Schiedsrichter-Leitfaden Feldhockey
Zwei Schiedsrichter, drei Karten, Video-Referral und der Ablauf der Strafecke
Zuletzt aktualisiert: 23. März 2026
Im Feldhockey leiten zwei Schiedsrichter das Spiel — jeder hat eine Spielfeldhälfte. Das Dreikartensystem trennt die Sanktionen: Grüne Karte (2 Minuten Zeitstrafe), Gelbe Karte (mindestens 5 Minuten) und Rote Karte (endgültiger Ausschluss). Auf internationaler Ebene entscheidet ein Video-Schiedsrichter über Referrals; jedes Team hat einen Referral pro Spiel und behält ihn bei erfolgreichem Einspruch.
Zwei Schiedsrichter — so wird Feldhockey geleitet
Anders als Fußball (ein Schiedsrichter) oder Basketball (zwei bis drei Schiedsrichter) setzt Feldhockey auf ein System mit zwei Schiedsrichtern: Jeder ist hauptverantwortlich für eine Hälfte des Spielfelds.
Schiedsrichter 1 (linke Hälfte):
- Trifft die Entscheidungen in der linken Spielfeldhälfte (aus seiner Perspektive zu Spielbeginn).
- Hat die Hauptverantwortung für den Schusskreis an seinem Ende — also Strafecken, Siebenmeter und Tore.
- Bewegt sich entlang der Seitenlinie und folgt dem Spiel auf und ab.
Schiedsrichter 2 (rechte Hälfte):
- Leitet die rechte Spielfeldhälfte.
- Hat die Hauptverantwortung für den Schusskreis an seinem Ende.
- Spiegelt die Bewegungen von Schiedsrichter 1 auf der gegenüberliegenden Seitenlinie.
Gemeinsame Aufgaben:
- Beide Schiedsrichter dürfen Fouls überall auf dem Feld pfeifen, lassen aber wenn möglich dem hauptverantwortlichen Schiedsrichter den Vortritt.
- Sie verständigen sich über diskrete Handzeichen und gelegentlich verbal.
- In der Halbzeit wechseln die Schiedsrichter die Seiten — und damit auch die Hauptverantwortung für den jeweiligen Schusskreis.
Reserve-Schiedsrichter: Eine dritte Person außerhalb des Feldes übernimmt die Zeitnahme, führt das Wechsel-Protokoll und springt ein, wenn ein Schiedsrichter ausfällt.
Warum zwei Schiedsrichter? Die Schusskreis-Regel im Feldhockey konzentriert die wichtigsten Entscheidungen — Tore, Strafecken, Siebenmeter — auf zwei kleine Bereiche nahe der Tore. Mit je einem Schiedsrichter pro Schusskreis liegt der Fokus genau dort, wo die folgenreichsten Pfiffe fallen.
Das Dreikartensystem — Grün, Gelb und Rot
Das Dreikartensystem des Feldhockeys gehört zu den auffälligsten Merkmalen der Sportart. Während die meisten Mannschaftssportarten mit zwei Karten oder einer Strafbank arbeiten, kennt Hockey drei abgestufte Stufen.
GRÜNE KARTE — offizielle Verwarnung mit 2-Minuten-Zeitstrafe
Die Grüne Karte ist die mildeste Sanktion, hat aber eine echte Folge: Die Spielerin oder der Spieler muss das Feld für 2 Minuten verlassen. Sie wird gezeigt für:
- Kleinere oder erstmalige Vergehen: absichtliche Fouls, wiederholtes Foulspiel, leichtes Reklamieren.
- Aktionen, die zu schwer für eine bloße verbale Verwarnung sind, aber noch nicht das Maß einer Gelben Karte erreichen.
- In manchen Wettbewerben ist die Grüne Karte ein Dreieck (grünes Dreieck) und hebt sich so optisch von den quadratischen Gelben und Roten Karten ab.
Während der 2-Minuten-Zeitstrafe:
- Die bestrafte Person setzt sich in den dafür vorgesehenen Bereich am Zeitnehmertisch.
- Das Team spielt mit einer Person weniger (kein Ersatz erlaubt).
- Die 2 Minuten zählen als reine Spielzeit (die Uhr muss laufen).
- Nach Ablauf darf die Person zurück aufs Feld.
GELBE KARTE — mindestens 5 Minuten Zeitstrafe
Die schärfere Sanktion bei:
- Wiederholtem Foulspiel nach einer Grünen Karte.
- Gefährlichem Spiel: hoch geführter Schläger, Körperkontakt, Einschüchtern.
- Bewusster Behinderung oder Zeitspiel.
- Aggressivem Reklamieren gegenüber den Schiedsrichtern.
- Taktischen Fouls, die eine klare Torchance verhindern.
Während der Zeitstrafe:
- Die Person ist mindestens 5 Minuten draußen (der Schiedsrichter darf bei schwereren Vergehen auf bis zu 10 Minuten verlängern).
- Das Team spielt in Unterzahl.
- Bei mehreren Gelben Karten kann der Schiedsrichter auf eine Rote Karte hochstufen.
