sind eine Frage der Fairness und der Glaubwürdigkeit des Wettkampfs.
- Sicherheitsregeln durchsetzen: Routenrichter sind die erste Beobachtungsinstanz, wenn ein Athlet einen unerlaubten Griff nutzt, Hände oder Füße außerhalb der definierten Boulder-Begrenzung setzt oder Zusatzausrüstung verwendet (etwa Knieschoner an gesperrten Passagen). Verstöße melden sie dem Jurypräsidenten sofort.
- Neutral bleiben: Ein Routenrichter spricht mit Athleten nicht über den Boulder, gibt keine Beta und reagiert sichtbar nicht so auf eine Leistung, dass es seine Entscheidung beeinflussen könnte.
Für Athleten gelten eigene Regeln zu Isolation, Sichtung und Coaching-Einschränkungen. Die Sicht des Athleten findest du in unserem Leitfaden Boulderwettkampf-Regeln für Kletterer.
Der Jurypräsident: Befugnis, Entscheidungen und Hierarchie
Der Jurypräsident ist der ranghöchste Offizielle des gesamten Wettkampfs. Während Routenrichter Boulder für Boulder arbeiten, behält der Jurypräsident den Überblick über den ganzen Wettkampf und ist die letzte Instanz bei jedem strittigen oder mehrdeutigen Ergebnis.
Wichtige Aufgaben des Jurypräsidenten:
- Besprechung vor dem Wettkampf: Der Jurypräsident bespricht vor dem Rundenbeginn alle Routenrichter ein. Dazu gehört: Top- und Zonengriff jedes Boulders durchgehen, die festgelegten Startpositionen klären, die Auslegung der Begrenzungsbänder bestätigen und das Kommunikationsprotokoll festlegen (digitales System, Papierkarten oder beides).
- Abstimmung mit den Routenbauern: Tritt ein unerwartetes Problem auf (ein Griff bricht während des Wettkampfs, ein Band löst sich oder eine Startposition wird mehrdeutig), berät sich der Jurypräsident mit dem Chefroutenbauer und entscheidet vor Ort. Alle Routenrichter werden über jede Änderung sofort informiert.
- Proteste und strittige Entscheidungen behandeln: Hält ein Trainer oder ein offizieller Teamvertreter eine Entscheidung des Routenrichters für falsch (meist ein strittiges Top oder eine strittige Zone), kann er einen formellen Protest einreichen. Der Jurypräsident prüft die verfügbaren Belege (Videowiederholung, Aussage des Routenrichters) und fällt eine bindende Entscheidung. Bei IFSC-Wettkämpfen ist die Videoüberprüfung Standard, bei lokalen Wettkämpfen oft nicht vorhanden.
- Wettkampfplan managen: Verletzungen, Ausrüstungsausfälle oder Zeitstreitigkeiten können die geplante Reihenfolge durcheinanderbringen. Der Jurypräsident darf den Zeitplan anpassen, zusätzliche Zeit gewähren oder einen Versuch unter festgelegten Umständen wiederholen lassen.
- Befugnis-Hierarchie: Routenrichter → Jurypräsident → Wettkampfjury (auf IFSC-Weltcup- und Weltmeisterschaftsebene). Bei den meisten nationalen und regionalen Wettkämpfen ist die Entscheidung des Jurypräsidenten endgültig. Bei IFSC-sanktionierten Wettkämpfen kann eine Jury aus Delegierten dessen Entscheidungen auf formellen Protest hin überprüfen.
Routenrichter sollten nie zögern, eine unklare Lage an den Jurypräsidenten weiterzugeben. Kurz innehalten und die richtige Antwort einholen ist immer besser, als zu raten und ein falsches Ergebnis ins Wertungssystem einzutragen.
Was zählt als Top? Der Standard des kontrollierten Griffs
Ein Top wird vergeben, wenn der Athlet den markierten Schlussgriff des Boulders sauber kontrolliert. Das entscheidende Wort in jedem relevanten Regelwerk ist „Kontrolle“ – und zu verstehen, was Kontrolle heißt (und was nicht), ist die wichtigste Fähigkeit, die ein Routenrichter entwickelt.
Der IFSC-Standard für einen kontrollierten Topgriff:
Der Athlet muss den Topgriff mit beiden Händen gleichzeitig erreichen (außer der Griff ist ausdrücklich als einhändiges Top markiert, was in der Besprechung vor dem Wettkampf angesagt und klar gekennzeichnet sein muss) und eine stabile, kontrollierte Position zeigen. „Stabil“ heißt: Der Athlet ist nicht in aktiver dynamischer Bewegung – sein Körper hat die Flugbahn kurz angehalten, der Griff ist gefasst statt nur berührt oder angeschlagen, und die Position ist haltbar, sei es nur für den Bruchteil einer Sekunde.
