Futsal pfeifen: so geht's
Doppel-Schiedsrichter-System, 4-Sekunden-Regel, kumulierte Fouls und Zeichen
Zuletzt aktualisiert: 20. März 2026
Ein Futsalspiel leiten zwei Schiedsrichter mit gleichen Befugnissen von den beiden Seitenlinien, unterstützt von einem dritten Schiedsrichter und einem Zeitnehmer am Kampfgericht. Die Schiedsrichter setzen die typischen Futsal-Regeln durch: die 4-Sekunden-Grenze für Spielfortsetzungen, das Mitzählen der kumulierten Fouls (ab dem 6. Foul pro Halbzeit ein direkter Freistoß vom 10-m-Punkt), die Wechselzonenkontrolle und die Einkick-Fortsetzung. Der Zeitnehmer bedient die ablaufende Uhr und führt die Foulzähler.
Die Offiziellen und ihre Aufgaben
Die Schiedsrichterstruktur im Futsal unterscheidet sich grundlegend vom Fußball. Hier alle Rollen:
Erster Schiedsrichter (Schiedsrichter 1) Steht an einer Seitenlinie und hat bei Uneinigkeit zwischen den beiden Schiedsrichtern leichtes Übergewicht. Aufgaben:
- Leitet das Spiel mit dem Pfiff.
- Spricht Freistöße, Strafstöße, Einkicks, Torabwürfe und Eckstöße aus.
- Zeigt Gelbe und Rote Karten.
- Entscheidet in strittigen Situationen.
- Signalisiert dem Zeitnehmer, Uhr zu stoppen oder weiterlaufen zu lassen.
Zweiter Schiedsrichter (Schiedsrichter 2) Steht an der gegenüberliegenden Seitenlinie. Hat gleiches Entscheidungsrecht bei Fouls, Karten und Spielfortsetzungen. Beide arbeiten im Team und decken jeweils ihre Hälfte und ihre Seitenlinie ab. Jeder Schiedsrichter darf jede Entscheidung treffen — es gibt keine „Lead-and-Trail“-Hierarchie wie im Basketball.
Dritter Schiedsrichter Sitzt am Kampfgericht zwischen den Mannschaftsbänken. Aufgaben:
- Steuert den Wechselvorgang und stellt sicher, dass abgehende Spieler vor den eintretenden das Feld verlassen.
- Notiert Wechsel und kontrolliert, dass die Kaderlimits eingehalten werden.
- Steht als Ersatzschiedsrichter bereit, falls Schiedsrichter 1 oder 2 ausfällt.
- Unterstützt bei Bankdisziplin und Verwaltung der technischen Zone.
Zeitnehmer Sitzt am Kampfgericht neben dem dritten Schiedsrichter. Aufgaben:
- Bedient die offizielle Countdown-Uhr (20:00 → 0:00 pro Halbzeit), stoppt sie auf den Pfiff und startet sie bei Spielfortsetzung.
- Führt die kumulierten Fouls pro Mannschaft und Halbzeit und zeigt den Stand auf der Anzeigetafel.
- Lässt das Horn/den Summer ertönen, wenn eine Mannschaft ihr 5. kumuliertes Foul begeht (Hinweis: das nächste Foul löst den 10-m-Freistoß aus).
- Beendet jede Halbzeit per Summer bei 0:00 — nicht der Schiedsrichter, sondern der Zeitnehmer entscheidet, wann die Halbzeit zu Ende ist.
- Überwacht den 4-Sekunden-Countdown bei Spielfortsetzungen, wenn der Schiedsrichter es signalisiert.
- Nimmt Timeout-Anträge der Trainer entgegen.
Stellungsspiel — das Seitenlinien-System
Anders als beim Fußball mit Diagonalsystem nutzen Futsal-Schiedsrichter ein seitenlinienbasiertes Stellungsspiel, das auf dem kompakten Feld konstant Nähe zum Geschehen sichert.
Grundstellung:
- Schiedsrichter 1 patrouilliert eine Seitenlinie, Schiedsrichter 2 die gegenüberliegende.
- Jeder Schiedsrichter ist für die Torauslinie zu seiner Linken und die Seitenlinie vor ihm zuständig.
- Verlagert sich das Spiel an ein Feldende, wird der Schiedsrichter auf dieser Seite zum führenden Offiziellen (näher am Tor, mit Fokus auf Strafraumszenen), während der andere die Rolle des nachstoßenden Offiziellen übernimmt (Mittelfeld, Fouls abseits des Balls).
Bewegungsmuster:
- Die Schiedsrichter bewegen sich seitlich an ihrer Seitenlinie entlang und passen ihre Position so an, dass sie den besten Blick auf Ball und Mitspieler haben.
