Volleyball sicher pfeifen
Rollen, Handzeichen, Netzfehler und Video-Challenge
Zuletzt aktualisiert: 30. März 2026
Im Volleyball pfeift ein Team von Offiziellen mit klar getrennten Aufgaben. Der erste Schiedsrichter steht auf dem Schiedsrichterstuhl und entscheidet endgültig. Der zweite Schiedsrichter unterstützt vom Boden gegenüber und konzentriert sich auf Netz- und Mittellinienfehler. Linienrichter (2 oder 4) zeigen Ball „in“ oder „aus“ an, der Anschreiber führt Punktestand, Aufstellung und Auswechslungen. Alle Entscheidungen laufen über die international einheitlichen Handzeichen der FIVB.
Die Rollen im Schiedsgericht: wer macht was auf dem Feld
Ein reguläres FIVB-Spiel wird von folgendem Schiedsgericht geleitet:
Erster Schiedsrichter (1. Schiedsrichter) Der erste Schiedsrichter steht auf einem Schiedsrichterstuhl an einem Ende des Netzes. Er entscheidet endgültig — kein anderer Offizieller kann seine Entscheidung umstoßen. Er:
- pfeift Anfang und Ende jedes Ballwechsels (Pfiff plus Handzeichen)
- pfeift Fehler, die der zweite Schiedsrichter und die Linienrichter nicht sehen (Angriffsfehler, Berührungsfehler, Aufstellungsfehler)
- trifft die endgültige Entscheidung bei strittigen Aktionen
- gibt Auszeiten und Auswechslungen frei
- darf jede Entscheidung anderer Offizieller überstimmen
- ahndet unsportliches Verhalten von Spielern und Trainern (Gelbe Karte, Rote Karte, Disqualifikation)
Zweiter Schiedsrichter (2. Schiedsrichter) Der zweite Schiedsrichter steht auf Bodenniveau gegenüber dem ersten Schiedsrichter, in der Nähe des Anschreibertisches. Er unterstützt in Bereichen, die der erste Schiedsrichter schlecht einsehen kann:
- Netzberührungen während der Aktion
- Übertreten der Mittellinie unter dem Netz
- Eindringen unter dem Netz, das den Gegner stört
- Kontrolle der Auswechslungen (Abgleich mit dem Anschreiber)
- Überwachung des Libero-Wechsels
- Freigabe der Auszeiten und Signalisierung an den ersten Schiedsrichter
Linienrichter (2 oder 4) Linienrichter stehen an diagonal gegenüberliegenden Ecken des Spielfelds (im Zwei-Linien-System) oder an allen vier Ecken (im Vier-Linien-System). Jeder beobachtet die ihm zugewiesenen Linien und zeigt:
- Ball „in“ (Fahne nach unten Richtung Feld)
- Ball „aus“ (Fahne senkrecht nach oben)
- Ball vom Spieler berührt vor dem Aus (Fahne über die Handfläche streichen)
- Fußfehler beim Aufschlag (Fahne über die Grundlinie schwenken)
Anschreiber und zweiter Anschreiber Am Anschreibertisch zwischen den Mannschaftsbänken erfasst der Anschreiber:
- Punktestand und Aufschlagreihenfolge
- Aufstellungsreihenfolge beider Teams und meldet Rotationsfehler
- Auswechslungen und Auszeiten
- Bedienung der Anzeigetafel
- Hupensignal an die Schiedsrichter bei Fehlern (falscher Aufschläger, Rotationsfehler)
| Role | Position | Primary |
|---|---|---|
| Erster Schiedsrichter | Schiedsrichterstuhl an einem Netzende | Endgültige Entscheidung — Fehler pfeifen, Spielfreigabe, Sanktionen |
| Zweiter Schiedsrichter | Bodenniveau, gegenüberliegende Netzseite | Netz- und Mittellinienfehler, Auswechslungen, Libero, Auszeiten |
| Linienrichter (2 oder 4) | Diagonale Ecken des Spielfelds | Ball „in“/„aus“, Berührungen, Fußfehler beim Aufschlag |
| Anschreiber | Anschreibertisch (Seitenlinie) | Punktestand, Aufstellung, Wechsel, Auszeiten, Hupe bei Fehlern |
Handzeichen im Volleyball
Die FIVB legt für Schiedsrichter einen festen Satz Handzeichen fest, die nach jedem Pfiff klar gezeigt werden müssen. Jedes Zeichen erklärt Spielern, Trainern, Zuschauern und Anschreiber, was gepfiffen wurde. Die wichtigsten Zeichen:
Punkt / Aufschlagwechsel: Ein Arm zeigt zur Mannschaft, die den Ballwechsel gewonnen hat, in Richtung ihrer Spielfeldseite.
