Squash schiedsrichtern
Let und Stroke, Behinderung, 3-Schiedsrichter-System, Video Review
Zuletzt aktualisiert: 26. Februar 2026
Die Hauptaufgabe einer Squash-Schiedsrichterin ist die Entscheidung über Let, Stroke und No Let, wenn sich beide Spielerinnen im engen Court gegenseitig behindern. Auf Clubebene sitzt eine Person über der Rückwand und entscheidet allein. Auf Eliteebene arbeitet ein 3-Schiedsrichter-System — die zentrale Person ruft die Entscheidung, die beiden seitlichen können per Mehrheit überstimmen. Bei großen Turnieren steht Video Review zur Verfügung. Zusätzlich kontrollierst du Aufschlagfehler, Einspielen, Pausen zwischen den Sätzen und Konduktstrafen.
Rolle und Position der Schiedsrichterin
Squash-Schiedsrichter haben eine ungewöhnliche Aufgabe: Sie entscheiden über komplexe Behinderungssituationen in einem engen Raum, in dem zwei Spielerinnen mit hoher Geschwindigkeit oft nur Zentimeter voneinander entfernt agieren.
Position: Die Schiedsrichterin sitzt oder steht auf einer erhöhten Plattform über der Mitte der Rückwand und schaut entlang des Courts zur Stirnwand. Von dort siehst du Bewegung, Ballflug und mögliche Behinderungen am besten. Über das gesamte Match musst du konzentriert bleiben, denn eine Behinderung kann in jedem Ballwechsel passieren.
Hauptaufgaben:
- Entscheidungen über Let, Stroke und No Let, wenn die Spielerinnen reklamieren.
- Aufschlagfehler rufen (Ball unter der Aufschlaglinie, falsches Viertel, Fußfehler).
- Aus-Entscheidungen (Ball über der Auslinie an irgendeiner Wand, Treffer auf das Tin).
- Beurteilen, ob der Ball zweimal aufgesprungen ist („Not up“ oder „Down“).
- Pausen zwischen den Sätzen verwalten (90 Sekunden).
- Konduktverwarnungen und -strafen für unsportliches Verhalten aussprechen.
- Beurteilen, ob der Ball defekt ist und ersetzt werden muss.
- Das Einspielen leiten (insgesamt 5 Minuten, 2,5 pro Seite).
Rufprotokoll: Die Schiedsrichterin ruft die Entscheidung deutlich und hörbar. Standardrufe sind:
- „Yes, let“ — der Ballwechsel wird wiederholt.
- „Stroke to [Spielername]“ — Punkt zugesprochen.
- „No let“ — keine Behinderung, Ballwechsel zählt.
- „Fault“ — Aufschlagfehler, Punkt für die Annehmerin.
- „Not up“ oder „Down“ — der Ball ist vor dem Schlag zweimal aufgesprungen.
- „Out“ — Ball über der Auslinie oder im Tin.
Behinderung verstehen — das Herzstück der Squash-Officiating
Behinderung ist das prägende Konzept beim Squash-Officiating. Zwei Spielerinnen teilen sich denselben Raum, also entstehen ständig Situationen, in denen Position oder Bewegung der einen den Zugang der anderen zum Ball einschränkt. Die WSF-Regeln definieren klare Prinzipien dafür:
Rechte der Schlagenden: Die Spielerin, die den Ball gleich schlagen will (Striker), hat das Recht auf:
- Ungehinderten direkten Zugang zum Ball nach einem angemessenen Ausschwung.
- Freie Sicht auf den Ball — die Gegnerin darf die Sichtlinie nicht verdecken.
- Freiheit zum Schlag mit angemessenem Schwung an einen beliebigen Punkt der Stirnwand.
- Freiheit, den Ball direkt zur Stirnwand zu spielen — die Gegnerin darf nicht auf der Flugbahn zwischen Ball und Stirnwand stehen.
Pflichten der Nicht-Schlagenden: Die Spielerin, die gerade geschlagen hat (Non-Striker), muss alles tun, um diese vier Rechte zu gewähren:
- So schnell wie möglich aus der Bewegung gehen.
- Nicht zwischen Striker und Ball stehen.
- Nicht zwischen Ball und Stirnwand stehen.
- Aktiv freimachen, auch wenn das körperlich anstrengend ist.
Wann liegt Behinderung vor? Behinderung liegt vor, sobald Position oder Bewegung der Non-Striker eines dieser vier Rechte einschränkt. Die Striker entscheidet dann:
- Weiterspielen — den Schlag trotz Behinderung versuchen (verliert dann das Reklamationsrecht).
- Stoppen und reklamieren mit „Let please“ und das Spiel unterbrechen.
Spielt die Striker trotz Behinderung weiter und gewinnt den Ballwechsel, zählt das Ergebnis. Verliert sie den Ballwechsel, kann sie sich nachträglich nicht mehr auf die Behinderung berufen.
Die Entscheidung treffen — Let, Stroke oder No Let
Die Let-/Stroke-/No-Let-Entscheidung ist der komplexeste und folgenreichste Ruf im Squash. Du wägst mehrere Faktoren gleichzeitig ab und entscheidest in Sekunden.
