Wie wird Futsal gewertet?
Tore, kumulierte Fouls, Power Play, Verlängerung und Penaltyschießen
Zuletzt aktualisiert: 21. März 2026
Im Futsal zählt jedes Tor 1 Punkt. Wer nach 40 Minuten (zwei Halbzeiten zu 20 Minuten mit Countdown-Uhr) mehr Tore hat, gewinnt das Spiel. Die Besonderheit: Hat ein Team in einer Halbzeit das 5. Foul erreicht, gibt es ab dem nächsten Foul einen direkten Freistoß vom 10-m-Strafstoßpunkt ohne Mauer — praktisch ein Strafstoß. In K.-o.-Spielen folgt bei Gleichstand die Verlängerung (2 × 5 Minuten) und danach das Penaltyschießen.
Wie ein Tor im Futsal zählt
Ein Tor fällt, wenn der Ball die Torlinie zwischen den Pfosten (3 m breit × 2 m hoch) und unter der Querlatte überquert. Jedes Tor zählt 1 Punkt. Mehrpunkt-Tore gibt es im Futsal nicht.
Das Team mit mehr Toren am Spielende gewinnt. Steht es gleich, endet das Spiel in der Liga unentschieden — im K.-o.-System folgt die Verlängerung.
Wichtige Unterschiede zum Fußball:
- Das Tor ist deutlich kleiner (3 × 2 m statt 7,32 × 2,44 m). Tore zu erzielen ist schwerer, jede Parade des Torwarts wiegt schwerer.
- Es gibt kein Abseits. Spieler können sich überall im Feld positionieren und schaffen so eigene Angriffslinien.
- Die Vier-Sekunden-Regel löst ruhende Bälle sofort auf und hält das Tempo durchgehend hoch.
- Aus einem Einkick (Futsal-Pendant zum Einwurf) kann direkt ein Tor fallen — anders als beim Fußball-Einwurf, aus dem es kein direktes Tor gibt.
- Der Torwart darf in der gegnerischen Hälfte nicht mit der Hand spielen. Tut er es, gibt es einen indirekten Freistoß für den Gegner.
Kumulierte Fouls — die wichtigste Regel im Futsal
Das System der kumulierten Fouls macht die Wertung im Futsal taktisch einzigartig. Wer Futsal verstehen will, kommt daran nicht vorbei.
So funktioniert es: Jedes Foul, das einen direkten Freistoß nach sich zieht (Beinstellen, Stoßen, Rempeln, Halten, Handspiel etc.), zählt für das Team als kumuliertes Foul in dieser Halbzeit. Zur Halbzeit wird der Zähler auf null gestellt.
Fouls 1 bis 5: Das gegnerische Team bekommt einen normalen direkten Freistoß vom Ort des Fouls. Die abwehrende Mannschaft darf eine Mauer mit mindestens 5 m Abstand zum Ball stellen.
6. Foul und danach — der 10-m-Strafstoß: Ab dem 6. kumulierten Foul in einer Halbzeit bekommt das gegnerische Team einen direkten Freistoß vom zweiten Strafstoßpunkt (10 m vor der Torlinie). Entscheidend:
- Es gibt keine Mauer.
- Zwischen Ball und Tor dürfen keine Spieler stehen, nur der Torwart.
- Der Torwart muss auf der Torlinie bleiben, mindestens 5 m vom Ball entfernt.
Das ist faktisch ein Strafstoß aus 10 m, bei dem nur der Torwart im Weg ist. Auf Spitzenniveau liegt die Verwertungsquote bei über 80 %.
Was das für die Wertung bedeutet: Ein Team, das in einer Halbzeit hartnäckig foult, verschenkt fast sichere Tore. Daraus entsteht eine spannende Taktik: Aggressive Verteidigung muss gegen Foul-Disziplin abgewogen werden, und ein führendes Team kann bewusst Fouls provozieren, um den Gegner an die Sechs-Foul-Grenze zu treiben.
Die Rolle des Zeitnehmers: Der offizielle Zeitnehmer führt die Liste der kumulierten Fouls und zeigt den Zähler auf der Anzeigetafel. Beim 5. Foul eines Teams ertönt ein Hupton oder Buzzer — der Hinweis für alle, dass das nächste Foul den 10-m-Strafstoß auslöst.
Power Play — das Spiel ohne Torwart
Power Play ist eine Wertungsstrategie mit hohem Risiko und hohem Ertrag, die nur im Futsal vorkommt.
