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Paralympische Klassifizierung: Was die Codes bedeuten

Alle Codes der 6 paralympischen Wintersportarten, entschlüsselt

Zuletzt aktualisiert: 15. April 2026
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Jeder paralympische Athlet bekommt einen Code wie LW2, SB-LL1 oder B3. Der Code beschreibt Art und Schwere der Beeinträchtigung. So treten Athleten mit vergleichbarer funktioneller Leistungsfähigkeit gegeneinander an — ähnlich wie die Gewichtsklassen im Boxen. Die Einteilung ist sportartspezifisch: Eine Klassifizierung im Skifahren gilt nicht automatisch für den Snowboard-Wettkampf. Dieser Leitfaden entschlüsselt alle Codes der 6 paralympischen Wintersportarten bei Mailand-Cortina 2026.

Schnell-Decoder: Was bedeuten Buchstaben und Zahlen?

Jeder paralympische Code folgt derselben Logik: Buchstaben benennen die Beeinträchtigungsgruppe, Zahlen zeigen die Schwere (niedriger = stärker beeinträchtigt). Hier die sechs häufigsten Wintercodes auf einen Blick:

CodeLettersNumberSportExample
LW2LW = Locomotor Winter2 = einseitige Beinbeeinträchtigung, schwer (z. B. Oberschenkelamputation)Alpin, Biathlon, Langlauf1 Ski + 2 Krückenstöcke (Outrigger)
LW10LW = Locomotor Winter10 = sitzend, stärkste RumpfeinschränkungAlpin, Biathlon, LanglaufMonoski (Sit-Ski), kaum Rumpfkontrolle
B1B = Blind1 = vollständige oder fast vollständige BlindheitPara-Biathlon, LanglaufAkustisches Zielsystem + Guide am Führseil
AS1AS = Alpine Skiing vision1 = stärkste SehbeeinträchtigungPara-Ski-AlpinGuide-Skifahrer mit Funkkopfhörer, neu ab 2026
SB-LL1SB = Snowboard; LL = Lower Limb (untere Extremität)1 = stärker beeinträchtigt (z. B. Oberschenkelamputation)Para-SnowboardHäufig mit sportspezifischer Beinprothese
SB-ULSB = Snowboard; UL = Upper Limb (obere Extremität)ohne Zahl = einarmige bzw. Hand-KategoriePara-SnowboardBeine voll funktionsfähig, angepasste Technik

Was ist die paralympische Klassifizierung?

Die paralympische Klassifizierung gruppiert Athleten nach funktioneller Leistungsfähigkeit — nicht nach Diagnose. So entscheidet sportliches Können über den Sieg und nicht die Frage, wer am wenigsten beeinträchtigt ist.

Ohne Klassifizierung würden leicht beeinträchtigte Athleten stets vor schwer beeinträchtigten landen, egal wie viel Talent, Training oder Technik dahintersteckt. Der Vergleich mit den Gewichtsklassen im Boxen trifft es am besten: So wenig, wie ein Fliegengewicht gegen einen Schwergewichtler antreten sollte, so wenig sollte ein einseitig unterhalb des Knies amputierter Athlet mit einem doppelseitig oberhalb des Knies amputierten Athleten in einem Skirennen verglichen werden.

Entscheidend ist: Die Klassifizierung ist sportartspezifisch. Eine Beeinträchtigung wirkt sich im Ski-Alpin anders aus als im Langlauf oder im Snowboard. Derselbe Athlet kann in der Abfahrt eine bestimmte Startklasse haben und in einer anderen Sportart einen ganz anderen Leistungseinfluss zeigen. Deshalb hat jede Sportart ein eigenes Klassifizierungssystem und eigene Codes.

Live-Ergebnisse
1
MN
Maya Nowak
Schnitt der Kampfrichter
284
2
LB
Leo Berg
Schnitt der Kampfrichter
247
3
TK
Theo Kraus
Schnitt der Kampfrichter
228
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Wie unterscheidet sich die Klassifizierung von Gewichtsklassen im Boxen?