- Ideal ist die Position senkrecht zum Ball — direkt auf Höhe des Geschehens.
- Schiedsrichter sollen weder hinter dem Spiel her sein (zu nah am Tor, auf das sie zulaufen) noch zu weit voraus (zu nah an der eigenen Torauslinie, während das Spiel am anderen Ende läuft).
Seitenwechsel: Nach bestimmten ruhenden Bällen (Torabwurf, nach einem Tor) können die Schiedsrichter die Seitenlinien tauschen, um die Belastung zu verteilen und einseitige Laufmuster zu vermeiden.
Grundprinzip: Da Futsal auf einem deutlich kleineren Feld als Fußball gespielt wird, sind die Schiedsrichter immer 10–15 Meter vom Geschehen entfernt. Diese Nähe verlangt schnellere Entscheidungen, gibt aber auch klarere Bilder. Stellungsfehler fallen auf engem Raum stärker ins Gewicht.
Die 4-Sekunden-Regel durchsetzen
Die 4-Sekunden-Regel ist eine futsaltypische Regel und eine der wichtigsten Aufgaben für Schiedsrichter und Zeitnehmer.
Wofür sie gilt: Alle Spielfortsetzungen müssen binnen 4 Sekunden ausgeführt werden:
- Einkicks (Ball von der Seitenlinie zurück ins Spiel)
- Torabwürfe (der Torwart wirft oder kickt den Ball aus dem Strafraum, nachdem er die Torauslinie nach Berührung des Gegners überquert hat)
- Eckstöße
- Freistöße
Wie sie umgesetzt wird:
- Der Schiedsrichter pfeift und signalisiert die Spielfortsetzung.
- Der Zeitnehmer startet einen sichtbaren 4-Sekunden-Countdown auf der Anzeigetafel oder einem Anzeigegerät.
- Der Ball muss innerhalb von 4 Sekunden gespielt werden.
- Schafft es der Spieler nicht rechtzeitig, bekommt der Gegner den Ball.
Beim Einkick: Laufen die 4 Sekunden ab, bekommt der Gegner den Einkick vom selben Punkt. Beim Torabwurf: Spielt der Torwart den Ball nicht innerhalb von 4 Sekunden frei, gibt es einen indirekten Freistoß für den Gegner an der Strafraumlinie. Bei Freistößen und Ecken: Der Ballbesitz geht an den Gegner über.
Hinweise für den Schiedsrichter:
- Die 4-Sekunden-Zählung beginnt erst, wenn der Ball korrekt liegt und der Spieler bereit ist. Rollt der Ball noch oder holt der Spieler ihn gerade, läuft die Zeit nicht.
- Der Schiedsrichter zählt zusätzlich sichtbar mit der Hand mit (Arm ausgestreckt, mit den Fingern von 4 herunterzählen), damit die Spieler die Restzeit sehen.
- Konsequente Anwendung der 4-Sekunden-Regel hält das Futsal-Tempo. Lockere Auslegung führt zu Zeitspiel und stört den Spielfluss.
Kumulierte Fouls verwalten
Das Verwalten kumulierter Fouls teilen sich Schiedsrichter und Zeitnehmer.
Was zählt als kumuliertes Foul: Alle Fouls, die einen direkten Freistoß nach sich ziehen, zählen als kumulierte Fouls:
- Beinstellen, Treten oder versuchtes Treten eines Gegners
- Anspringen eines Gegners
- Anrennen gegen einen Gegner (einschließlich Schultercheck)
- Schlagen oder versuchtes Schlagen eines Gegners
- Stoßen eines Gegners
- Tackling von hinten mit Kontakt
- Halten eines Gegners
- Anspucken eines Gegners
- Absichtliches Handspiel (außer durch den Torwart im eigenen Strafraum)
Was nicht zählt:
- Fouls, die einen indirekten Freistoß nach sich ziehen (gefährliches Spiel, Behinderung, Torwartverstöße), zählen NICHT als kumulierte Fouls.
- Fouls während der Strafstoßausführung zählen nicht.
Der Zählvorgang:
- Der Schiedsrichter zeigt einen direkten Freistoß an.
- Der Zeitnehmer notiert das Foul und passt den kumulierten Stand auf der Anzeigetafel an.
- Beim 5. Foul lässt der Zeitnehmer das Horn ertönen — Hinweis an beide Mannschaften, die Schiedsrichter und die Zuschauer.
- Ab dem 6. Foul bekommt die gegnerische Mannschaft einen Freistoß vom zweiten Strafstoßpunkt (10 m) ohne Mauer.