Ball „in“: Arm und Hand zeigen nach unten in Richtung Boden — der Ball ist im Feld gelandet.
Ball „aus“: Beide Arme angewinkelt nach oben, Unterarme senkrecht, Handflächen nach hinten (zum Schiedsrichter) — der Ball ist außerhalb des Feldes gelandet.
Aufstellungsfehler / Rotationsfehler: Eine Hand zeichnet eine Kreisbewegung vor dem Körper (Zeigefinger rotiert) — eine Mannschaft stand zum Aufschlag falsch.
Doppelberührung: Zwei Finger (Zeige- und Mittelfinger) werden gehoben — ein Spieler hat den Ball zweimal hintereinander berührt (Ausnahme: erste Berührung des Teams, hier ist sie erlaubt).
Vier Berührungen: Vier Finger gehoben — die Mannschaft hat den Ball öfter als dreimal berührt, bevor er über das Netz ging.
Netzberührung: Der Schiedsrichter berührt das Netz an der Seite des fehlbaren Spielers mit der entsprechenden Hand — illegaler Netzkontakt während des Spiels.
Angriffsfehler aus dem Hinterfeld: Ein Arm macht eine abwärtsschwingende Bewegung — ein Hinterspieler hat illegal vor der 3-Meter-Linie angegriffen.
Fußfehler (Aufschlag): Der Schiedsrichter zeigt nach unten auf die Grundlinie — der Aufschläger hat die Linie vor oder beim Aufschlagschlag berührt oder übertreten.
Auswechslung: Beide Unterarme kreisen umeinander vor der Brust — Auswechslungsantrag.
Auszeit: Eine flache Hand mit Handfläche nach unten liegt auf den Fingern der anderen, senkrechten Hand („T“) — Auszeitantrag.
Berührungsfehler beim Stellen (Pritschen): Der Unterarm wird mit nach oben offener Handfläche langsam angehoben — der Ball wurde gehalten oder geworfen statt sauber gespielt.
Verzögerung — Verwarnung / Strafe: Der Schiedsrichter tippt auf das Handgelenk der erhobenen Hand (Verwarnung — Gelbe Karte) oder zeigt am Handgelenk die Rote Karte (Strafe — Punkt und Aufschlag an den Gegner).
Challenge (Videobeweis): Beide Hände bilden ein rechteckiges Bildschirm-Zeichen — ein Video-Challenge wurde angefordert.
Netzfehler: was erlaubt ist und was nicht
Die Netzregeln gehören zu den am häufigsten missverstandenen Punkten im Volleyball. Nach aktuellem FIVB-Reglement gilt:
Netzberührung: Ein Spieler begeht einen Fehler, wenn er das obere Netzband oder die obersten 80 cm der Antenne berührt, während er den Ball spielt oder in das Spiel eingreift. Ein Kontakt mit dem unteren Teil des Netzes (unterhalb des oberen Bandes) ist kein Fehler, solange er das Spiel nicht beeinflusst. Das war eine wichtige Regeländerung — die alten Regeln ahndeten jeden Netzkontakt.
Wichtige Unterscheidung: Eine zufällige Berührung des unteren Netzteils, die den Ballwechsel nicht beeinflusst, ist kein Fehler. Wer aber das Netz greift oder drückt (auch den unteren Bereich), um sich einen Vorteil zu verschaffen oder den Gegner zu behindern, macht einen Fehler.
Übertreten der Mittellinie: Spieler dürfen die Mittellinie (unter dem Netz) übertreten, solange ein Teil des Fußes (oder der Hand) auf oder über der Mittellinie bleibt. Vollständig in das gegnerische Feld zu treten, ist ein Fehler. Ebenso ist jeder Körperteil oberhalb des Knies, der das gegnerische Feld berührt, ein Fehler.
Übergreifen über das Netz:
- Block: Ein Blockspieler darf über das Netz greifen, um den Ball zu blocken — nachdem der Angreifer den Ball gespielt hat. Den Angriff selbst darf der Blocker nicht stören; der Block muss nach dem Schlag erfolgen.