Was es ist: Das Team ersetzt den Torwart durch einen fünften Feldspieler und schafft so eine 5-gegen-4-Überzahl in der Angriffshälfte. Das eigene Tor bleibt leer.
Wann es eingesetzt wird:
- Von einem zurückliegenden Team in den letzten 3 bis 8 Minuten.
- Manchmal in den Schlusssekunden einer Halbzeit, wenn ein Tor zwingend nötig ist.
- Zunehmend als geplantes taktisches System statt als Verzweiflungstat.
Das Risiko: Jeder Ballverlust kann zum Torschuss aus der eigenen Hälfte ins leere Tor führen. Weitschüsse über 30 m und mehr sind in Power-Play-Szenen üblich.
Der Ertrag: Die 5-gegen-4-Überzahl schafft Anspielstationen, Schusswinkel und Überzahlsituationen, die kaum zu verteidigen sind. Spitzenteams haben Power-Play-Spielzüge mit festen Rotationen und Standards einstudiert.
Auswirkung auf die Wertung: Das Power Play hat die Endphase im Futsal grundlegend verändert. Spiele, die bei 3:1 und 5 Restminuten entschieden wirken, kippen plötzlich durch Power-Play-Tore. Umgekehrt kann ein misslungenes Power Play aus einem Ein-Tor-Rückstand einen Drei-Tore-Rückstand machen, wenn der Gegner mehrfach das leere Tor trifft.
Verlängerung im Futsal
Steht es im K.-o.-System nach den regulären 40 Minuten gleich, geht das Spiel in die Verlängerung.
Format:
- Zwei Halbzeiten zu je 5 Minuten (insgesamt 10 Minuten).
- Die Countdown-Uhr läuft in jeder Halbzeit von 5:00 auf 0:00.
- Die Uhr stoppt bei jedem ruhenden Ball, genau wie in der regulären Spielzeit.
- Zwischen den beiden Halbzeiten gibt es eine Pause von 1 Minute.
Kumulierte Fouls in der Verlängerung: Die Fouls aus der zweiten Halbzeit werden in die erste Verlängerung übernommen. Hatte ein Team am Ende der zweiten Halbzeit 4 kumulierte Fouls, startet es die erste Verlängerung mit 4 — das nächste Foul löst sofort den 10-m-Strafstoß aus.
Für die zweite Verlängerung wird der Foul-Zähler zurückgesetzt.
Wechsel: In der Verlängerung sind unbegrenzte Wechsel erlaubt, wie in der regulären Spielzeit.
Wenn es nach der Verlängerung gleich steht: Dann folgt das Penaltyschießen.
Hinweis: Manche Wettbewerbe lassen die Verlängerung aus und gehen direkt ins Penaltyschießen. Das genaue Format hängt vom Reglement des Wettbewerbs ab.
Penaltyschießen im Futsal
Steht es nach der Verlängerung gleich, entscheidet ein Penaltyschießen.
Format:
- Ein Münzwurf bestimmt das Team, das beginnt, und das Tor, das genutzt wird.
- Jedes Team schießt 5 Penaltys im Wechsel.
- Geschossen wird vom Strafstoßpunkt bei 6 m (nicht vom 10-m-Punkt).
- Der Torwart muss bis zum Schuss auf der Torlinie bleiben.
Sieg im Penaltyschießen:
- Wer nach 5 Runden mehr Treffer hat, gewinnt.
- Hat ein Team einen uneinholbaren Vorsprung, endet das Schießen vorzeitig.
Sudden Death: Steht es nach 5 Penaltys pro Team gleich, geht es in den Sudden Death: Jedes Team schießt pro Runde einen Penalty. Trifft das eine Team und das andere nicht, gewinnt der Treffer.
Wer darf schießen? Jeder Spieler, der am Ende der Verlängerung auf dem Feld stand, darf einen Penalty schießen. Alle berechtigten Spieler müssen einmal geschossen haben, bevor ein zweiter Schuss möglich ist.
Wichtiger Unterschied zum Fußball: Futsal-Penaltys werden aus 6 m geschossen (Fußball: 11 m), und das Tor ist 3 × 2 m groß (Fußball: 7,32 × 2,44 m). Der kürzere Abstand und das kleinere Tor verändern die Dynamik — die Reaktionszeit des Torwarts ist minimal, dafür ist das Ziel für den Schützen kleiner.