Typische Grenzfälle, die ein Routenrichter unterscheiden muss:
- Berühren vs. kontrollieren: Eine Hand, die den Topgriff berührt, ist allein noch kein Top. Wird die Hand während einer laufenden dynamischen Bewegung auf den Griff gelegt und verlässt ihn sofort wieder, weil der Athlet stürzt, gab es keine Kontrolle. Der Routenrichter muss beobachten, ob zwischen Kontakt und Verlassen ein stabiler Moment lag.
- Anschlagen vs. halten: An sehr dynamischen Bouldern schlagen Athleten den Topgriff oft am Scheitelpunkt eines Sprungs an. Ein sauberes Anschlagen, bei dem der Griff berührt, aber sofort wieder losgelassen wird, ist KEIN Top. Bleibt die Hand am Griff und wird der Abwärtsschwung des Körpers klar gestoppt – auch nur kurz, kann das ein Top sein. Das ist die strittigste Entscheidung beim Bouldern überhaupt.
- Umgreifen (Matching): Viele Topgriffe verlangen, dass beide Hände auf einem einzigen Griff umgreifen. Beide Hände müssen kontrolliert auf den Griff. Wird eine Hand aufgesetzt und der Athlet stürzt, bevor die zweite Hand umgreift, gibt es kein Top.
- Einhändiges Top (lokale Wettkämpfe): Bei manchen regionalen und Club-Wettkämpfen bestimmt der Routenbauer einen Henkel oder großen Griff als gültiges einhändiges Top. Das muss in der Besprechung ausdrücklich angesagt werden und ist nicht der Standardfall.
Bei echtem Zweifel sollten Routenrichter eher kein Top vergeben und sofort den Jurypräsidenten informieren, damit eine Videoüberprüfung (falls vorhanden) den Streit klärt.
Wie Tops in die gesamte Rangliste einfließen – auch wie die Versuchszahl Gleichstände auflöst, erklärt unser Leitfaden Wie Bouldern gewertet wird. Definitionen für kontrollierter Griff, Flash, Zone und weitere Wettkampfbegriffe stehen im Boulder-Glossar.
| Situation | Ruling |
|---|---|
| Beide Hände berühren den Griff, der Körper hält inne | Top – Kontrolle hergestellt |
| Eine Hand schlägt den Griff am Sprungscheitel an, der Körper stürzt weiter | Kein Top – bei knapper Lage mit dem Jurypräsidenten überprüfen |
| Beide Hände berühren den Griff, doch die zweite Hand rutscht sofort ab | Kein Top – Kontakt ohne Kontrolle |
| Athlet fasst den Griff, kurz stabil, stürzt dann beim nächsten Zug | Top – Kontrolle war vor dem nächsten Zug hergestellt |
| Athlet berührt den Griff einhändig, der Boulder hat ein normales zweihändiges Top | Kein Top – beide Hände müssen umgreifen |
Was zählt als Zone? Zwischenkontrolle lesen
Der Zonengriff ist ein einzelner markierter Zwischengriff, meist mit einer anderen Bandfarbe als das Griffmarkierungsband gekennzeichnet. Er liegt in der Regel etwa in der Mitte des Boulders oder an der Crux-Sequenz – dort, wo viele Athleten stürzen und sich das Feld zu trennen beginnt.
Derselbe Standard des kontrollierten Griffs, der für das Top gilt, gilt auch für die Zone. Der Athlet muss einen stabilen, gewollten Griff am Zonengriff zeigen – nicht nur beiläufig berühren, während er sich durch den Boulder bewegt.
Zonen-spezifische Wertungspunkte:
- Zone auf dem Weg zum Top: Meist liegt der Zonengriff auf der Sequenz, die zum Top führt. Kontrolliert ein Athlet die Zone und klettert dann weiter zum Top, werden Zone und Top vergeben. Die Zone muss nicht gesondert erneut gezeigt werden.
- Zone ohne Kontrolle passiert: Das ist die besondere Herausforderung der Zone. Ein Athlet, der sich dynamisch durch die Zonenpassage bewegt, kann den Zonengriff kurz berühren, ohne ihn zu kontrollieren. Der Routenrichter muss bereits in dem Moment registriert haben, ob die Zone kontrolliert war – er kann sie nicht nachträglich aus einem späteren Eindruck vergeben.