Der Box-Vergleich erklärt das Prinzip gut, drei Punkte sind aber anders:

1. Ein Maß gegenüber vielen: Boxen nutzt ein einziges objektives Kriterium — das Körpergewicht. Die paralympische Klassifizierung misst funktionelle Leistungsfähigkeit in mehreren Dimensionen: Muskelkraft, Bewegungsumfang, Gleichgewicht, Koordination und Sehfähigkeit. Dazu braucht es ausgebildete Klassifizierer, nicht nur eine Waage.

2. Sportartspezifisch, nicht universell: Die Gewichtsklasse eines Boxers gilt für jeden Boxkampf. Eine paralympische Startklasse gilt für genau eine Sportart — derselbe Athlet kann in unterschiedlichen Sportarten unterschiedliche Klassen haben, weil sich eine Beeinträchtigung in jeder Disziplin anders auswirkt.

3. Dreistufiges Verfahren statt einer Messung: Im paralympischen Sport gibt es keine Selbsteinstufung. Jeder Athlet durchläuft eine medizinische Sichtung, eine körperliche Beurteilung und eine Beobachtung im Wettkampf — denn funktionelle Leistungsfähigkeit muss bewertet, nicht nur gemessen werden. Diese Komplexität ist nötig, weil paralympischer Sport mehr Differenzierung verlangt als die Frage „Wie viel wiegst du?“.

Decoder für die Wintersport-Klassifizierungen

Die Übersichtstabelle aller Klassifizierungscodes der 6 paralympischen Wintersportarten bei Mailand-Cortina 2026:

SportCodesStandingSittingVision ImpairedFactored TimeTotal Classes
Para-Ski-AlpinLW / ASLW1–LW9LW10–LW12AS1–AS4Ja~20
Para-BiathlonLW / BLW1–LW9LW10–LW12B1–B3Ja~14
Para-LanglaufLW / BLW1–LW9LW10–LW12B1–B3Ja~14
Para-SnowboardSB-SB-LL1, SB-LL2entfälltSB-UL (obere Extremität)Nein3
Rollstuhl-CurlingentfälltEine KlasseentfälltNein1
Para-EishockeyentfälltEine KlasseentfälltNein1

Die 10 zugelassenen Beeinträchtigungsarten

Das IPC erkennt 10 Beeinträchtigungsarten für alle paralympischen Sportarten an. Nicht jede Sportart umfasst alle 10 — die Wintersportarten betreffen vor allem körperliche Beeinträchtigungen und Sehbeeinträchtigungen.

TypeDescriptionWinter Sports
Eingeschränkte MuskelkraftVerminderte Kraftentfaltung der Muskeln (z. B. Rückenmarksverletzung, Muskeldystrophie)Ja
Eingeschränkter passiver BewegungsumfangReduzierte Gelenkbeweglichkeit (z. B. Arthrogrypose, Gelenkkontrakturen)Ja
GliedmaßenfehlenVollständiges oder teilweises Fehlen von Knochen oder Gelenken (z. B. Amputation, angeborene Fehlbildung)Ja
BeinlängendifferenzDeutlicher Längenunterschied der Beine durch Knochenverkürzung oder FehlbildungJa
KleinwuchsVerringerte Standgröße durch verkürzte Gliedmaßen oder Rumpf (z. B. Achondroplasie)Ja
HypertonieKrankhaft erhöhte Muskelspannung (z. B. Zerebralparese, Schlaganfall, Hirnverletzung)Ja
AtaxieUnkoordinierte Bewegungen neurologischer Ursache (z. B. Zerebralparese, Hirnverletzung)Ja
AthetoseUnwillkürliche langsame Bewegungen (z. B. Zerebralparese, Hirnverletzung)Ja
SehbeeinträchtigungReduziertes oder fehlendes Sehvermögen (z. B. Netzhauterkrankungen, Sehnervschäden)Ja
Geistige BeeinträchtigungDeutlich eingeschränkte kognitive Leistungsfähigkeit und adaptives VerhaltenNein (nicht im Winter)

So läuft die Klassifizierung ab — das Verfahren

Jeder paralympische Athlet durchläuft ein mehrstufiges Klassifizierungsverfahren:

Schritt 1: Medizinische Sichtung — Ein Panel aus 2–3 geschulten Klassifizierern prüft die medizinische Dokumentation: Diagnose, Krankheitsverlauf, Bildgebung. Damit werden die zugrunde liegende Beeinträchtigung und die Zulassungsfähigkeit bestätigt.