Auszeiten und die gestoppte Uhr
Die Uhrmechanik im Futsal wirkt direkt auf Torchancen und Spielrhythmus.
Die gestoppte Uhr: Die offizielle Spieluhr zählt in jeder Halbzeit von 20:00 auf 0:00. Entscheidend: Die Uhr stoppt bei jedem Ausball und jedem Pfiff des Schiedsrichters. Folgen:
- 40 Minuten reine Spielzeit dauern real meist 70 bis 80 Minuten.
- Jede Sekunde auf der Uhr ist echte Spielzeit — am Halbzeitende gibt es keine Nachspielzeit.
- Zeitspiel durch Ball-Halten greift kaum, weil die Uhr bei jedem ruhenden Ball stehen bleibt.
Auszeiten: Jedes Team hat eine Auszeit von 1 Minute pro Halbzeit. Der Trainer fordert sie beim Zeitnehmer an, wenn das eigene Team in einer Spielunterbrechung in Ballbesitz ist.
Auszeit und Wertungstaktik: Auszeiten sind taktische Werkzeuge — der Trainer richtet einen festen Spielzug ein, sortiert die Abwehr nach einem Gegentor neu oder bricht den Lauf des Gegners. In den Schlussminuten eines knappen Spiels wird das Auszeit-Management zentral, vor allem in Kombination mit Power-Play-Entscheidungen.
Buzzer bei 0:00: Der Buzzer des Zeitnehmers beendet jede Halbzeit. Befindet sich beim Buzzer ein Schuss in der Luft, zählt das Tor nur, wenn der Ball vor oder mit dem Buzzer-Ton die Linie überquert. Zusätzliche Zeit darf der Schiedsrichter nicht geben.
Konkretes Beispiel: ein komplettes K.-o.-Spiel im Futsal
Gehen wir ein komplettes K.-o.-Spiel durch und sehen jedes Wertungs-Szenario in Aktion.
1. Halbzeit (20:00 → 0:00)
Team A trifft bei 14:32 aus dem Spiel heraus. Stand: 1:0. Team B begeht bei 8:15 das 5. kumulierte Foul. Der Zeitnehmer löst den Hupton aus. Ab jetzt führt jedes Foul von Team B zum 10-m-Strafstoß. Team B foult erneut bei 6:44 (6. kumuliertes Foul) — Team A bekommt einen direkten Freistoß aus 10 m, ohne Mauer. Team A verwandelt. Stand: 2:0. Team B trifft bei 2:10 nach einer einstudierten Standardsituation. Stand: 2:1.
Halbzeit: 2:1. Die kumulierten Fouls werden für beide Teams auf 0 gesetzt.
2. Halbzeit (20:00 → 0:00)
Team B gleicht bei 16:45 mit einem platzierten Schuss vom Flügel aus. Stand: 2:2. Team A erhält bei 10:22 eine Gelbe Karte. Bei 4 Restminuten aktiviert Team B das Power Play — der Torwart wird durch einen fünften Feldspieler ersetzt. Team A spielt jetzt gegen eine 5-gegen-4. Team B trifft aus dem Power Play bei 2:38. Stand: 2:3. Team A nimmt sofort das leere Tor ins Visier. Ein langer Klärungsschlag aus der Hälfte von Team A landet bei 2:01 im unverteidigten Netz von Team B. Stand: 3:3. Team B aktiviert das Power Play sofort wieder. Bis zum Buzzer fallen keine weiteren Tore.
Endstand: 3:3. Das Spiel geht in die Verlängerung.
1. Halbzeit der Verlängerung (5:00 → 0:00)
Team B hatte in der 2. Halbzeit 3 kumulierte Fouls. Diese werden übernommen — Team B startet die Verlängerung mit 3 kumulierten Fouls. Bei 2:11 begeht Team B das 5. Foul, der Hupton ertönt. Ein weiteres Foul, und Team A bekommt den 10-m-Freistoß. Keine Tore. Stand: 3:3.
2. Halbzeit der Verlängerung (5:00 → 0:00)
Die kumulierten Fouls werden zurückgesetzt. Team A trifft bei 3:22 aus einem Konter. Stand: 4:3. Team B drückt, gleicht aber nicht mehr aus. Der Buzzer ertönt.
Endergebnis: Team A gewinnt nach Verlängerung mit 4:3.
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