- Angriff: Ein Angreifer darf nicht über das Netz greifen, um den Ball auf der Gegnerseite zu spielen. Der Ball muss die senkrechte Netzebene mindestens teilweise überquert haben. Ausnahme: Die Ausschwungbewegung darf nach dem Schlag über das Netz reichen.
- Stellen: Ein Spieler darf nicht über das Netz greifen, um den Ball in das gegnerische Feld zu stellen oder zu tippen.
Kontakt mit der Antenne: Der Ball muss zwischen den beiden Antennen (oder deren gedachter Verlängerung nach oben) über das Netz fliegen. Berührt der Ball die Antenne, fliegt außen vorbei oder überquert das Netz vollständig außerhalb der Antennen, ist er aus dem Spiel. Auch eine Spielerin oder ein Spieler, die oder der die Antenne im Spiel berührt, begeht einen Fehler.
Video-Challenge-System (FIVB)
Die FIVB hat das Video-Challenge-System eingeführt, damit Teams bestimmte Schiedsrichterentscheidungen per Videobeweis anfechten können. Es kommt bei großen FIVB-Wettkämpfen zum Einsatz (Weltmeisterschaft, Volleyball Nations League, Olympische Spiele) und wird schrittweise auf weitere Wettbewerbe ausgeweitet.
Wie viele Challenges hat jedes Team? Jedes Team bekommt 2 erfolglose Challenges pro Satz. Ist eine Challenge erfolgreich (die Entscheidung wird gekippt), behält das Team sie. Ist sie erfolglos (die Entscheidung bleibt bestehen), wird eine Challenge verbraucht. Zu Beginn jedes Satzes werden die Challenges zurückgesetzt.
Was lässt sich anfechten?
- Ball „in“/„aus“ — ob der Ball im oder außerhalb des Feldes gelandet ist
- Blockberührung — ob der Ball den Blocker berührt hat, bevor er ins Aus ging
- Antennenfehler — ob der Ball die Antenne berührt hat oder außerhalb der Antennen geflogen ist
- Angriffsfehler aus dem Hinterfeld — ob ein Hinterspieler vor der 3-Meter-Linie angegriffen hat
- Fußfehler beim Aufschlag — ob der Aufschläger die Linie vor dem Schlag berührt hat
- Netzberührung — ob ein Spieler das Netz im Spiel berührt hat (bei manchen Wettbewerben)
Was lässt sich nicht anfechten?
- Berührungsfehler (Doppelberührung, Pritschen, Heben/Tragen) — das sind Ermessensentscheidungen des Schiedsrichters und nicht reviewfähig
- Aufstellungsfehler (Rotationsfehler)
- Disziplinarentscheidungen (Karten)
Ablauf einer Challenge:
- Der Kapitän oder Trainer fordert die Challenge direkt nach dem Ballwechsel an (vor dem nächsten Aufschlag).
- Der erste Schiedsrichter prüft die Videobilder auf einem Monitor in der Nähe des Schiedsrichterstuhls.
- Der Schiedsrichter verkündet die Entscheidung: „Challenge erfolgreich — Entscheidung geändert“ oder „Challenge erfolglos — Entscheidung bleibt“.
- Die Anzeigetafel wird entsprechend aktualisiert.
Hawk-Eye: Bei den großen FIVB-Wettkämpfen wird für Linienentscheidungen die Ballverfolgungstechnik Hawk-Eye eingesetzt, die Wiederholungen auf den Millimeter genau liefert. Für andere Challenges wird Videomaterial aus mehreren Kameraperspektiven gesichtet.
Die häufigsten Fehler und Verstöße
Wer im Volleyball pfeift, muss die geläufigsten Fehler sicher erkennen. Die wichtigsten Verstöße:
Doppelberührung: Ein Spieler berührt den Ball zweimal hintereinander oder der Ball berührt zwei verschiedene Körperteile nacheinander in einer Aktion. Ausnahme: Bei der ersten Berührung des Teams (Annahme oder Abwehr) ist die Doppelberührung erlaubt — der Ball darf in einer Aktion mehrere Körperteile berühren, solange das gleichzeitig oder im Rahmen einer durchgehenden Bewegung passiert. Diese Regel wurde eingeführt, um längere Ballwechsel und mehr Defensivarbeit zu belohnen.
Heben / Tragen (Pritschen): Der Ball wird gefangen, gehalten oder geworfen statt sauber gespielt. Der Schiedsrichter beurteilt, ob der Ball sichtbar in den Händen geruht hat. Diese Entscheidung ist rein subjektiv — es gibt keine feste Zeitgrenze. Am häufigsten landet die Stellaktion (Pritschen) unter besonderer Beobachtung.
