Wie wird Handball gewertet?
Tore, Siebenmeter, Tempogegenstoß und Verlängerung — die Regeln
Zuletzt aktualisiert: 18. März 2026
Im Handball erzielst du ein Tor, indem du den Ball in das gegnerische Tor (3 m breit × 2 m hoch) wirfst. Jedes Tor zählt 1 Punkt — unabhängig von Wurfart oder Wurfposition. Tore fallen aus dem laufenden Spiel, nach einem Tempogegenstoß oder per Siebenmeter (bei Fouls, die eine klare Torchance vereiteln). Ein Standardspiel dauert 2 Halbzeiten × 30 Minuten mit laufender Uhr. Es gewinnt die Mannschaft mit den meisten Toren. Steht ein K.-o.-Spiel unentschieden, folgen 2 × 5 Minuten Verlängerung und im Bedarfsfall ein Siebenmeterwerfen.
Grundprinzip: Jedes Tor zählt einen Punkt
Anders als im Basketball oder American Football hat Handball eine schlichte Wertung: jedes Tor ist genau 1 Punkt wert. Es gibt keine Zusatzpunkte für Distanz, Schwierigkeit oder Wurfart. Ob ein Rückraumspieler aus 9 Metern mit Sprungwurf trifft, der Kreisläufer aus kurzer Distanz einnetzt oder ein Siebenmeter verwandelt wird — das Ergebnis ist immer dasselbe: ein Tor mehr für die Mannschaft.
Ein Tor zählt, sobald der Ball mit seinem vollen Umfang die Torlinie zwischen den Pfosten und unter der Latte überquert. Der Wurf muss regelkonform erfolgen — der Werfer darf nicht im 6-Meter-Torraum stehen (dort darf nur der Torwart agieren), und nach einem Sprungwurf muss der Ball die Hand verlassen haben, bevor der Spieler im Torraum landet.
Was Handball besonders macht
Mit regelmäßig 50 bis 70 Toren pro Spiel gehört Handball zu den torreichsten Mannschaftssportarten der Welt. Die hohe Trefferquote sorgt für ständige Stimmungswechsel, häufige Aufholjagden und ein Spiel, in dem keine Führung bis zur Schlusssirene wirklich sicher ist. Genau dieses Dauerfeuer macht Handball für Zuschauer spannend und für die Spielleitung anspruchsvoll — der Spielstand kann sich im Sekundentakt ändern.
So fallen die Tore: Wurfarten und Positionen
Handballtore entstehen aus sehr unterschiedlichen Angriffssituationen, die jeweils eigene Fähigkeiten verlangen:
Sprungwurf (Rückraum)
Der ikonische Handballwurf. Linker, mittlerer oder rechter Rückraum springt hinter der 9-Meter-Linie ab, steigt über die Abwehr und wirft mit Geschwindigkeiten von bis zu 130 km/h. Der Ball verlässt die Hand im Flug, gezielt in die Torecken. Sprungwürfe sind die Hauptwaffe der Rückraumspieler und stehen für einen Großteil der Tore im Spiel.
Wurf vom Flügel
Die Außenspieler (Links- und Rechtsaußen) werfen aus spitzem Winkel nahe der Seitenlinie, dicht an der 6-Meter-Linie. Diese Würfe verlangen höchste Präzision — der Winkel ist eng, der Torwart deckt einen großen Teil des Tores ab. Außen setzen oft Dreher (Wurf mit Seitwärtsdrall, der den Ball am Torwart vorbeibiegt) oder Heber aus kurzer Distanz ein.
Tore vom Kreis (Kreisläufer)
Der Kreisläufer arbeitet zwischen 6-Meter-Torraum und 9-Meter-Linie mit dem Rücken zum Tor. Er bekommt Anspiele aus dem Rückraum und trifft entweder durch schnelles Eindrehen aus kurzer Distanz oder per Fallwurf — beim Sprung in den Torraum muss der Ball die Hand vor der Landung verlassen. Kreistore verlangen Körperbeherrschung, Timing und Mut, denn der Kreisläufer steht ständig im Getümmel der Abwehr.
Tempogegenstoß
Ein Tempogegenstoß entsteht, wenn eine Mannschaft den Ball erobert (nach einer Parade, einem abgefangenen Pass oder einem Ballgewinn) und sofort kontert, bevor die gegnerische Abwehr steht. Tempogegenstöße bringen Topchancen, weil der Angreifer oft allein vor dem Torwart auftaucht. Diese Tore zählen zu den spektakulärsten Momenten im Handball.