Schritt 2: Körperliche und technische Beurteilung — Standardisierte Tests messen, wie sich die Beeinträchtigung auf sportartspezifische Bewegungen auswirkt. Im Skifahren: Bewegungsumfang, Muskelkraft, Gleichgewicht und Koordination.

Schritt 3: Beobachtung im Wettkampf — Im echten Wettkampf wird beobachtet, ob die Leistung zur eingestuften Beeinträchtigung passt. Dieser Schritt ist entscheidend, um vorsätzliche Falschdarstellung zu erkennen (Athleten, die bei der Beurteilung absichtlich schwächer auftreten, um eine günstigere Startklasse zu erhalten).

Klassifizierungsstatus:

  • Bestätigt (C): Klassifizierung ist endgültig.
  • Überprüfung (R): Vorläufige Klassifizierung mit erneuter Beurteilung.
  • Neu (N): Erstklassifizierung, wird später überprüft.

Eine Neuklassifizierung ist möglich, wenn sich der Zustand des Athleten ändert (bei progredienten Erkrankungen), neue Befunde vorliegen oder ein formaler Protest Erfolg hat.

Vertiefung — Alpin und Nordisch (LW-System)

Das LW-System (Locomotor Winter) gilt im Ski-Alpin, Biathlon und Langlauf.

Stehende Klassen (LW1–LW9):

  • LW1: Schwere Beeinträchtigung beider Beine — 2 Ski + 2 Krückenstöcke
  • LW2: Einseitige Beinbeeinträchtigung (z. B. Oberschenkelamputation), 1 Ski + 2 Krückenstöcke
  • LW3: Beide Beine beeinträchtigt, milder, 2 Ski + 2 Stöcke
  • LW4: Ein Bein beeinträchtigt, milder, 2 Ski + 2 Stöcke
  • LW5/7: Beide Arme beeinträchtigt, 2 Ski, KEINE Stöcke
  • LW6/8: Ein Arm beeinträchtigt, 2 Ski + 1 Stock
  • LW9: Kombinierte Arm- und Beinbeeinträchtigung, Ausrüstung variiert

Sitzende Klassen (LW10–LW12):

  • LW10: Stärkste Einschränkung — kaum Rumpfkontrolle (Paraplegie T5–T10)
  • LW11: Mittelschwer, teilweise Rumpfkontrolle (tiefere Paraplegie)
  • LW12: Am wenigsten beeinträchtigt, gute Rumpfkontrolle (geringe Beinbeeinträchtigung)

Sehbeeinträchtigte Klassen:

  • Alpin nutzt AS1–AS4 (neu ab 2026): AS1 = stärkste, AS4 = leichteste Sehbeeinträchtigung
  • Nordisch nutzt B1–B3 (klassisch): B1 = vollständige bzw. fast vollständige Blindheit, B2 = schwer, B3 = mittel

Alle sehbeeinträchtigten Athleten starten mit einem verpflichtenden Guide. Im Alpin fährt der Guide voraus und gibt Anweisungen per Funk. Im Langlauf läuft der Guide an einer kurzen Schnur mit dem Athleten verbunden.

Vollständige Übersicht: Para-Ski-Alpin · Para-Nordisch · Para-Snowboard · Rollstuhl-Curling · Para-Eishockey · Hub 2026

Vertiefung — Snowboard-Klassen (SB-System)

Para-Snowboard nutzt das einfachste System: nur 3 Kategorien nach Extremitätenbeeinträchtigung:

  • SB-UL (Upper Limb): Arm- oder Handbeeinträchtigung. Die Beine arbeiten voll, Gleichgewicht und Technik müssen ohne vollen Armeinsatz angepasst werden.
  • SB-LL1 (Lower Limb 1): Stärkere Beinbeeinträchtigung (z. B. Oberschenkelamputation). Erfordert große biomechanische Anpassung. Viele Athleten nutzen eine sportspezifische Beinprothese.
  • SB-LL2 (Lower Limb 2): Mildere Beinbeeinträchtigung (z. B. Unterschenkelamputation). Modifizierte Technik mit mehr erhaltenem Bewegungsumfang als bei SB-LL1.