- Zone in derselben Bewegung wie ein Sturz: Das ist vielleicht die schwierigste Entscheidung beim Bouldern. Stell dir einen Athleten vor, der zu einem Griff oberhalb der Zone springt, den Zonengriff während der Aufwärtsbewegung streift und sofort stürzt. Hat er die Zone kontrolliert? Die Antwort hängt allein davon ab, ob am Zonengriff ein stabiler Moment lag. Lautet die ehrliche Einschätzung des Richters, dass die Hand den Zonengriff nur im Vorbeiziehen berührt hat und der Körper nie zum Stillstand kam, wird die Zone nicht vergeben.
- Zone aus einem Kniehang oder einer Körperposition: Manche Boulder erlauben Ruhepositionen ohne Hände. Stellt ein Athlet einen stabilen Kniehang oder eine Körperverklemmung her und kann beide Hände von der Wand nehmen, zeigt das klare Körperkontrolle in der Zonenpassage, der Routenrichter sollte diesen Kontext bewerten und bestätigen, ob der Zonengriff selbst als Teil dieser kontrollierten Position bedeutsam berührt wurde.
- Nur eine Zone pro Boulder: Die Zone ist ein einzelner Griff. Ein Routenrichter sollte vor dem Rundenbeginn genau bestätigen, welcher Griff festgelegt ist. Hat sich Griffband verschoben oder gelöst, muss der Jurypräsident das vor dem Rundenstart klären.
| Situation | Ruling |
|---|---|
| Athlet fasst den Zonengriff, Körper stabil, klettert dann weiter nach oben | Zone vergeben – Kontrolle hergestellt |
| Athlet streift den Zonengriff, während er sich dynamisch durch die Passage bewegt | Keine Zone – Kontakt ohne Kontrolle |
| Athlet kontrolliert den Zonengriff, stürzt dann beim nächsten Zug darüber | Zone vergeben – Kontrolle war hergestellt |
| Athlet springt am Zonengriff vorbei und berührt ihn während eines Sturzes | Keine Zone – kein stabiler Moment am Griff |
Wann beginnt ein Versuch? Die Füße-vom-Boden-Regel
Versuche genau zu zählen ist einer der eindeutigsten – und am häufigsten diskutierten, Teile der Routenrichter-Arbeit. Die Regel ist im Prinzip einfach: Ein Versuch beginnt in dem Moment, in dem beide Füße den Boden (oder die festgelegte Startposition) verlassen.
Die IFSC-Definition in der Praxis:
Die meisten Boulder haben markierte Startgriffe für Hände und Füße, mit Band gekennzeichnet. Ein Versuch wird gezählt, sobald der Athlet sein Körpergewicht vom Boden nimmt – genau in dem Moment, in dem beide Füße keinen Kontakt mehr zum Boden oder zur Startposition haben. Alles davor ist kein Versuch.
Was NICHT als Versuch zählt:
- Die Startgriffe mit den Händen berühren, während beide Füße am Boden bleiben.
- Einen Fuß auf einen Start-Fußtritt setzen, während der andere Fuß am Boden bleibt.
- Unterhalb der Startposition sitzen, stehen oder hocken und die Griffe ansehen.
- Die Struktur eines Griffs mit der Fingerspitze testen, während man am Boden steht.
Was als Versuch zählt:
- Beide Füße verlassen den Boden gleichzeitig oder nacheinander – auch wenn der Athlet sofort wieder absteigt, ohne einen Griff zu erreichen.
- Der Athlet steigt in die Wand (verlagert das Gewicht über die Füße auf die Wandfläche) und steigt dann wieder ab, egal wie hoch er kam.
- Der Athlet macht einen entschlossenen Zug nach oben aus den Startgriffen und stürzt sofort, ohne nennenswerte Höhe zu erreichen.
Das „Wieder-abgestiegen“-Szenario: Ein Athlet, der mit beiden Füßen auf den Start-Fußtritt steigt und sofort wieder absteigt, ohne die Hände nach oben zu bewegen, hat trotzdem einen Versuch eingeleitet. Das verwirrt neue Richter oft. Der Versuchszähler wird erhöht, sobald beide Füße den Boden verlassen – nicht erst, wenn (oder falls) der Athlet stürzt.
