Vereinfachtes FIS-Kampfrichter-Handbuch
Wertungsmethoden, Panelaufbau und Kriterien in einer Referenz
Zuletzt aktualisiert: 9. April 2026
Das FIS-Kampfrichter-Handbuch legt fest, wie Buckelpiste, Aerials, Slopestyle, Halfpipe und Big Air gewertet werden. Jede Disziplin nutzt eine andere Methode: Gesamteindruck (0–100) in Slopestyle/Halfpipe/Big Air, eine gewichtete Formel (Skitechnik 60 % + Sprünge 20 % + Geschwindigkeit 20 %) in der Buckelpiste sowie Ausführung × Schwierigkeit in den Aerials. Die Panels umfassen je nach Disziplin 5 bis 9+ Kampfrichter.
Was ist das FIS-Kampfrichter-Handbuch?
Die FIS (Internationaler Ski- und Snowboardverband) veröffentlicht offizielle Handbücher für Kampfrichter in jeder Wettkampfdisziplin. Jedes Handbuch deckt eine Disziplin ab – Buckelpiste, Aerials, Freeski Slopestyle/Halfpipe/Big Air, Snowboard Slopestyle/Halfpipe/Big Air, Skicross und Snowboardcross – und definiert Wertungskriterien, Panelaufbau und Abzugsrichtlinien.
Die Handbücher stehen als kostenlose PDFs auf fis-ski.com im Bereich Officials bereit und werden vor jeder Saison aktualisiert. Sie sind umfangreich und stark technisch – oft über 150 Seiten – und damit für Athleten, Trainer und Fans, die die Wertung verstehen wollen, kaum zugänglich.
Dieser Leitfaden bündelt die zentralen Konzepte in einer praktischen Referenz.
Wie setzt die FIS ihre Kampfrichter-Panels zusammen?
Jede FIS-Disziplin nutzt eine eigene Panelstruktur, abgestimmt auf das, was bewertet wird. Größe und Zusammensetzung des Panels beeinflussen die Wertungsberechnung direkt.
Ein Oberkampfrichter führt jedes Panel – er prüft die Konsistenz, ruft Reviews auf und steuert den Ablauf. In einigen Disziplinen übernimmt zusätzlich ein Technischer Delegierter (TD) die Aufsicht.
| Discipline | Panel Composition | Score Handling |
|---|---|---|
| Buckelpiste | 7 Kampfrichter für Skitechnik + 2 Kampfrichter für Sprünge + Zeitnehmer | Skitechnik: höchste und niedrigste der 7 Wertungen streichen, die restlichen 5 mitteln. Sprung-Kampfrichter werten jeden Sprung einzeln. |
| Aerials | 5 Kampfrichter (Flug/Form + Landung) | Höchste und niedrigste streichen, 3 mitteln, mit dem Schwierigkeitsgrad (DD) multiplizieren. |
| Freeski Slopestyle / Halfpipe / Big Air | 6 Kampfrichter (Gesamteindruck) | Höchste und niedrigste streichen, die übrigen 4 mitteln. |
| Snowboard Slopestyle / Halfpipe / Big Air | 6 Kampfrichter (Gesamteindruck) | Höchste und niedrigste streichen, die übrigen 4 mitteln. |
Welche Wertungsmethoden setzt die FIS ein?
Die FIS nutzt drei zentrale Wertungsmethoden in ihren Disziplinen – jede angepasst an die Eigenheiten des Sports.
Der Gesamteindruck gibt den Kampfrichtern den größten Spielraum, Kreativität zu belohnen. Die gewichtete Formel wiegt Technik und akrobatische Elemente gegeneinander auf. Ausführung × Schwierigkeit honoriert schwierigere Tricks und verlangt zugleich saubere Ausführung.
| Method | Scale | Used In | How It Works |
|---|---|---|---|
| Gesamteindruck | 0–100 | Slopestyle, Halfpipe, Big Air (Ski und Snowboard) | Jeder Kampfrichter bewertet den gesamten Run mit 0–100. Höchste und niedrigste Wertung werden gestrichen, die vier verbleibenden gemittelt. |
| Gewichtete Formel | Zusammengesetzt | Buckelpiste | Drei Komponenten getrennt gewertet: Skitechnik (60 %), Sprünge (20 %), Geschwindigkeit (20 %). Jede hat eigene Kriterien und Berechnung. |
| Ausführung × Schwierigkeit | Zusammengesetzt | Aerials | Kampfrichter werten Flug/Form (0–7,0) und Landung (0–3,0) zu einer kombinierten Ausführung von 10,0, multipliziert mit dem DD-Koeffizienten des Tricks. |
Worauf achten FIS-Kampfrichter in den einzelnen Disziplinen?
Jede Disziplin hat eigene Kriterien, die die Kampfrichter prüfen. Wer sie kennt, kann gezielter trainieren oder die Wertung beim Zuschauen besser einordnen.
