Wie Carrom gewertet wird
Das ICF-System Board für Board, die Damenregel, an der viele scheitern, und ein komplett durchgerechnetes Spiel
Im Carrom bekommt der Sieger eines Boards einen Punkt für jeden gegnerischen Stein, der auf dem Brett liegen bleibt, plus drei Punkte für die Dame, wenn er sie versenkt und gedeckt hat — höchstens zwölf Punkte pro Board. Für wen 22 Punkte erreicht sind, zählt die Dame nicht mehr. Ein Spiel ist bei 25 Punkten oder nach dem achten Board gewonnen, je nachdem was früher eintritt, und ein Match entscheidet sich in drei Spielen.
Die Werteinheit ist das Board, nicht der Punkt
Im Carrom wird kein Zähler um eins hochgesetzt. Die Einheit ist das Board — eine vollständige Runde, vom Break bis zu dem Moment, in dem jemand seinen letzten Stein räumt.
Jede Seite hat neun Steine, die eine weiß, die andere schwarz, dazu kommt ein einzelnes rotes Stück: die Dame. Ein Board endet in dem Augenblick, in dem eine Seite alle neun eigenen Steine versenkt hat (Regel 52a). Erst dann steht fest, was das Board wert war.
Für die Ergebnisführung ist das entscheidend, denn ein Board kann einen Punkt oder zwölf wert sein, und darüber entscheidet, was am Ende noch auf der Fläche liegt. Zwei Boards können am Tisch gleich klar aussehen und auf dem Protokoll sechs Punkte auseinanderliegen.
Was ein Board wert ist
Der Sieger bekommt einen Punkt für jeden gegnerischen Stein, der auf dem Brett liegen bleibt (Regel 53a). Sonst zählt nichts — weder die Dauer noch die Zahl der Schläge auf beiden Seiten.
Dazu kommt die Dame. Hat der Sieger das rote Stück versenkt und gedeckt, schreibt er sich drei Punkte gut (Regel 52b). Decken heißt, mit demselben oder dem nächsten Schlag einen eigenen Stein nachzulegen; eine ungedeckte Dame kehrt in die Mitte zurück und ist nichts wert.
Die Obergrenze liegt bei zwölf Punkten pro Board (Regel 55) — neun gegnerische Steine plus gedeckte Dame. Das ist das theoretische Maximum und tritt nur ein, wenn die Verliererseite überhaupt nichts versenkt hat.
Der Verlierer eines Boards bekommt null. Daraus folgt etwas, das man deutlich sagen sollte: Der Sieger holt immer mindestens einen Punkt, denn läge dem Gegner kein Stein mehr, hätte dieser zuerst geräumt und das Board selbst gewonnen.
Kostenlose Live-Anzeigetafel.
Spielstand und Zeit auf der Großleinwand, gesteuert vom Handy.
Ab 22 Punkten zählt die Dame nicht mehr
Das ist die Regel, die trennt, wer das Regelwerk gelesen hat und wer nicht.
Nach Regel 54 verliert eine Seite, die 22 Punkte erreicht hat, für den Rest dieses Spiels den Vorteil der Dame. Bei 21 Punkten zählt die Dame noch voll. Bei 22 ist sie wertlos — sie lässt sich weiter versenken und decken, sie bleibt dem Gegner damit verwehrt, aber sie bringt keine Punkte mehr.
Der Grund ist rechnerisch und nicht traditionell: Ein Spiel ist bei 25 gewonnen, also könnte jemand mit 22 Punkten, dem die Dame noch drei brächte, das Spiel allein über die Dame beenden. Die Regel schließt diese Tür.