Vorbereitung vs. Einsatz lesen: Athleten dürfen die Startgriffe mit den Händen berühren, während die Füße noch am Boden sind. Das ist kein Versuch – das ist Vorbereitung. Routenrichter müssen den genauen Moment im Blick haben, in dem beide Füße den Boden verlassen, um den Versuchszähler im richtigen Augenblick zu starten.
| Action | Attempt |
|---|---|
| Startgriffe mit den Händen berühren, Füße am Boden | Nein – nur Vorbereitung |
| Beide Füße verlassen den Boden, Athlet steigt sofort wieder ab | Ja – Versuch gezählt |
| Athlet steigt in die Wand, stürzt beim ersten Zug | Ja – Versuch gezählt |
| Athlet bürstet Griffe, während er am Boden steht | Nein – Bodenkontakt gehalten |
| Ein Fuß auf dem Start-Fußtritt, der andere Fuß am Boden | Nein – beide Füße müssen den Boden verlassen |
Digitale Wertungssysteme: Wie JudgeMate die Routenrichter-Arbeit verändert
Beim klassischen Ablauf füllten Routenrichter Papier-Wertungskarten aus – eine pro Athlet und Boulder, und gaben sie an Eingabe-Operatoren weiter, die die Ergebnisse von Hand in eine Tabelle tippten. Dieser Ablauf ist langsam, fehleranfällig und erzeugt eine deutliche Verzögerung zwischen dem letzten Athleten im Zeitfenster und den Live-Ergebnissen für Trainer, Athleten und Zuschauer.
Wie JudgeMate den Ablauf verändert:
Mit JudgeMate bedient jeder Routenrichter ein digitales Gerät (Tablet oder Smartphone), das seinem Boulder zugewiesen ist. Sobald ein Athlet sein Zeitfenster beendet, trägt der Routenrichter direkt in der App ein:
- ob der Zonengriff kontrolliert war (Schalter ja / nein)
- ob der Topgriff kontrolliert war (Schalter ja / nein)
- die Gesamtzahl der Versuche dieses Athleten an diesem Boulder
Das System prüft die Eingabe (es markiert unmögliche Kombinationen wie ein Top ohne Zone bei normalen Bouldern), überträgt die Daten sofort an den zentralen Wertungsserver und aktualisiert die Live-Rangliste in Echtzeit. Trainer und Athleten mit Wettkampfzugang sehen Ergebnisse innerhalb von Sekunden nach der Eingabe.
Vorteile gegenüber Papiersystemen:
- Übertragungsfehler entfallen: Die häufigste Quelle falscher Ergebnisse bei Papierwettkämpfen ist eine fehlgelesene Handschrift oder eine vertippte Zahl. Die digitale Eingabe schließt das aus.
- Live-Rangliste: Zuschauer, Übertragungsteams und Athleten in der Isolation sehen eine Live-Rangliste, die sich mit eingehenden Ergebnissen laufend ändert, statt auf eine manuelle Auszählung nach der Runde zu warten.
- Automatische Ranglistenberechnung: Versuchszahlen, Zonen und Tops werden automatisch gereiht. Es gibt keine Formel von Hand, das schließt menschliche Rechenfehler in der Endtabelle aus.
- Audit-Trail: Jede Eingabe ist mit Zeitstempel versehen und einem bestimmten Richtergerät zugeordnet. Wird ein Ergebnis bestritten, zeigt das Systemprotokoll genau, wann die Eingabe erfolgte und ob Korrekturen vorkamen.
- Protest-Unterstützung: Bei Wettkämpfen, die Videoüberprüfung mit dem digitalen System koppeln, kann der Jurypräsident strittige Ergebnisse direkt im System kommentieren, und die korrigierten Daten fließen sofort in alle Ausgaben.
Für Routenrichter senkt die digitale Wertung die kognitive Last – kein Hantieren mit Papierkarten, Stiften oder Strichlisten. Die volle Aufmerksamkeit des Richters bleibt beim Athleten. Wer seine Versuchszahl-Rechnung am IFSC-System 25/10/-0,1 prüfen will, kann Szenarien über den kostenlosen IFSC-Punkterechner durchspielen oder die ausführliche Erklärung in IFSC-Wertung 2025 erklärt lesen.
Einen vollständigen Vergleich der Wertungsanforderungen über die IFSC-Formate Isolation, Scramble und Circuit findest du in unserem Leitfaden zu Boulderwettkampf-Formaten.
Ein Tag als Routenrichter: Boulder 3 im Boulder-Finale
Hier ein Schritt-für-Schritt-Bericht, was ein Routenrichter in einer typischen Boulder-Finalrunde erlebt, anhand eines fiktiven Wettkampfs mit acht Finalisten (nach IFSC-Finalformat 2025).