ROTE KARTE — endgültiger Ausschluss
Die härteste Sanktion bei:
- Tätlichkeit: schlagen, treten, absichtliches Verletzen.
- Extrem gefährlichem Spiel mit Risiko schwerer Verletzungen.
- Zweiter Gelber Karte im selben Spiel.
- Beleidigender, ausfallender oder bedrohlicher Sprache gegenüber Offiziellen oder Gegnern.
Nach einer Roten Karte:
- Die Person muss das Feld und den umliegenden Bereich verlassen — Bank ist tabu.
- Das Team spielt bis zum Spielende mit einer Person weniger — kein Ersatz.
- In der Regel folgen weitere disziplinarische Schritte (Spielsperren über mehrere Partien).
Video-Referral — wie das Einspruchssystem funktioniert
Feldhockey war Vorreiter beim Videobeweis im Mannschaftssport: Das Video-Referral-System kam 2008 ins internationale Spiel — ein volles Jahrzehnt vor dem VAR im Fußball.
Wer darf einen Referral fordern?
- Jedes Team hat einen Referral pro Spiel.
- Bei erfolgreichem Referral (die ursprüngliche Entscheidung wird gekippt) behält das Team seinen Referral.
- Bei erfolglosem Referral (die Entscheidung bleibt bestehen) verliert das Team ihn.
- Die Schiedsrichter dürfen außerdem von sich aus jede Torsituation an den Video-Schiedsrichter abgeben.
Was kann überprüft werden?
- Tore: Wurde der Ball im Schusskreis berührt? Hat er die Linie vollständig überquert? Gab es ein Foul im Aufbau?
- Strafecken-Entscheidungen: Hätte eine Strafecke gegeben oder verweigert werden müssen?
- Siebenmeter-Entscheidungen: Hätte ein Siebenmeter fallen müssen?
- Karten-Entscheidungen: Hätte eine Karte gezeigt — oder die Härte angepasst — werden müssen?
Ablauf des Reviews:
- Ein Teammitglied (meist die Spielführerin oder der Spielführer) signalisiert dem Schiedsrichter mit der TV-Geste der Hände.
- Der Schiedsrichter zeigt dem Zeitnehmertisch an, dass ein Referral angefordert wurde.
- Der Video-Schiedsrichter prüft Zeitlupen aus mehreren Kameraperspektiven.
- Über Headset gibt der Video-Schiedsrichter seine Empfehlung an den Feld-Schiedsrichter durch.
- Der Feld-Schiedsrichter verkündet die endgültige Entscheidung.
Zeitlimit: Der Referral muss sofort kommen — niemand darf erst die Wiederholung auf der Großbildanzeige abwarten. Sobald das Spiel weiterläuft, ist das Recht auf einen Referral zu dieser Szene erloschen.
Wirkung im Spiel: Das Referral-System hat die Entscheidungsgenauigkeit spürbar erhöht, besonders bei knappen Strafecken- und Torentscheidungen. Es bringt zugleich ein taktisches Element ins Spiel: Wer den Referral verbraucht, hat danach keine Rückversicherung mehr für strittige Situationen.
Strafecke — der Ablauf aus Sicht der Schiedsrichter
Die Strafecke gehört zu den vielschichtigsten Standardsituationen im Hockey. Hier der vollständige Ablauf aus Schiedsrichtersicht:
Vor der Eckenausführung:
- Der Schiedsrichter prüft, dass die Eckenausführende oder der Eckenausführende (also die Person, die den Ball von der Grundlinie spielt) mindestens 10 Meter vom näheren Torpfosten entfernt steht.
- Er prüft, dass alle Angreifenden außerhalb des Schusskreises stehen.
- Er stellt sicher, dass nicht mehr als 5 Verteidigende (Torwart eingerechnet) hinter der Grundlinie warten und die übrigen jenseits der Mittellinie postiert sind.
- Er signalisiert die Bereitschaft.
Während der Strafecke: 5. Die Eckenausführung erfolgt über einen flachen Pass — der Ball muss außerhalb des Schusskreises ankommen, bevor der erste Schuss aufs Tor erfolgt. 6. Sobald der Ball gespielt ist, dürfen die Verteidigenden ausrücken. 7. Der Schiedsrichter achtet auf:
- Frühstart: Verteidigende, die die Grundlinie vor dem Spielen des Balls verlassen.
- Höhenverstöße: Der erste Schuss aufs Tor darf die Torlinie nicht über Höhe des Torbretts (460 mm) überqueren — Ausnahme: Drag-Flick oder Scoop.
- Gefährliches Spiel: Ein Schuss, der gefährlich gegen eine Verteidigerin oder einen Verteidiger steigt (besonders gegen den Runner), kann vom Schiedsrichter abgepfiffen werden.
- Schusskreis-Vorgabe: Der Ball muss den Schusskreis verlassen haben und wieder hineinkommen, ehe geschossen werden darf.
Typische Schiedsrichterentscheidungen bei der Strafecke:
- Wiederholung: Bricht ein Verteidiger die Regel (Frühstart, Fuß im Kreis), wird die Strafecke neu ausgeführt.