Die Falle für die Ergebnisführung: Die Schwelle wird am Stand vor dem Board geprüft, nicht danach. Wer mit 21 Punkten ein Board mit sechs verbliebenen Steinen und gedeckter Dame gewinnt, bekommt 6 + 3 = 9 und steht bei 30. Wer in derselben Lage bei 22 steht, bekommt 6 und landet bei 28. Dasselbe Board, ein anderer Stand — und am Tisch deutet nichts darauf hin, welcher Fall vorliegt. Dafür muss man auf den laufenden Stand sehen.
Ein Spiel endet bei 25 Punkten oder nach acht Boards
Regel 56a gibt einem Spiel zwei Ziellinien, und die zuerst erreichte beendet es:
- 25 Punkte. In dem Moment, in dem eine Seite 25 erreicht, ist das Spiel vorbei. Zwei Punkte Vorsprung sind nicht nötig — Carrom kennt keinen Einstand.
- Acht Boards. Hat nach dem achten Board niemand 25 Punkte, gewinnt die führende Seite das Spiel.
Die zweite Bedingung übersehen Ergebnisprogramme meistens, und das ist kein Schönheitsfehler. Ein Spiel, das nach acht Boards 14:11 steht, ist beendet: Die Seite mit 14 hat gewonnen. Ein Programm, das nur die 25-Punkte-Marke kennt, lässt dieses Spiel weiterlaufen und vergibt den Sieg am Ende an die falsche Seite.
Steht es nach dem achten Board gleich, entscheidet ein Zusatzboard (Regel 56b). Weil der Sieger eines Boards immer mindestens einen Punkt holt, bringt dieses Zusatzboard immer eine Entscheidung — ein Carrom-Spiel und damit auch ein Match endet nie unentschieden.
Ein Match entscheidet sich in drei Spielen
Regel 57 legt das Matchformat fest: Ein Match wird über drei Spiele entschieden. Wer zuerst zwei Spiele gewinnt, gewinnt das Match.
Weil ein Spiel schon nach dem achten Board enden kann und nicht erst bei 25 Punkten, hat ein Carrom-Match eine recht berechenbare Länge — in der Praxis grob zwischen sechzehn und fünfundzwanzig Boards statt der offenen Spanne, die die Punktgrenze allein nahelegt.
Zwischen den Spielen wird gewechselt: im Einzel auf die gegenüberliegende Seite (Regel 58), im Doppel jeweils zur nächsten Seite nach rechts (Regel 59).
Wer breakt, und wer spielt Weiß
Wer die Auslosung gewinnt, wählt entweder die Seite oder das Recht zum ersten Schlag. Nimmt er den Break, geht die Seitenwahl an den Gegner.
Innerhalb eines Spiels wechselt der Break von Board zu Board (Regel 49a). Er folgt nicht dem Sieger — ein verlorenes Board kostet den nächsten Break nicht, ein gewonnenes bringt ihn nicht ein.
Wer breakt, spielt in diesem Board die weißen Steine und überlässt dem Gegner Schwarz (Regel 43). Die Farben hängen also am Break, nicht an der Person: Über ein Spiel mit acht Boards spielt jede Seite viermal Weiß.
Im zweiten Spiel breakt zuerst, wer im vorigen Spiel nicht zuerst gebreakt hat. Vor dem Zusatzboard nach einem Gleichstand wird neu ausgelost — allein über den Break, nicht über die Seite.
Das Doppel wird genauso gewertet wie das Einzel
Im Doppel spielen vier Personen, die Partner sitzen einander gegenüber, sodass alle vier Seiten des Bretts besetzt sind (Regel 28). Die Reihe geht jeweils an die Person rechts von der, die gerade am Zug war (Regel 49b).
An der Wertung ändert sich nichts. Ein Board zählt weiterhin die verbliebenen gegnerischen Steine plus drei für eine gedeckte Dame, höchstens zwölf. Ein Spiel geht weiterhin bis 25 Punkte oder acht Boards. Ein Match entscheidet sich weiterhin in drei Spielen.
