Olympisches Slopestyle: Strecke, Tricks und Wertung
Slopestyle auf Snowboard und Ski bei Olympia — verständlich für Einsteiger
Zuletzt aktualisiert: 12. April 2026
Kampfrichter im Slopestyle, in der Halfpipe und im Big Air nutzen das PAVED-Schema für jeden Run: Progression (den Sport voranbringen), Amplitude (Höhe und Weite), Variety (Vielfalt an Trickarten und Richtungen), Execution (Landung und Körperkontrolle) und Difficulty (technische Schwierigkeit). Sechs Kampfrichter werten auf einer Skala von 0–100, die höchste und die niedrigste Wertung werden gestrichen, die restlichen vier gemittelt.
Was ist eine Slopestyle-Strecke? Aufbau verstehen
Eine Slopestyle-Strecke ist eine Hangabfahrt mit zwei Hauptbereichen: Rail-/Jib-Sektionen und Sprung-Sektionen. Athleten fahren die gesamte Strecke in einem zusammenhängenden Run von 30–60 Sekunden.
Rail-Sektion (oberer Teil)
Der obere Teil enthält meistens mehrere Rail-Features — Metall- oder schneebedeckte Konstruktionen wie Flat Rails, Rainbow Rails, Down Rails, Wall Rides und Boxen. Die Athleten sliden, grinden und drehen sich auf diese Features. Kampfrichter achten auf kreative Einstiege, technische Rail-Tricks und saubere Landungen am Ausgang jedes Features.
Sprung-Sektion (unterer Teil)
Im unteren Teil stehen zwei oder mehr große Sprünge (sogenannte Kicker oder Hits), aufgeschüttet aus geformtem Schnee. Die Athleten gehen über diese Sprünge ab und zeigen Lufttricks — Drehungen (360, 720, 1080, 1440+), Flips (Cork, Double Cork, Triple Cork) und Grabs (Mute, Safety, Japan, Tail). Größere Sprünge erlauben komplexere Tricks.
Wie ein Run abläuft
Die Athleten fahren die volle Strecke einmal pro Run und zeigen auf jedem Feature einen Trick. Üblich sind 2–3 Runs, und für das Endergebnis zählt die beste Einzelwertung. Sechs Kampfrichter bewerten den gesamten Run holistisch auf einer 0–100-Skala nach den PAVED-Kriterien, die unten erklärt sind.
Wofür steht PAVED?
PAVED ist das Wertungsschema des Internationalen Skiverbands (FIS) für Slopestyle, Halfpipe und Big Air in Ski-Freestyle und Snowboard. Die Logik ist Gesamteindruck: Statt einzelne Tricks isoliert zu werten, beurteilen die Kampfrichter den ganzen Run holistisch über fünf miteinander verbundene Kriterien — strukturierte Subjektivität, geleitet von klaren Wertungsprinzipien. Jeder Kampfrichter vergibt eine einzelne Gesamteindruckswertung von 0 bis 100. Bei FIS-Wettkämpfen wertet ein Panel aus sechs Kampfrichtern jeden Run unabhängig. Die höchste und die niedrigste Wertung werden gestrichen, die restlichen vier gemittelt — daraus entsteht das Endergebnis. Dieses System dämpft Ausreißer und hält die Ergebnisse stabil. Wer PAVED versteht, kann nachvollziehen, warum ein Run höher gewertet wird als ein anderer, obwohl beide ähnliche Tricks zeigen — wichtig für Athletinnen, Trainer und Zuschauer.
| Criteria | Description |
|---|---|
| P — Progression | Wie der Run die Grenzen des Sports verschiebt — durch neue Tricks und Kreativität |
| A — Amplitude | Höhe über der Lip, Weite über Features und Gesamtmaßstab der Tricks |
| V — Variety | Mischung aus Trickarten, Drehrichtungen, Grabs und Anfahrten |
| E — Execution | Landungsqualität, Style, Körperkontrolle und Flow im ganzen Run |
| D — Difficulty | Technische Komplexität der versuchten Tricks, inklusive Drehzahl und Achsenvariation |
Wie wird Progression bewertet?
Progression ist im PAVED-Schema das vorausschauendste Kriterium. Belohnt wird, wer den Sport voranbringt — durch neue Rotationsachsen, ungesehene Trickkombinationen oder kreative Zugänge zu bekannten Features. In der Praxis trennt Progression die Spitzen-Runs im 90+-Bereich von technisch sauberen, aber konventionellen Auftritten.
Kampfrichter achten auf mehrere Progressions-Signale. Ein noch nie im Wettkampf gestandener Trick ist das klarste Beispiel, aber Progression umfasst auch etablierte Tricks auf überraschenden Features, kreative Verkettung von Elementen oder einen neuen technischen Zugang wie eine neuartige Grab-Variante oder einen ungewöhnlichen Rail-Einstieg. Bei den Olympischen Spielen 2022 in Peking bekamen Athleten, die im Finale neue Kombinationen zeigten, deutlich höhere Wertungen als jene, die bekannte Runs wiederholten.