- Hochstufung zum Siebenmeter: Fault ein Verteidiger bei der Strafecke absichtlich, um ein Tor zu verhindern, kann der Schiedsrichter auf Siebenmeter hochstufen.
- Freischlag für die Verteidigung: Verstößt ein Angreifer (Schuss vor dem Verlassen des Schusskreises, gefährlicher Schuss), gibt es Freischlag.
Position des Schiedsrichters: Bei der Strafecke steht der zuständige Schiedsrichter nahe am Pfosten auf der Seite, von der nicht ausgeführt wird, und behält so Torlinie, Eckenausführung und Abschlussaktion zugleich im Blick.
Gefährliches Spiel — die heikelste Ermessensentscheidung
Gefährliches Spiel ist der am häufigsten gepfiffene und meistdiskutierte Foul im Feldhockey. Die FIH Rules of Hockey definieren es bewusst weit: jede Aktion, die zu Verletzungen führen könnte.
Was zählt als gefährliches Spiel?
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Hoch gespielter Ball: einen Ball im Nahbereich in eine Spielerin oder einen Spieler heben oder ihn gefährlich hoch in einer dichten Zone spielen. Der Schiedsrichter beurteilt die Gefahr anhand von Nähe der Beteiligten, Geschwindigkeit und Flugbahn.
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Hoch geführter Schläger: Schlägerbewegung über Schulterhöhe in der Nähe einer anderen Person. Das wird auch ohne Kontakt geahndet — der Maßstab ist das Verletzungspotenzial.
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Ball in den Körper aus kurzer Distanz: Schlägt ein Angreifer den Ball aus geringer Entfernung hart in den Körper eines Verteidigers (besonders bei Strafecken), kann der Schiedsrichter auf gefährliches Spiel gegen den Angreifer entscheiden.
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Körperkontakt: Rempeln, Schubsen, Beinstellen oder Bodychecks. Feldhockey ist eine kontaktlose Sportart — jede absichtliche körperliche Einwirkung ist Foul.
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Stockeingriff: Schlagen, Hooken oder Slashen des gegnerischen Schlägers, während dieser den Ball spielt.
Der Maßstab „Gefahr“: Entscheidend ist nicht „Gab es Kontakt?“, sondern „Bestand vernünftigerweise Verletzungsgefahr?“ Ein hoch gespielter Ball kann auch dann geahndet werden, wenn er niemanden trifft — Flugbahn und Nähe zu Spielenden entscheiden den Pfiff.
Freischlag oder Karte? Die meisten Fälle von gefährlichem Spiel enden mit einem Freischlag für das gegnerische Team. War die Aktion vorsätzlich, leichtfertig oder wiederholt, zeigt der Schiedsrichter zusätzlich eine Karte (grün, gelb oder rot — je nach Schwere).
So wirst du zertifizierter Hockey-Schiedsrichter
Der Ausbildungsweg im Feldhockey-Schiedsrichtswesen folgt einer klaren Struktur, die die nationalen Verbände nach FIH-Vorgaben verantworten.
Schritt 1: Grundkurs Melde dich beim nationalen Verband (in Deutschland: Deutscher Hockey-Bund, DHB; weitere Beispiele: England Hockey, Hockey Australia, KNHB in den Niederlanden). Grundlegende Schiedsrichterkurse decken in der Regel ab:
- Regelwerk (FIH Rules of Hockey)
- Stellungsspiel und Bewegung
- Kartensystem und Foul-Erkennung
- Leitung der Strafecke
- Spielleitung und Kommunikation
Das Mindestalter liegt meist bei 14 bis 16 Jahren. Vorerfahrung im Schiedsrichten ist nicht nötig, eigene Spielpraxis hilft.
Schritt 2: Vereins- und Lokalebene Neue Schiedsrichter starten bei Jugend-, Vereins- und Freizeitspielen. Ein Mentoring-System bringt sie mit erfahrenen Offiziellen zusammen, die am Spielfeldrand begleiten und nach der Partie Feedback geben.
Schritt 3: Berufungen auf regionaler und nationaler Ebene Wer überzeugt, steigt durch die Regional- und schließlich die nationalen Ligen auf. Bewertet werden:
- Entscheidungsgenauigkeit
- Stellungsspiel und Fitness
- Spielleitung (Kommunikation, Spielfluss)
- Beherrschung der Strafecke
- Anwendung der Vorteilsregel
Schritt 4: FIH-Berufung Die besten nationalen Schiedsrichter werden für das FIH International Umpires Panel nominiert. FIH-Schiedsrichter leiten Weltmeisterschaften, Olympische Spiele, Spiele der Pro League und kontinentale Meisterschaften.
Anforderungen an die Fitness: Schiedsrichter im Feldhockey brauchen eine hohe körperliche Fitness — das Zweier-System verlangt viel Laufarbeit entlang der Seitenlinie, mit kurzen Sprints, um dem Spiel zu folgen und sich optimal für die Schusskreis-Aktionen zu positionieren.
Zeithorizont: Bis zum internationalen Niveau dauert es in der Regel 8 bis 12 Jahre kontinuierlicher Entwicklung und starker Bewertungen.
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