Vier Berührungen: Eine Mannschaft berührt den Ball mehr als dreimal, bevor er über das Netz geht. Wichtig: Eine Blockberührung zählt nicht zu den drei Mannschaftsberührungen — nach einem Block stehen weiterhin drei Berührungen zur Verfügung.
Aufstellungsfehler (Rotationsfehler): Im Moment des Aufschlags steht mindestens ein Spieler nicht in der korrekten Aufstellung zu seinen Nachbarspielern. Der Anschreiber erkennt das in der Regel über die Rotationsreihenfolge. Die Strafe: Punkt und Aufschlag für den Gegner; während des Fehlers erzielte Punkte werden gestrichen.
Angriffsfehler aus dem Hinterfeld: Ein Hinterspieler (Positionen 1, 5 oder 6) greift den Ball oberhalb der Netzkante an, nachdem er vor der 3-Meter-Linie (Angriffslinie) abgesprungen ist. Springt der Hinterspieler hinter der Linie ab, ist der Angriff regelkonform — unabhängig davon, wo er landet. Entscheidend ist die Position des letzten Bodenkontakts vor dem Absprung.
Fußfehler beim Aufschlag: Der Aufschläger berührt die Grundlinie oder das Spielfeld vor oder im Moment des Ballkontakts. Nach dem Schlag darf der Aufschläger ins Feld landen.
Sichtblock: Spieler der aufschlagenden Mannschaft stellen sich so auf, dass der Annahmemannschaft die Sicht auf den Aufschläger oder die Flugbahn des Balls absichtlich verdeckt wird. Das wird gepfiffen, wenn die Formation die Sicht versperrt — die Annahmemannschaft muss freie Sicht auf den Aufschläger haben.
Wie du Volleyball-Schiedsrichter wirst
Die Ausbildung zum Volleyball-Schiedsrichter läuft in Deutschland über den Deutschen Volleyball-Verband (DVV) und seine Landesverbände, international über die FIVB. Der typische Weg im Überblick:
Stufe 1 — C-Schiedsrichter (lokal / regional):
- Einstiegslizenz beim Landesverband (z. B. BVV, VVRW, HVV)
- Voraussetzungen meist: Mindestalter 14–16 Jahre, Theorielehrgang oder Online-Kurs, schriftliche Prüfung zu den FIVB-Regeln und ein praktischer Einsatz unter Aufsicht
- Berechtigt zum Pfeifen lokaler Ligen, Schul- und Freizeitspiele
Stufe 2 — B-Schiedsrichter (national):
- Setzt Erfahrung auf C-Niveau voraus (meist 1–3 Jahre und eine Mindestzahl an geleiteten Spielen)
- Zusätzliche Lehrgänge zu Regelauslegung auf höherem Niveau, Spielleitung und Fitness
- Schriftliche und praktische Prüfungen auf nationaler Ebene
- Berechtigt zum Pfeifen in den nationalen Ligen und Meisterschaften
Stufe 3 — A-Schiedsrichter / internationaler Kandidat:
- Setzt umfangreiche nationale Erfahrung und gute Bewertungen voraus
- Nominierung durch den Verband für FIVB-Lehrgänge
- Regelauslegung auf höchstem Niveau, Videoanalyse und Fitnesstest
FIVB International Referee:
- Höchste Lizenz, direkt von der FIVB vergeben
- Setzt eine Nominierung durch den nationalen Verband und die Teilnahme an einem FIVB International Referee Candidate Course voraus
- Volle schriftliche Prüfung, praktische Einsätze bei internationalen Wettkämpfen und Fitnesstests
- FIVB International Referees pfeifen Weltmeisterschaften, Volleyball Nations League, Olympische Spiele und weitere FIVB-Wettkämpfe
- Lizenz muss durch regelmäßige Einsätze und Rezertifizierung aktiv gehalten werden
Altersgrenzen: FIVB International Referees sind in der Regel zwischen 25 und 60 Jahren alt. Der nationale Einstieg ist oft ab 14–16 Jahren möglich.
So fängst du an: Wende dich an deinen Landesverband oder den DVV — die meisten Landesverbände bieten Einsteiger-Lehrgänge und Online-Kurse für Anfänger ohne Vorerfahrung an. Viele Verbände werben aktiv um Nachwuchs und unterstützen die Ausbildung finanziell.
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