Ausführung des 10-m-Freistoßes:
- Der Ball liegt auf dem zweiten Strafstoßpunkt (10 m von der Torauslinie, mittig auf dem Feld).
- Der Schütze darf direkt aufs Tor schießen.
- Keine Mauer erlaubt — kein Spieler darf zwischen Ball und Tor stehen.
- Alle übrigen Spieler müssen hinter dem Ball und außerhalb des Strafraums bleiben.
- Der Torwart steht auf der Torlinie, mindestens 5 Meter vom Ball entfernt, und darf sich seitlich bewegen.
- Der Schütze muss schießen — ein Zuspiel an einen Mitspieler ist nicht erlaubt.
Foul jenseits des zweiten Strafstoßpunkts: Geschieht das Foul in der gegnerischen Hälfte, kann die angreifende Mannschaft den Freistoß alternativ vom Tatort ausführen, falls der Winkel besser ist.
Zurücksetzen zur Halbzeit: Kumulierte Fouls werden zur Halbzeit auf 0 zurückgesetzt. In der Verlängerung werden die Fouls aus der 2. Halbzeit in die 1. Verlängerung übernommen, vor der 2. Verlängerung erneut zurückgesetzt.
Wechselzonen verwalten
Futsalwechsel sind unbegrenzt und laufen fliegend — ein zentraler Unterschied zum Fußball. Der dritte Schiedsrichter und die Schiedsrichter haben die Wechselzonen eng im Blick.
Lage der Wechselzone:
- Eine 5-Meter-Zone auf jeder Seite der Mittellinie, an der Seitenlinie vor den Mannschaftsbänken (derselben Seitenlinie wie das Kampfgericht).
- Jede Mannschaft hat ihre eigene zugewiesene Wechselzone.
Ablauf des Wechsels:
- Der abgehende Spieler muss das Feld vollständig durch die eigene Wechselzone verlassen.
- Erst danach darf der eintretende Spieler das Feld durch dieselbe Zone betreten.
- Wechsel sind jederzeit im laufenden Spiel möglich — das Spiel wird nicht unterbrochen.
- Der Auswechselspieler betritt das Feld an der Wechselzone; ein Eintritt an anderer Stelle ist ein Verstoß.
Strafen bei Verstößen:
- Betritt ein Auswechselspieler das Feld, bevor der abgehende es vollständig verlassen hat, unterbricht der Schiedsrichter das Spiel und der Auswechselspieler bekommt eine Gelbe Karte.
- Das Spiel wird mit der korrekten Spielerzahl fortgesetzt.
- Betritt ein Spieler das Feld außerhalb der Wechselzone, gilt dieselbe Strafe.
Torwartwechsel: Ein Torwart kann jederzeit bei ruhendem Ball gegen einen Feldspieler getauscht werden (und umgekehrt). Der Auswechselspieler trägt das Torwarttrikot oder ein unterscheidbares Trikot. Während des laufenden Spiels darf ein Torwart die Rolle mit einem Feldspieler nur bei ruhendem Ball und mit Zustimmung des Schiedsrichters tauschen.
Rolle des dritten Schiedsrichters: Der dritte Schiedsrichter überwacht alle Wechsel. Er achtet darauf, dass der abgehende Spieler zuerst draußen ist, der eintretende durch die richtige Zone kommt und die Mannschaften die maximal erlaubte Spielerzahl auf dem Feld (5) nicht überschreiten.
Die wichtigsten Schiedsrichterzeichen im Futsal
Die Futsal-Schiedsrichter nutzen die von der FIFA standardisierten Hand- und Armzeichen, die sich in einigen Punkten vom Fußball unterscheiden:
Direkter Freistoß: Der Schiedsrichter pfeift und streckt einen Arm in die Spielrichtung der angreifenden Mannschaft aus — wie im Fußball.
Indirekter Freistoß: Der Schiedsrichter hält einen Arm senkrecht über dem Kopf ausgestreckt, bis ein anderer Spieler den Ball berührt. Anwendung: Torwart hält den Ball länger als 4 Sekunden, gefährliches Spiel, Behinderung, Torwart berührt den Ball in der gegnerischen Hälfte mit der Hand.
Freistoß nach kumuliertem Foul (ab dem 6. Foul): Der Schiedsrichter zeigt mit einem Arm auf den zweiten Strafstoßpunkt (10 m). Mit dem anderen Arm zeigt er keine Mauer an, indem er beide Arme waagrecht ausstreckt.
Einkick: Der Schiedsrichter zeigt mit einem waagrecht ausgestreckten Arm die Spielrichtung der Mannschaft an, die den Einkick ausführt. Der 4-Sekunden-Countdown läuft, sobald der Ball liegt und der Spieler bereit ist.