Progression betrifft auch die Run-Architektur. Wer den Schwung von Feature zu Feature steigert und Schwierigkeit und Wirkung im Verlauf des Runs hochfährt, zeigt Progression im Aufbau. Dieser „aufbauende“ Charakter hält Kampfrichter und Publikum bei der Sache und signalisiert Souveränität und Absicht.
Warum zählt Amplitude?
Amplitude misst, wie hoch und wie weit Athleten während ihrer Tricks fliegen. In der Halfpipe heißt das die Höhe über den 22-Fuß-Walls (6,7 Meter) — Olympia-Skiläufer schaffen regelmäßig 15 bis 20 Fuß über die Kante. Im Slopestyle und Big Air geht es um Distanz und Höhe über Sprüngen und Features.
Mehr Amplitude bedeutet mehr Zeit in der Luft, und das eröffnet komplexere Rotationen und längere Grabs. Hohe Amplitude lesen Kampfrichter als Beleg für überlegenes Tempo-Management, präzisen Absprung und Selbstvertrauen. Wichtig: Amplitude muss durch den ganzen Run konstant sein. Wer beim ersten Hit 20 Fuß fliegt, beim letzten aber nur 10, wird niedriger gewertet als jemand mit konstanten 15 Fuß. Im Slopestyle achten Kampfrichter auch auf Amplitude an Rail-Features — hoch aus einem Rail-Ausgang zu poppen zeigt Kontrolle und Können.
Wie beurteilen Kampfrichter Variety?
Variety schiebt die Spitzenwertungen zu vielseitigen Athleten — nicht zu eindimensionalen Spezialisten. Kampfrichter prüfen, ob ein Run unterschiedliche Trickarten (Drehungen, Flips, Grabs, Rail-Slides), verschiedene Drehrichtungen (Frontside, Backside, Switch, Regular) und diverse Grab-Positionen (Mute, Safety, Tail, Japan und andere) enthält.
Ein Run, der nur aus Frontside-1080ern besteht — egal wie sauber gestanden — wird deutlich schwächer gewertet als einer, der Backside-Rotationen, Cork-Varianten und unterschiedliche Grabs mischt. Belohnt wird auch Variety in der Anfahrt, etwa ein Rail-Einstieg switch statt regular oder unterschiedliche Drehrichtungen über die einzelnen Sprünge. In der Halfpipe heißt Variety: Tricks an Left-Wall und Right-Wall in unterschiedlichen Drehrichtungen. Der Gedanke dahinter: Echte Spitzenathleten müssen in mehreren Richtungen und Stilen auf hohem Niveau abliefern können.
Was zählt als gute Execution?
Bei der Execution zählen die Details. Selbst der schwierigste Trick verliert massiv an Wert, wenn er mit aufgesetzter Hand, einem Wackler oder einer instabilen Landung steht. Kampfrichter beurteilen jede Phase: den Absprung (kontrolliert, bewusst, mit sauberer Kante), die Luftposition (Grabs am Scheitelpunkt gehalten statt nur kurz angetippt, Körper geordnet und stilsicher) und die Landung (sauber, abgefedert, weich rausgefahren).
Kleine Fehler kosten messbar. Eine Hand im Schnee bei der Landung kann pro Kampfrichter 2 bis 5 Punkte vom Gesamteindruck kosten. Ein deutlicher Wackler oder Revert in der Landung mehr. Ein Sturz drückt die Wertung üblicherweise um 10 bis 15 Punkte oder mehr, je nachdem, an welcher Stelle im Run er passiert. Execution umfasst auch Style — die persönliche Note, die Athleten in ihre Tricks bringen. Ausgereizte Grabs, weiche Übergänge zwischen Features und ein lockerer Eindruck heben die Execution-Wertung. Die Besten lassen extrem schwere Tricks leicht aussehen, und dieser Eindruck von Leichtigkeit ist selbst ein Markenzeichen exzellenter Execution.
Wie wird Difficulty gewichtet?
Difficulty steht für die rohe technische Komplexität der versuchten Tricks. Kampfrichter prüfen die Rotationszahl (720, 1080, 1260, 1440, 1620 und darüber), Achsenvariationen (Cork, Double Cork, Bio), ob Tricks switch oder regular gefahren werden, und die Komplexität der Grab-Kombinationen während der Rotationen.
Difficulty ist wertungskritisch, steht aber nicht für sich allein — sie wird gegen Execution abgewogen. Ein sauber gestandener 1080 kann einen wackligen 1440 schlagen, weil der Execution-Verlust den Difficulty-Vorteil überwiegt. Diese Balance ist das Herzstück der PAVED-Logik als kombiniertes Eindruckssystem. Belohnt wird, wer den Punkt findet, an dem technische Grenzen verschoben und Execution sauber bleiben.
Auf Topniveau verschieben sich die Difficulty-Standards schnell. Double Corks galten einst als Spitze, heute tauchen Triple Corks in Big-Air-Finals auf und Switch Double Cork 1620 verschieben im Slopestyle die Grenzen. Der Schwierigkeitsgrad fürs Podium steigt mit jeder Saison — deshalb gehen Progression und Difficulty oft Hand in Hand.
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