Deshalb braucht ein Wertungssystem für Carrom nur ein einziges Modell für beide Formate — Einzel und Doppel unterscheiden sich darin, wie viele Personen am Brett sitzen, nicht darin, wie ein Board gezählt wird.
Vier Fehler, die auf Papierprotokollen auftauchen
Die eigenen Steine des Siegers mitzählen. Die Punkte ergeben sich aus dem, was dem Gegner liegen bleibt, nicht aus dem, was der Sieger versenkt hat. Der Sieger hat per Definition alle neun eigenen versenkt — diese Zahl ist immer gleich und sagt nichts aus.
Die Dame jemandem mit 22 Punkten oder mehr gutschreiben. Der häufigste Einzelfehler und der am schwersten nachträglich zu findende, weil das Board selbst völlig normal aussieht.
Ein neuntes Board spielen, weil niemand 25 erreicht hat. Das Spiel endete beim achten. Alles danach ist ein anderes Spiel — außer es stand gleich, dann ist genau ein Zusatzboard richtig.
Ein Unentschieden eintragen. Dieses Ergebnis gibt es im Carrom nicht. Zeigt ein Protokoll ein unentschiedenes Match, fehlt darin ein Board.
Rechenbeispiel: ein vollständiges Spiel
Zwei Spieler, A und B. A gewinnt die Auslosung und nimmt den Break, spielt also in Board 1 Weiß.
Board 1 — A gewinnt, B bleiben 5 Steine, keine Dame. A bekommt 5. → A 5, B 0
Board 2 — B gewinnt, A bleiben 7 Steine, Dame gedeckt. B steht bei 0, also weit unter der Schwelle, die Dame zählt: 7 + 3 = 10. → A 5, B 10
Board 3 — A gewinnt, B bleiben 2 Steine, keine Dame. A bekommt 2. → A 7, B 10
Board 4 — A gewinnt, B bleiben 9 Steine, Dame gedeckt. B kam gar nicht ins Spiel. 9 + 3 = 12, das Maximum für ein Board. → A 19, B 10
Board 5 — B gewinnt, A bleiben 4 Steine, keine Dame. → A 19, B 14
Board 6 — A gewinnt, B bleiben 3 Steine, Dame gedeckt. A steht bei 19, also unter 22, die Dame zählt noch: 3 + 3 = 6. A erreicht 25. Das Spiel endet sofort — ohne Zwei-Punkte-Vorsprung und ohne die restlichen Boards auszuspielen. → A 25, B 14
Jetzt eine Änderung. Angenommen, A hätte vor Board 6 bei 22 statt bei 19 gestanden. Dasselbe Board — drei Steine und gedeckte Dame — wäre nur 3 wert, weil die Dame ab 22 Punkten nicht mehr zählt (Regel 54). In diesem Fall käme A trotzdem auf 25; lägen dem Gegner bei einem Stand von 22 aber nur zwei Steine, bekäme A 2 und stünde bei 24 — das Spiel liefe weiter.
Und noch eine. Angenommen, nach dem achten Board hat niemand 25 und es steht A 21, B 19. Das Spiel ist an dieser Stelle beendet und A gewinnt es, weil A nach dem achten Board führt (Regel 56a). Stünde es A 20, B 20, würde ein neuntes Board gespielt, um die beiden zu trennen (Regel 56b).
Kostenlose Live-Anzeigetafel — steuere sie vom Handy.
Zeige Spielstand und Zeit auf der Großleinwand. Steuere alles vom Handy und teile den Link mit den Fans. Ohne Anmeldung, ohne Installation.
Häufige Fragen
Quellen
- Laws of Carrom — Indian Carrom Federation
- Laws of Carrom (ICF) — Malaysian Carrom Association
- Laws of Carrom (PDF) — School Games Federation of India
- About Carrom — International Carrom Federation
Verwandte Leitfäden
Bereit, deinen Wettkampf zu leiten?
Erstelle einen kostenlosen Wettkampf und lass die Wertung sich selbst erledigen.