LET — Ballwechsel wird wiederholt (kein Punkt): Ein Let ist angebracht, wenn:
- Die Striker den Ball hätte erreichen können und einen guten Return gespielt hätte.
- Tatsächliche Behinderung vorlag — die Non-Striker stand im Weg.
- Die Striker alles versucht hat, den Ball zu erreichen, und nicht nach einem Let gesucht hat.
- Die Striker nicht in Position für einen klaren Winner oder einen direkten Schlag zur Stirnwand war.
- Die Behinderung unbeabsichtigt war und die Non-Striker sich aktiv freimachen wollte.
STROKE — Punkt für die behinderte Spielerin: Einen Stroke vergibst du, wenn:
- Die Non-Striker nicht alles getan hat, um aus dem Weg zu gehen.
- Die Behinderung einen Winnerschlag zur Stirnwand verhindert hat.
- Der Ball die Gegnerin auf seinem direkten Weg zur Stirnwand getroffen hätte (nicht über die Seitenwand).
- Die Non-Striker so stand, dass die Striker nicht sicher hätte schwingen können, ohne sie zu treffen.
- Die Non-Striker sich gedreht (von der falschen Seite zum Ball gegangen) oder einen gefährlich ausladenden Schwung angesetzt hat.
NO LET — Ballwechsel zählt: No Let ist die richtige Entscheidung, wenn:
- Keine echte Behinderung vorlag — die Striker hatte freien Zugang.
- Die Striker keinen guten Return mehr hätte spielen können, unabhängig von der Position der Gegnerin.
- Die Striker die Behinderung selbst verursacht hat, indem sie in den Weg der Gegnerin gelaufen ist.
- Die Striker keinen ausreichenden Versuch unternommen hat, den Ball zu erreichen.
- Die Behinderung erst nach dem Schlag (oder dem Versuch) entstanden ist.
Kernprinzip: Frag dich, was passiert wäre, wenn die Behinderung nicht stattgefunden hätte. Hätte die Striker den Ball erreicht? Wäre ein guter Return möglich gewesen? Wäre der Return ein Winner geworden? Diese hypothetische Bewertung macht den Ruf so anspruchsvoll.
Das 3-Schiedsrichter-System
Auf Eliteebene (PSA World Tour, Weltmeisterschaften, große Turniere) setzt Squash auf ein 3-Schiedsrichter-System, um die Entscheidungsqualität bei Behinderungsrufen zu erhöhen.
So funktioniert es:
- Zentrale Schiedsrichterin — sitzt traditionell über der Rückwand. Sie ruft die erste Entscheidung bei allen Situationen (Let, Stroke, No Let, Aufschlagfehler, Aus).
- Zwei seitliche Schiedsrichterinnen sitzen auf Court-Niveau mit anderen Blickwinkeln. Sie bewerten Behinderungsreklamationen unabhängig.
- Bei einer Reklamation ruft die zentrale Schiedsrichterin die erste Entscheidung.
- Jede seitliche Schiedsrichterin signalisiert anschließend per elektronischem Voting-System, ob sie zustimmt oder widerspricht.
- Die Mehrheit entscheidet — sind beide seitlichen Schiedsrichterinnen anderer Meinung, wird der Ruf gekippt.
Mögliche Ergebnisse:
- 3:0 — alle drei stimmen überein. Klare Entscheidung.
- 2:1 — Mehrheit zählt. Zwei Stimmen überstimmen die dritte.
Warum drei Schiedsrichterinnen? Behinderungsentscheidungen gehören zu den subjektivsten Rufen im Sport. Ein einzelner Blickwinkel erfasst nicht jede Nuance zwischen zwei Spielerinnen in Bewegung. Drei Augenpaare bringen:
- Mehrere Perspektiven.
- Schutz vor individuellen Fehlern oder Tendenzen.
- Mehr Vertrauen der Spielerinnen in die Fairness.
- Statistisch höhere Trefferquote als bei Einzelentscheidungen.
Seit Einführung des Systems sind Spielerproteste auf Eliteebene deutlich seltener, und das Officiating wird als fairer wahrgenommen.
Video Review
Video Review ergänzt im Spitzensquash das 3-Schiedsrichter-System und sorgt für eine zusätzliche Genauigkeitsebene.
Was geprüft werden kann:
- Let-, Stroke- und No-Let-Entscheidungen — der häufigste Fall. Eine Spielerin kann das Video bei einer strittigen Behinderungsentscheidung anfordern.
- Down / Not up — ob der Ball zweimal aufgesprungen ist, bevor er gespielt wurde.
- Tin-Entscheidungen — ob der Ball das Tin getroffen hat (das Blech ist 43 cm hoch, knappe Rufe sind häufig).
- Aus-Entscheidungen — ob der Ball über der Auslinie aufgekommen ist.
Ablauf:
- Die Spielerin sagt „Video review, please“ nach einer Entscheidung, mit der sie nicht einverstanden ist.
- Die zentrale Schiedsrichterin prüft die Aufnahme auf einem Monitor.