Buckelpiste – Skitechnik (60 % der Gesamtwertung)
- Carving-Technik: saubere, kontrollierte Kantenführung durch jeden Buckel
- Falllinie: direkter Weg den Hang hinunter
- Absorption und Fluss: weiche Knietechnik, durchgehender Rhythmus bei angemessenem Tempo
Buckelpiste – Sprünge (20 % der Gesamtwertung)
- Form in der Luft: Körperhaltung, Streckung und Kontrolle
- Landungsqualität: saubere, balancierte Absorption
- Schwierigkeitsgrad: Tricks mit höherem DD bringen mehr Punkte, wenn sie sauber ausgeführt sind
Aerials
- Absprung: richtige Geschwindigkeit, Winkel und Position vom Kicker
- Höhe und Form: angemessene Amplitude, kompakte Position, vollständige Rotationen
- Landung: balanciert, abgefedert, sauber weggefahren
- Schwierigkeitsgrad: der DD-Koeffizient multipliziert die Ausführung
Slopestyle (Ski und Snowboard)
- Schwierigkeit und Vielfalt: komplexe Tricks über Rotationen, Achsen und Grabs hinweg
- Ausführung: saubere Absprünge, stabile Grabs, kontrollierte Landungen
- Amplitude und Stil: Höhe, Weite, persönlicher Ausdruck, Flow
- Streckennutzung: alle Features effektiv einbinden
Halfpipe (Ski und Snowboard)
- Amplitude: Höhe über der Pipe-Kante
- Schwierigkeit und Vielfalt: Spannweite an Tricks, Rotationen und Richtungen
- Ausführung: saubere Technik und kontrollierte Landungen
- Pipe-Nutzung: Wand-zu-Wand-Übergänge, die ganze Pipe ausnutzen
Big Air (Ski und Snowboard)
- Schwierigkeit: technische Komplexität des Tricks
- Ausführung und Stil: saubere Rotation, Grab und sichere Landung
- Amplitude: Höhe und Weite vom Sprung
Wie werden FIS-Kampfrichter ausgebildet und zertifiziert?
Die FIS unterhält einen strukturierten Zertifizierungsweg für Kampfrichter mit mehreren Stufen:
-
Nationale Ebene: Kampfrichter starten über ihren nationalen Skiverband (z. B. Deutscher Skiverband) – mit theoretischer Schulung und praktischer Bewertung auf nationalen Wettkämpfen.
-
FIS-Ebene: Nach genug Erfahrung auf nationaler Ebene bewerben sich Kampfrichter auf die FIS-Zertifizierung. Dafür sind eine theoretische Prüfung zum FIS-Reglement sowie praktische Bewertungen bei FIS-sanktionierten Wettkämpfen nötig.
-
Weltcup-Ebene: Wer konstant hohe Wertungsqualität zeigt, kann anhand laufender Bewertungen in Weltcup-Panels aufrücken.
-
Olympische Ebene: die höchste Stufe. Olympische Kampfrichter werden aus den am besten bewerteten Weltcup-Kampfrichtern auf Basis kumulierter Saisonbewertungen ausgewählt.
Alle zertifizierten Kampfrichter durchlaufen laufende Schulungen und Rezertifizierungen. Die FIS bietet Seminare, Videotrainings und Vor-Ort-Bewertungen an, damit die Kampfrichter mit Regeländerungen Schritt halten.
Wie sichert die FIS eine konsistente Wertung?
Die FIS setzt mehrere Mechanismen ein, um faire und konsistente Wertungen zu halten:
-
Oberkampfrichter-Kontrolle: der Oberkampfrichter beobachtet alle Wertungen in Echtzeit, markiert Ausreißer und greift ein, wenn ein Kampfrichter deutlich vom Panel abweicht.
-
Videoreview: bei großen Wettkämpfen (Weltcup, Weltmeisterschaften, Olympia) können die Offiziellen Wertungen anhand der Aufzeichnung prüfen.
-
Kampfrichter-Bewertung: FIS-Evaluatoren bewerten jeden Kampfrichter bei jedem Wettkampf. Die Kampfrichter erhalten Konsistenzwerte auf Basis der Übereinstimmung mit dem Panel-Durchschnitt.
-
Statistische Auswertung: die FIS verfolgt die Leistung der Kampfrichter über die Zeit und markiert anhaltende Voreingenommenheitsmuster zur Prüfung.
-
Abberufung und Sperre: Kampfrichter mit dauerhafter Inkonsistenz können aus Panels entfernt, gesperrt oder zur Nachschulung verpflichtet werden.
-
Nachbereitung nach dem Wettkampf: nach jedem Wettkampf werden die Wertungsdaten geprüft und Auffälligkeiten für künftige Einsätze dokumentiert.
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