Dressur — Wertung, Reglement und Richten
Noten bis zehn, doppelt gewertete Lektionen und ein Ergebnis auf drei Nachkommastellen
Dressur wird Lektion für Lektion von 0 bis 10 in halben Notenschritten bewertet, wobei schwierige Lektionen und die Gesamtnote Harmonie mit dem Koeffizienten 2 multipliziert werden. Die Punktzahl jedes Richters wird durch die Höchstpunktzahl der Prüfung geteilt — beim FEI-Grand-Prix 460 — und mit 100 multipliziert; die Prozentwerte der Richtergruppe werden anschließend gemittelt und auf drei Nachkommastellen veröffentlicht.
Wettkampfformate und Richten in der Dressur
Wettkampfformate
Championate und Olympische Spiele
Ein Welt- oder Kontinentalchampionat umfasst drei Prüfungen und drei Medaillensätze. Der Grand Prix ist die Mannschaftsprüfung, der Grand Prix Spécial die erste Einzelprüfung (für die 30 Besten des Grand Prix), die Kür die zweite (für die 18 Besten des Spécial, höchstens drei pro Nation).
Eine Mannschaft besteht aus drei oder vier Reitern; bei vieren zählen die drei besten Ergebnisse. Mitgenommen wird nichts: Nach Art. 425.4.3 beginnt jede Prüfung bei null.
Das olympische Format weicht davon ab. Dort ist der Grand Prix nur Qualifikation, der Grand Prix Spécial entscheidet über die Mannschaftsmedaillen, und die Kür vergibt den einzigen Einzelmedaillensatz.
Die CDI-Turnierserie
Internationale Turniere sind von CDI1* bis CDI5* eingestuft; CDI-W-Etappen speisen den Weltcup, CDIO-Turniere tragen einen Nationenpreis. Die Einstufung bestimmt die Größe der Richtergruppe: mindestens drei Richter bei CDI1* und CDI2*, fünf ab CDI3*, und bei CDI4*, CDI5* und CDI-W sind sieben zulässig.
Ein Grand Prix Spécial auf einem CDI darf nur nach einem Grand Prix ausgeschrieben werden und steht 6 bis 18 Paaren offen. Sind im Grand Prix 30 oder mehr Paare gestartet, darf der Veranstalter im Spécial nicht weniger als 15 Starter zulassen.
Wie Dressur bewertet wird: das Handwerkszeug des Richters
Jede Lektion bekommt von jedem Richter eine eigene Note, und zu jeder Zahl der Skala gehört eine feste FEI-Bezeichnung: 10 ausgezeichnet, 8 gut, 6 befriedigend, 0 nicht ausgeführt. Halbe Noten sind von 0,5 bis 9,5 erlaubt.
Die Gewichtung setzt der Richtbogen, nicht die Gruppe. Im Grand Prix 2026 tragen 11 der 33 Lektionen den Koeffizienten 2 — alle drei Piaffen, beide Galopppirouetten, die Einerwechsel, die Zickzack-Traversale, beide Trabtraversalen sowie starker und versammelter Schritt. Passage und starker Trab nicht.
**Noten 0-10 pro Lektion** — jede mit fester FEI-Bezeichnung, halbe Noten von 0,5 bis 9,5, und Schritte von 0,1 nur für die künstlerischen Noten der Kür (Art. 423).
**Koeffizient 2** — der einzige Multiplikator in den aktuellen FEI-Bögen, angewendet auf elf der 33 Grand-Prix-Lektionen und auf die Gesamtnote (Art. 423.10, Art. 425.1).
**Die Note Harmonie** — die einzige verbliebene Gesamtnote, zum 1. Januar 2026 aus „Gesamteindruck" umbenannt, wert 10 × 2 = 20 Punkte (Art. 423.9).
**Prozentwert pro Richter** — Punkte geteilt durch die Höchstpunktzahl der Prüfung, mal 100; die Prozentwerte der Gruppe werden gemittelt und auf drei Nachkommastellen veröffentlicht (Art. 425.5).