Torabwurf: Der Schiedsrichter zeigt zum Strafraum der Mannschaft, die den Torabwurf bekommt.
Eckstoß: Der Schiedsrichter zeigt auf die Ecke, an der der Stoß ausgeführt wird.
Strafstoß (6 Meter): Der Schiedsrichter zeigt mit einem waagrecht ausgestreckten Arm auf den Strafstoßpunkt.
4-Sekunden-Countdown: Der Schiedsrichter streckt einen Arm aus und zählt sichtbar mit den Fingern herunter — 4, 3, 2, 1, damit der Spieler die Restzeit sieht.
Timeout: Der Schiedsrichter formt mit beiden Händen ein T (eine waagrecht, eine senkrecht) und zeigt zur Mannschaft, die das Timeout beantragt hat.
Vorteil: Wie im Fußball — beide Arme schwingen vorwärts und nach oben. Im Futsal wird der Vorteil aber sparsamer gegeben, weil das Spielfeld klein ist und die Übergänge schnell.
Wie wirst du Futsal-Schiedsrichter?
Der Weg zum Futsal-Schiedsrichter läuft über die nationalen Fußballverbände unter dem Dach der FIFA.
Schritt 1: Einstiegslehrgang Wende dich an deinen nationalen Fußballverband (z. B. DFB in Deutschland, PZPN in Polen, The FA in England, RFEF in Spanien, US Soccer in den USA). Die meisten bieten einen speziellen Futsal-Schiedsrichterlehrgang an. Inhalte:
- FIFA Futsal Laws of the Game (eigenständig gegenüber den Spielregeln für den 11er-Fußball)
- Stellungsspiel und Abstimmung der Doppel-Schiedsrichter
- Verwalten der kumulierten Fouls
- Durchsetzung der 4-Sekunden-Regel
- Kontrolle der Wechselzonen
- Fitness-Anforderungen für das Hallenwesen
Das Mindestalter liegt meistens bei 16–18 Jahren. Manche Verbände verbinden die Futsal-Lizenz mit dem Fußball-Schiedsrichterlehrgang, andere bieten getrennte Wege.
Schritt 2: Lokal- und Freizeitspiele Neue Futsal-Schiedsrichter werden zu Amateurligen, Freizeitturnieren und Jugendspielen eingeteilt. Das kompakte Feld und das hohe Tempo verlangen schnelles Adaptieren — Futsal fordert Offizielle körperlich und mental.
Schritt 3: Regionale und nationale Wettbewerbe: Leistungsgerechte Beförderung führt Schiedsrichter in höhere nationale Wettbewerbe. Beobachter bewerten:
- Entscheidungsgenauigkeit (Fouls, kumulierte Fouls, 4-Sekunden-Durchsetzung)
- Stellungsspiel und Feldabdeckung
- Kommunikation mit dem Partner, dem dritten Schiedsrichter und dem Zeitnehmer
- Spielkontrolle und Spielerführung
Schritt 4: FIFA-Futsal-International-Liste: Top-Schiedsrichter im nationalen Futsal können für die FIFA Futsal International Referees List nominiert werden und pfeifen damit Kontinentalmeisterschaften, Spiele der Futsal Champions League und der FIFA-Futsal-Weltmeisterschaft.
Fitness-Anforderungen: Futsal-Schiedsrichter brauchen ausgezeichnete Kondition. Das Feld ist zwar kleiner als ein Fußballrasen, aber das ständige Stoppen und Anlaufen, die seitlichen Bewegungen und die Notwendigkeit, bei schnellen Übergängen in Position zu bleiben, verlangen hohe anaerobe Fitness und Beweglichkeit. Die kürzere Spielzeit (40 Minuten reine Spielzeit) wird durch die Intensität ausgeglichen — in einem Futsalspiel wird so gut wie nicht gegangen.
Größte Herausforderung: Am schwersten zu lernen ist die Abstimmung der beiden Schiedsrichter. Im Fußball gibt es einen führenden Schiedsrichter mit Assistenten; im Futsal treffen zwei Offizielle unabhängig voneinander, aber dennoch konsistent, in Echtzeit Entscheidungen — verständigt wird sich per Pfiff, Handzeichen und Blickkontakt über die Spielfeldbreite.
Bereit, Wettkämpfe zu werten?
JudgeMate ist eine kostenlose Plattform für Sportwettkämpfe und berechnet die Punktzahl automatisch. Funktionen von JudgeMate für Veranstalter ansehen
Häufige Fragen
Primärquellen
Verwandte Leitfäden
JudgeMate kostenlos testen
Digitale Wertungsplattform für jede Sportart auf JudgeMate.