- Es stehen mehrere Kamerawinkel und Zeitlupen zur Verfügung.
- Die zentrale Schiedsrichterin entscheidet endgültig auf Basis des Videobeweises.
Grenzen:
- Pro Match hat jede Spielerin eine begrenzte Anzahl erfolgloser Reviews (turnierabhängig). Erfolgreiche Reviews (Entscheidung geändert) zählen nicht zum Limit.
- Video Review gibt es nur in Hallen mit entsprechender Kamerainfrastruktur — vor allem PSA-Platinum- und Gold-Turniere, Weltmeisterschaften und große internationale Wettbewerbe.
- Reviews kosten Zeit, daher wird das Werkzeug sparsam eingesetzt.
Wirkung: Video Review hat die Entscheidungsgenauigkeit verbessert, Frustration auf dem Court reduziert und das Verständnis im Publikum erhöht, weil die Hallenbildschirme die Wiederholung zeigen.
Match-Management — Einspielen, Zeitnahme, Pausen
Neben den Behinderungsentscheidungen steuerst du den praktischen Ablauf des Matches nach den WSF-Regeln.
Einspielen vor dem Match:
- Gesamtdauer: 5 Minuten, aufgeteilt auf beide Spielerinnen.
- Jede Spielerin hat 2,5 Minuten, um den Ball aufzuwärmen.
- Du signalisierst die Hälfte und das Ende des Einspielens.
- Geht der Ball beim Einspielen kaputt, wird der Ersatzball aufgewärmt.
Pausen zwischen den Sätzen:
- Die Spielerinnen haben 90 Sekunden zwischen den Sätzen.
- Du kündigst „15 seconds“ als Vorwarnung an.
- Danach folgt „Time“ — beide müssen spielbereit sein.
- Ist eine Spielerin bei „Time“ nicht bereit, kannst du eine Konduktverwarnung wegen Zeitspiels aussprechen.
Verletzung und Blut:
- Bei einer Verletzung beurteilst du die Lage.
- Drei Minuten Verletzungsauszeit sind möglich (einmal pro Verletzung im Match).
- Blutungen müssen vor Spielfortsetzung gestoppt werden — du kannst die Spielerin zur Behandlung vom Court schicken.
- Kann die Spielerin nicht weitermachen, wird das Match der Gegnerin zugesprochen.
Ballwechsel:
- Vermutet eine Spielerin einen defekten Ball, kann sie eine Prüfung verlangen.
- Ein defekter Ball wird ersetzt und der neue eingespielt (üblich 2–3 Minuten).
- War der Ball nicht defekt, gilt die Anforderung als Zeitspiel.
Ausrüstungsprobleme:
- Für kleine Reparaturen (gerissene Saite, Schuhwechsel, Brille putzen) gibt es eine angemessene Frist.
- Übermäßiger Zeitverlust wird über das Konduktsystem sanktioniert.
Konduktverwarnungen und Konduktstrafen
Du setzt den WSF Code of Conduct über ein gestuftes Strafsystem durch.
Conduct Warning (erstes Vergehen): Ruf: „Conduct warning, [Spielername], for [Grund].“ Kein Punktverlust — eine formelle Notiz, dass das Verhalten registriert ist.
Typische Gründe:
- Zeitspiel — zu langes Verweilen zwischen Ballwechseln, zögerliche Rückkehr in die Aufschlagbox.
- Hörbare Obszönität — Schimpfwörter oder Beleidigungen, die du, die Gegnerin oder das Publikum hört.
- Sichtbare Obszönität — beleidigende Gesten.
- Diskussion mit der Schiedsrichterin — hartnäckiges oder aggressives Anzweifeln von Entscheidungen.
- Gefährliches Spiel — übertriebener Ausschwung, absichtliches Spielen des Balls auf die Gegnerin, einschüchterndes Auftreten.
- Unnötiger Körperkontakt — Stoßen, Blockieren, Bodychecks.
Conduct Stroke (zweites Vergehen für dasselbe Verhalten): Ruf: „Conduct stroke, [Spielername], for [Grund].“ Es wird ein Punkt für die Gegnerin vergeben.
Conduct Game (drittes Vergehen oder extremes Verhalten): Ruf: „Conduct game, [Spielername], for [Grund].“ Ein ganzer Satz geht an die Gegnerin.
Match-Default (Extremfälle): Bei gewalttätigem Verhalten, Spielverweigerung oder wiederholten schweren Vergehen kannst du das gesamte Match an die Gegnerin geben.
Wichtig: Konduktstrafen summieren sich innerhalb eines Matches, werden aber zwischen Matches zurückgesetzt. Eine Spielerin, die in Satz 1 eine Conduct Warning bekommt und in Satz 3 erneut auffällig wird, erhält direkt einen Conduct Stroke (zweite Stufe), nicht noch eine Warnung.
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Häufige Fragen
Primärquellen
- World Squash Rules of Singles — World Squash
- World Squash — Schiedsrichterausbildung und Materialien — World Squash
- PSA World Tour Rules and Regulations — PSA
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