Torwart-Tor
Ja, auch Torhüter können treffen. Nach einer Parade werfen sie den Ball quer über das Feld in das leere gegnerische Tor — typischerweise wenn der Gegner für einen 7-gegen-6-Angriff seinen Torwart durch einen Feldspieler ersetzt hat und den Ball verliert. Torwart-Tore sind selten, aber regulär.
Der Siebenmeter (Strafwurf)
Der Siebenmeter ist das Handball-Pendant zum Elfmeter im Fußball: ein direkter Wurf von der 7-Meter-Linie, gegen den nur der Torwart verteidigt.
Wann gibt es einen Siebenmeter?
Ein Siebenmeter wird gegeben, wenn:
- ein Foul eine klare Torgelegenheit vereitelt (z. B. Halten, Stoßen oder Beinstellen eines durchgebrochenen Angreifers)
- ein Feldspieler den eigenen Torraum betritt, um einen Abwehrvorteil zu erlangen (etwa um einen Wurf zu blocken)
- der Torwart den Ball von außerhalb in den Torraum zurückträgt
- ein Freiwurf von der verteidigenden Mannschaft regelwidrig ausgeführt wird und damit eine klare Wurfchance verhindert
Ausführung
- Der Werfer steht an der 7-Meter-Linie und muss innerhalb von 3 Sekunden nach dem Pfiff werfen.
- Er darf die 7-Meter-Linie weder berühren noch überschreiten, bevor der Ball die Hand verlassen hat.
- Der Torwart muss hinter der 4-Meter-Linie stehen, bis der Ball geworfen ist.
- Alle übrigen Spieler bleiben hinter der 9-Meter-Linie und mindestens 3 Meter vom Werfer entfernt.
Trefferquote
Auf Top-Niveau wird der Siebenmeter zu etwa 70–80 % verwandelt. Spezialisten kommen sogar darüber. Der Torwart hat es schwer — der Ball legt die 7 Meter in weniger als einer halben Sekunde zurück, da bleibt kaum Reaktionszeit.
Bedeutung im Spiel
Siebenmeter entscheiden enge Partien. Spitzenteams holen pro Spiel oft 5 bis 8 Tore von der Linie. Manche Trainer setzen einen festen Siebenmeterschützen für alle Strafwürfe ein.
Spielzeit: Halbzeiten, laufende Uhr und Unterbrechungen
Ein Handballspiel besteht aus zwei Halbzeiten zu je 30 Minuten, getrennt durch eine Halbzeitpause von 10 bis 15 Minuten.
Die laufende Uhr
Im Handball läuft die Uhr in jeder Halbzeit fortlaufend von 0:00 bis 30:00. Anders als im Basketball oder American Football wird sie nicht nach jedem Pfiff angehalten. Die Uhr läuft weiter bei:
- regulären Spielphasen
- Freiwürfen
- Einwürfen
- Abwürfen des Torwarts
Gestoppt wird die Uhr nur bei:
- Auszeiten (jede Mannschaft hat 3 pro Spiel: 1 in der ersten, 2 in der zweiten Halbzeit; je 1 Minute)
- Verletzungen (nach Ermessen der Schiedsrichter)
- Schiedsrichterabsprachen oder Disziplinarmaßnahmen
Druck in den Schlussminuten
Weil die Uhr durchläuft, sind die letzten Minuten beider Halbzeiten extrem intensiv. Eine Mannschaft mit 2 bis 3 Toren Rückstand spielt mit maximalem Tempo, die Führende verlangsamt das Spiel und zieht Zeit. Wenn der Ball beim Schlusspfiff bereits in der Luft ist oder ein Strafwurf vor Ablauf der Zeit gepfiffen wurde, darf der Wurf noch zu Ende geführt werden.
Die kumulierte Uhr
Auf vielen Anzeigetafeln und in TV-Übertragungen läuft die Spielzeit kumuliert von 0:00 bis 60:00 über beide Halbzeiten. Der Anstoß zur zweiten Halbzeit erfolgt also bei 30:00, nicht bei 0:00. Die Anzeigetafel von JudgeMate nutzt diese kumulative Anzeige standardmäßig.
Verlängerung und Siebenmeterwerfen: wenn die reguläre Zeit unentschieden endet
In der Gruppenphase (Ligaspiele und Turniervorrunden) bleibt es bei einem Unentschieden — keine Verlängerung. In K.-o.-Spielen (Playoffs, Pokal-Finale, Endrunden) muss ein Sieger feststehen.