**Strafen in Prozentpunkten** — zwei Punkte für den ersten Bahnfehler und Ausschluss beim zweiten, 0,5 Punkte für einen formalen Mangel, alles erst nach der Umrechnung in Prozent abgezogen (Art. 424).
Bei Championaten richten die Richter aus eigenen Häuschen, die an das Judges Signalling System angeschlossen sind (Art. 411.7.1) — ein diskreter Knopf, der den Richter bei C über Blut, Lahmheit, einen Bahnfehler oder einen Ausrüstungsmangel informiert. Über der Gruppe steht das dreiköpfige Judging Supervisory Panel, verpflichtend bei Olympischen Spielen, bei Welt- und Kontinentalmeisterschaften auf Grand-Prix-Niveau und bei Weltcupfinals. Es verfolgt die Noten live auf eigenen Bildschirmen, hat ein rückspulbares Videosignal, darf ausschließlich eindeutige technische Fehler und Zählfehler korrigieren und niemals eine Note außerhalb der von den Richtern vergebenen Spanne setzen (Art. 442).
Dressur — eine Prüfung, die Zeile für Zeile bewertet wird
Die Dressur hat das wörtlichste Wertungssystem des Reitsports. Die Aufgabe ist eine niedergeschriebene Folge nummerierter Lektionen, und jeder Richter schreibt noch während des Rittes zu jeder einzelnen eine Note von 0 bis 10, halbe Noten eingeschlossen.
Was aus diesen Noten wird, entscheidet eine im Reglement festgeschriebene Rechnung und nicht das Ermessen der Gruppe. Schwierige Lektionen werden mit dem Koeffizienten 2 multipliziert, eine Gesamtnote — seit dem 1. Januar 2026 Harmonie genannt — ebenfalls, und die Punkte jedes Richters werden durch die Höchstpunktzahl der Prüfung geteilt: 460 beim FEI-Grand-Prix.
Erst danach wird aus der Gruppe eine Zahl. Jeder Richter wird zuerst in Prozent umgerechnet, das Endergebnis ist der Mittelwert dieser Prozentwerte, veröffentlicht auf drei Nachkommastellen. Gerundet wird beim einzelnen Richter und nicht erst am Ende, weshalb die dritte Nachkommastelle echte Arbeit leistet — und weshalb sie überhaupt veröffentlicht wird.
Die größten Dressurwettbewerbe
Der Dressurkalender ruht auf einem vierjährigen Championatsrhythmus, der Hallensaison des Weltcups und der internationalen CDI-Serie, die beide speist.
FEI-Weltmeisterschaften
Der wichtigste Titel der Disziplin, über drei Prüfungen geritten, mit Medaillen für Mannschaft, Spécial und Kür. Die **Ausgabe 2026 findet in Aachen statt**, die Dressur läuft vom **11. bis 15. August** innerhalb eines Championats über sechs FEI-Disziplinen.
Olympische Spiele
Drei Reiter pro Nation und **kein Streichergebnis**, ein Grand Prix, der nur qualifiziert, ein Grand Prix Spécial, der die Mannschaftsmedaillen vergibt, und eine Kür, die den Einzeltitel entscheidet. Die nächste Ausgabe ist Los Angeles 2028.
FEI-Weltcupfinale Dressur
Der Höhepunkt der Hallensaison, entschieden über Grand Prix und Kür und von fünf Richtern plus Ersatzrichter gerichtet. Die FEI hat den **Schwierigkeitsgrad** der Kür 2026 nach dem Finale in Fort Worth verschärft.
FEI-Europameisterschaften
Der kontinentale Titel, nach derselben Drei-Prüfungs-Struktur wie eine WM ausgetragen und auf Grand-Prix-Niveau von sieben Richtern gerichtet. Bei Kontinentalmeisterschaften ist das Judging Supervisory Panel verpflichtend und nicht optional.