Morgens: Ankunft und Besprechung
Der Routenrichter kommt 90 Minuten vor Rundenbeginn an die Halle. Der Jurypräsident hält eine Besprechung mit allen Routenrichtern und dem Chefroutenbauer. Jeder Richter bekommt seinen Boulder gezeigt, die festgelegten Startgriffe, den Zonengriff (mit orangem Band markiert) und den Topgriff (mit rotem Band markiert). Der Jurypräsident stellt klar, dass der Topgriff beide Hände umgegriffen und eine stabile Körperposition verlangt. Der Zonengriff ist eine einzelne Leiste; dem Richter wird gesagt, dass der danebenliegende Fußtritt NICHT als Zone zählt – nur die markierte Leiste.
Der Routenrichter geht zu Boulder 3 und prüft seinen Blickwinkel. Er stellt sich leicht links der Sturzzone auf, was ihm freie Sicht auf die Zonen-Leiste auf Höhe des dritten Zugs und den Top-Slopergriff darüber gibt. Der Richter kalibriert sein JudgeMate-Gerät und bestätigt die Synchronisierung mit dem richtigen Boulder und der richtigen Runde.
Athletin 1 – Sauberer Flash
Die erste Finalistin verlässt die Isolation, sichtet während des zweiminütigen Sichtungsfensters alle Boulder und kommt zu Boulder 3. Sie steigt auf die Start-Fußtritte, setzt beide Hände an die Startgriffe und beginnt zu klettern. Sie bewegt sich flüssig durch die Zonenpassage – der Richter bestätigt, dass ihre rechte Hand die orange markierte Leiste fasst und ihr Körper eine halbe Sekunde innehält, bevor sie weiter nach oben klettert. Zone: bestätigt. Sie erreicht den Top-Slopergriff, greift mit beiden Händen um und stabilisiert sich. Top: bestätigt. Der Richter trägt ein: Zone = ja, Top = ja, Versuche = 1. Ein Flash.
Athlet 2 – Strittige Top-Entscheidung
Der zweite Finalist hat einen explosiven, dynamischen Stil. In seinem dritten Versuch springt er in einer großen dynamischen Bewegung zum Top-Slopergriff. Seine rechte Hand berührt den Griff am Scheitelpunkt der Bewegung. Der Richter beobachtet: Die Hand fasst den Griff, der Körper bewegt sich leicht weiter nach oben, dann schwingt der Athlet ab. War Kontrolle hergestellt? Die ehrliche Einschätzung des Richters: Es war kein stabiler Moment zu sehen. Der Athlet ruft den Jurypräsidenten zur Überprüfung. Der Jurypräsident sieht die verfügbare Wiederholung. Die Entscheidung: kein Top – der Griff reichte nicht für Kontrolle. Der Richter trägt ein: Zone = ja, Top = nein, Versuche (bis Zone) = 2, Versuche gesamt = 6.
Athletin 3 – Zone, aber kein Top, mehrere Versuche
Die dritte Finalistin kämpft sichtlich mit der Crux oberhalb der Zone. Sie fasst den Zonengriff im zweiten Versuch sauber und hält ihn zwei Sekunden, bevor sie beim nächsten Zug stürzt. Die Versuche 3 bis 8 enden alle mit Stürzen unterhalb oder an der Zone – doch die Zone ist nach Versuch 2 schon vergeben. Der Richter verfolgt, dass sie in den Versuchen 3 bis 8 den Zonengriff nicht erneut kontrolliert (sie berührt ihn, stabilisiert aber nicht), die Zonenzahl bleibt also bei 1. Am Ende ihres Zeitfensters trägt der Richter ein: Zone = ja, Top = nein, Versuche (bis Zone) = 2, Versuche gesamt = 8.
Rundenende: Datenübermittlung
Nachdem die achte Finalistin ihr Zeitfenster beendet hat, prüft der Richter seine acht Eingabesätze auf dem JudgeMate-Gerät und bestätigt, dass sie stimmen. Der Bildschirm des Jurypräsidenten zeigt die Live-Rangliste, die sich aktualisiert, während die Richter an allen vier Bouldern ihre Einträge abschließen. Die Ergebnisse werden binnen zwei Minuten nach der letzten Athletin veröffentlicht.
Bereit, Wettkämpfe zu werten?
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Häufige Fragen
Primärquellen
- IFSC Rules 2025 — IFSC
- IFSC Judging and Officials Resources — IFSC
- IFSC Boulder Setting Manual — IFSC
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