Verlängerung
Stehen nach 60 Minuten beide Teams gleich, geht es in die Verlängerung:
- 2 Halbzeiten × 5 Minuten (insgesamt 10 Minuten)
- 5 Minuten Pause zwischen Spielende und Verlängerung
- 1 Minute Pause zwischen beiden Verlängerungsabschnitten
- Beide Abschnitte werden komplett gespielt — kein Golden Goal, kein Sudden Death
Zweite Verlängerung
Steht es nach der ersten Verlängerung weiter unentschieden, kann je nach Wettbewerbsbestimmung eine zweite Verlängerung (erneut 2 × 5 Minuten) folgen.
Siebenmeterwerfen
Bleibt es auch danach unentschieden, entscheidet das Siebenmeterwerfen:
- Jede Mannschaft benennt 5 Werfer (aus den Spielern auf dem Feld bei Ende der Verlängerung, inklusive berechtigter Auswechselspieler)
- Beide Teams werfen abwechselnd von der 7-Meter-Linie
- Steht es nach 5 Würfen je Team noch unentschieden, geht es Wurf für Wurf weiter (Sudden Death), bis eine Mannschaft trifft und die andere verfehlt
Das Siebenmeterwerfen ist der dramatischste Moment im Handball — maximaler Druck auf Werfer und Torwart, das gesamte Spielergebnis hängt an einem einzigen Wurf.
Der Torraum und seine Bedeutung für die Wertung
Der 6-Meter-Torraum prägt die Wurfdynamik im Handball wie keine andere Regel. Nur der Torwart darf den Torraum betreten oder sich darin bewegen. Feldspielern ist es untersagt,
- den Torraum mit dem Ball in der Hand zu betreten
- nach einem Wurf im Torraum zu landen (ein Sprung in den Torraum ist erlaubt, sofern der Ball die Hand verlassen hat, bevor der Spieler den Boden berührt)
- den Ball zu spielen, der auf dem Torraumboden rollt oder springt (nur der Torwart darf dort am Ball)
Auswirkung auf das Angriffsspiel
Die Torraumregel formt das typische Sprungwurf-Bild des Handballs. Angreifer haben drei Möglichkeiten:
- Wurf von außerhalb der 6-Meter-Linie (Rückraumwürfe aus 7 bis 9 oder mehr Metern)
- Sprung über die 6-Meter-Linie und Wurf im Flug, bevor der Fuß im Torraum aufsetzt
- Pass auf einen besser positionierten Mitspieler
Diese Regel belohnt Sprungkraft, Körperbeherrschung und Koordination — und schafft die spektakulären Luftaktionen, die Handball prägen.
Defensive Konsequenz
Betritt ein Abwehrspieler den eigenen Torraum, um einen Abwehrvorteil zu erlangen — etwa um einen Wurf zu blocken — gibt es Siebenmeter für die angreifende Mannschaft. So verhindert die Regel, dass der Torraum als Schutzschild missbraucht wird.
Beispiel: Spielstandsverlauf eines typischen Handballspiels
So entwickelt sich der Spielstand in einer typischen Top-Partie zwischen Team A und Team B:
Erste Halbzeit (0:00 – 30:00):
- 2:00 — Team A trifft per Sprungwurf aus dem linken Rückraum. 1:0
- 3:15 — Team B gleicht nach einer Parade per Tempogegenstoß aus. 1:1
- 5:40 — Team A trifft aus spitzem Winkel über Rechtsaußen. 2:1
- 7:00 — Team B verwandelt einen Siebenmeter nach Foul am Rückraum Mitte. 2:2
- 12:30 — Team A erzielt 3 Tore in 4 Minuten (Kreis, Tempogegenstoß, Sprungwurf). 5:3
- 20:00 — Stand 9:7 für Team A nach offenem Schlagabtausch.
- 28:00 — Team B verkürzt mit 2 schnellen Toren. Pausenstand 12:11.
Zweite Halbzeit (30:00 – 60:00):
- 35:00 — Team B geht erstmals in Führung. 13:14
- 42:00 — Stand 17:17, beide Teams im Treffer-Schlagabtausch.
- 50:00 — Team A nutzt eine Zweiminutenstrafe von Team B zu einem 3:0-Lauf. 23:20
- 55:00 — Team B nimmt seine Auszeit und stabilisiert sich. 24:23
- 58:30 — Team A erhöht auf zwei Tore Vorsprung. 26:24
- 59:45 — Team B trifft noch einmal, doch die Zeit reicht nicht. Endstand: 26:25
Insgesamt 51 Tore in 60 Minuten — ein typischer Endstand einer engen Handballpartie.
Das Beispiel zeigt die Wesensmerkmale des Handballs: hohe Trefferfrequenz, häufige Führungswechsel, der Einfluss von Zeitstrafen auf den Spielstand und das Gewicht jedes einzelnen Tores in einem engen Spiel.
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