Das Viereck und das Werkzeug des Richters
In der Dressur beeinflusst kaum ein Ausrüstungsstück die Wertung — das Viereck selbst ist jedoch ein Messinstrument, und die Position des Richters entscheidet darüber, was überhaupt beurteilbar ist.
Das Viereck und seine Bahnpunkte
Eine internationale Seniorenprüfung wird auf einem 20 × 60 m großen Viereck geritten, mit den Bahnpunkten A, K, E, H, C, M, B, F rund um den Hufschlag sowie den Bahnpunkten V, P, R und S auf den langen Seiten. In der Para-Dressur reiten die Grade I bis III auf 20 × 40 m, die Grade IV und V auf der vollen Größe.
Richterhäuschen und Signalsystem
Die Richter sitzen 3 bis 5 m außerhalb des Vierecks. Drei nehmen die kurze Seite hinter C ein, zwei sitzen bei B und E an den langen Seiten, und bei sieben Richtern kommen zwei hinter A dazu. Bei Championaten trägt jedes Häuschen einen Knopf des Judges Signalling System, der mit dem Richter bei C verbunden ist.
Der Richtbogen
Sämtliche Noten, Koeffizienten und Höchstwerte stehen auf dem FEI-Richtbogen und nicht im Reglement. Der Grand-Prix-Bogen 2026 führt 33 Lektionen auf, druckt bei elf davon den Koeffizienten daneben, nennt als Höchstwert 460 und markiert die Reitzeit von 6:30 als nur zur Information.
Die Geschichte der Dressurwertung
Warum das Ergebnis ein Prozentwert ist
Dressurprüfungen enthalten unterschiedlich viele Lektionen, und die FEI legt für jede eine eigene Höchstpunktzahl fest: 460 Punkte für den Grand Prix, 470 für den Grand Prix Spécial sowie 200 plus 200 für die Kür. Erst die Angabe als Prozentsatz dieser Höchstpunktzahl macht ein Grand-Prix-Ergebnis mit einem Spécial-Ergebnis vergleichbar — und deshalb spricht man von 75,217 % und nicht von 346 Punkten.
Die Gesamtnoten und der Einschnitt von 2018
Früher endete eine Dressurprüfung mit vier Gesamtnoten. Zum 1. Januar 2018, nach der FEI-Generalversammlung im November 2017, wurden die Noten für Grundgangarten, Schwung und Durchlässigkeit gestrichen — die Dressage Judging Working Group hatte argumentiert, sie ließen Raum, ein Ergebnis nachträglich zu justieren. Übrig blieb allein die Note für Sitz und Einwirkung. Spätere Anläufe, eine zweite Gesamtnote zurückzubringen, scheiterten 2021 und erneut 2023.
Die Änderungen 2026 und die Revision 2027
Die zum 1. Januar 2026 wirksamen Änderungen fielen bewusst klein aus: Die verbliebene Gesamtnote wurde in Harmonie umbenannt und auf Kooperation, Leichtigkeit und die Ausbildungsskala bezogen; die Blutregel wurde verschärft und gilt nun schon beim Anreiten ans Viereck, mit der Pflicht des Richters bei C, bei Verdacht anzuhalten und nachzusehen; und das Rundungsband in Art. 425.5.4 wurde geschlossen. Die eigentliche Arbeit ist die vollständige Reglementsrevision, die 2026 für 2027 läuft — dabei stehen sowohl die Verlegung von vier der sieben Championatsrichter an die langen Seiten als auch die vollständige Abschaffung der Gesamtnote zur Debatte.
Verwandte Leitfäden
Häufige Fragen zur Dressur
Primärquellen
- FEI Dressage Rules, 26. Auflage, mit den ab 1. Januar 2026 gültigen Änderungen — Fédération Equestre Internationale
- FEI-Richtbogen Grand Prix 2026 — Fédération Equestre Internationale
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