Anders als im Skifahren arbeitet Para-Snowboard ohne Zeitfaktor — jede Klasse hat einen eigenen Medaillenwettbewerb, eine Umrechnung der Zeiten zwischen den Klassen entfällt.

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Streitpunkte und Herausforderungen der Klassifizierung

So unverzichtbar das Klassifizierungssystem ist, ohne Reibung läuft es nicht:

Vorsätzliche Falschdarstellung — Das schwerwiegendste Problem. Einigen Athleten wurde vorgeworfen, bei der Beurteilung absichtlich schwächer zu agieren, um eine günstigere Startklasse zu erhalten. Im paralympischen Sport gilt das als Pendant zum Doping. Aufsehenerregende Fälle haben zu strengeren Beobachtungsprotokollen geführt.

Subjektivität der Beurteilung — Klassifizierer arbeiten zwar nach standardisierten Protokollen, ein Rest Bewertungsspielraum bleibt aber, wenn eine Beeinträchtigung auf die Funktion bezogen wird. Zwei Panels können denselben Athleten unterschiedlich einstufen — Proteste und Einsprüche sind die Folge.

Progrediente Erkrankungen — Athleten mit Krankheiten, die sich über die Zeit verändern (etwa Multiple Sklerose oder degenerative Augenerkrankungen), leben mit der Unsicherheit einer möglichen Neuklassifizierung.

Grenzfälle — Athleten an der Grenze zwischen zwei Klassen stehen vor einer harten Lage. Eine Stufe nach oben kann bedeuten, gegen deutlich weniger beeinträchtigte Gegner anzutreten.

Trotz dieser Reibungspunkte bleibt das Klassifizierungssystem das Fundament fairer paralympischer Wettkämpfe. Das IPC investiert in Forschung, Schulung und Technik, um Genauigkeit und Konsistenz weiter zu verbessern.

Sommer vs. Winter — wie sich die Klassifizierung unterscheidet

Falls du wissen willst, wie Klassifizierung jenseits des Wintersports funktioniert:

Leichtathletik (Track & Field) nutzt die Präfixe T (Track) und F (Field) plus Zahl: T11–T13 (Sehen), T20 (geistig), T31–T38 (Koordination), T40–T46 (Gliedmaßen), T51–T57 (Rollstuhl). Die Zahl benennt die Startklasse innerhalb der Beeinträchtigungsgruppe.

Schwimmen nutzt S (Freistil/Rücken/Schmetterling), SB (Brust) und SM (Lagen). S1 = stärkste, S14 = leichteste Beeinträchtigung. Weil jede Lage andere Bewegungen verlangt, kann ein Athlet für jede Lage eine andere Klasse haben.

Rollstuhlbasketball nutzt ein eigenes Punktesystem (1,0–4,5). Jeder Spieler erhält einen Punktwert nach funktioneller Leistungsfähigkeit. Eine Aufstellung aus 5 Spielern darf zusammen höchstens 14,0 Punkte haben — das zwingt zu strategischer Aufstellung.

Boccia nutzt die Klassen BC1–BC4 für Athleten mit schwerer Beeinträchtigung aller vier Gliedmaßen. BC3-Athleten lenken den Ball über eine Rampe.

Jede Sommersportart hat ihr eigenes System, jede Wintersportart ebenfalls. Das Prinzip bleibt: Athleten nach funktioneller Leistungsfähigkeit gruppieren, damit Talent über den Sieg entscheidet und nicht der Grad der Beeinträchtigung.

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Geprüft von

JudgeMate Editorial Team

Redaktionsstandards
Geprüft anhand

IPC Classification Code 2025, World Para Snow Sports 2025/26

Zuletzt geprüft 2026-04-15 · nächste Januar 2027

FAQ

Primärquellen

  1. IPC Classification Code und International StandardsInternational Paralympic Committee
  2. World Para Snow Sports — Regeln und VorschriftenInternational Paralympic Committee
  3. World Para Ice Hockey — Regeln und VorschriftenInternational Paralympic Committee

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