Wie wird Tischtennis gezählt?
Sätze bis 11, Einstand bei 10:10, Aufschlagwechsel und das Punktesystem
Zuletzt aktualisiert: 13. März 2026
Tischtennis nutzt Rally-Wertung — jeder Ballwechsel bringt einem Spieler einen Punkt. Ein Satz geht bis 11 Punkte, mit verpflichtendem Zwei-Punkte-Vorsprung beim Einstand (10:10). Der Aufschlag wechselt alle zwei Punkte, beim Einstand nach jedem Punkt. Gespielt wird Best of 5 (Amateurbereich) oder Best of 7 (International). Wer zuerst die nötige Satzzahl gewinnt, gewinnt das Match.
So funktioniert die Rally-Wertung im Tischtennis
Tischtennis nutzt die Rally-Wertung: Jeder Ballwechsel endet mit einem Punkt — unabhängig davon, wer aufgeschlagen hat. Gewinnt der Aufschläger den Ballwechsel, bekommt er den Punkt. Gewinnt der Rückschläger, geht der Punkt an ihn. Es gibt kein „Side-out“ und kein „Aufschlag-Recht zum Punktgewinn“ — jeder gespielte Ballwechsel ergibt genau einen Punkt für den Sieger.
Ein Ballwechsel kann auf mehrere Arten enden:
- Der Ball springt zweimal auf einer Spielfeldseite auf (Punkt für den Gegner).
- Ein Spieler schlägt den Ball ins Netz (Punkt für den Gegner).
- Ein Spieler schlägt den Ball über die Tischkante hinaus, ohne dass er auf der gegnerischen Seite aufspringt (Punkt für den Gegner).
- Ein Spieler berührt den Ball zweimal hintereinander — Doppelberührung (Punkt für den Gegner).
- Ein Spieler bewegt die Tischplatte während des Ballwechsels (Punkt für den Gegner).
- Ein Spieler berührt das Netz mit der freien Hand während des Ballwechsels (Punkt für den Gegner).
- Ein Spieler nimmt den Ball aus der Luft (Volley, bevor er auf der eigenen Seite aufspringt) — im Tischtennis ein Fehler, anders als im Tennis.
Die Rally-Wertung gilt überall — von olympischen Endspielen bis zum Kellerturnier. Die ITTF-Regeln unterscheiden nicht zwischen Amateur- und Tour-Niveau, das System ist identisch.
Sätze, Einstand & Match-Format
Ein Tischtennis-Match besteht aus Sätzen (in der offiziellen ITTF-Terminologie auch „Spiele“ genannt). Jeder Satz geht bis 11 Punkte.
Standard-Satz (ohne Einstand): Wer zuerst 11 Punkte hat, gewinnt den Satz — sofern der Vorsprung mindestens zwei Punkte beträgt. Bei 11:9, 11:7, 11:3 usw. ist der Satz vorbei.
Einstand (10:10): Erreichen beide Spieler 10 Punkte, geht der Satz in den Einstand. Dort ändern sich zwei Dinge:
- Der Aufschlag wechselt nach jedem Punkt statt nach zwei.
- Der Satz läuft weiter, bis einer einen Zwei-Punkte-Vorsprung hat — eine Obergrenze gibt es nicht.
Einstand-Stände wie 12:10, 13:11, 15:13 oder höher sind möglich. Die längsten Wettkampf-Sätze gingen über 20:20 hinaus.
Match-Formate:
- Best of 5 (erster mit drei Satzgewinnen): in den meisten Amateur-, Vereins-, Hobby- und unteren Wettkampfklassen.
- Best of 7 (erster mit vier Satzgewinnen): bei Olympia, WM, WTT-Events und den meisten internationalen Wettkämpfen.
Seitenwechsel: Nach jedem Satz wechseln die Spieler die Seite. Im Entscheidungssatz (Satz 5 oder Satz 7) wird zusätzlich gewechselt, sobald ein Spieler 5 Punkte erreicht.
Vor 2001: Sätze gingen bis 21 Punkte, der Aufschlag wechselte alle fünf Punkte. Im September 2001 stellte die ITTF auf 11-Punkte-Sätze um, um die Spannung zu erhöhen und das Fernsehbild zu verbessern.
Aufschlagregeln & Aufschlagwechsel
Die Aufschlagregeln im Tischtennis sind streng definiert und werden auf Wettkampfniveau konsequent kontrolliert:
Der gültige Aufschlag:
- Der Ball liegt auf der offenen, flachen Handfläche des Aufschlägers (freie Hand), ruhig und oberhalb der Spielfläche.
- Der Aufschläger wirft den Ball nahezu senkrecht mindestens 16 cm nach oben — kein seitliches Werfen, kein Schräganwurf.
- Der Aufschläger trifft den Ball im Fallen (nach Erreichen des höchsten Punkts).
- Der Ball springt zuerst auf der eigenen Seite, dann auf der Seite des Rückschlägers auf.
- Der Aufschlag muss für Gegner und Schiedsrichter jederzeit sichtbar sein — der Ball darf nicht hinter freier Hand, Arm oder Körper versteckt werden.
Aufschlagwechsel:
- Jeder Spieler schlägt zwei aufeinanderfolgende Punkte auf, dann geht das Aufschlagrecht an den Gegner.
- Beim Einstand (10:10) wechselt der Aufschlag nach jedem einzelnen Punkt.
- Wer im vorherigen Satz Rückschläger war, schlägt im nächsten Satz zuerst auf.
Aufschlag im Doppel: Im Doppel muss der Aufschlag diagonal gehen — von der rechten Tischhälfte des Aufschlägers in die rechte Tischhälfte des Rückschlägers. Eine Mittellinie teilt den Tisch dafür der Länge nach. Nach zwei Punkten rotieren die Aufschlagpositionen: Der Rückschläger wird zum Aufschläger, sein Partner zum Rückschläger.
Häufige Aufschlagfehler:
- Ball liegt vor dem Wurf nicht auf offener Handfläche
- Wurf unter 16 cm
- Ball wird beim Aufsteigen getroffen
- Ball wird hinter der freien Hand oder dem Körper verdeckt
- Im Doppel: Aufschlag in die falsche Diagonale
So funktioniert die Doppel-Wertung
Im Doppel gilt dieselbe Satzwertung (bis 11, Einstand bei 10:10, Sieg mit zwei Punkten Vorsprung), zusätzlich kommen Regeln für Schlag-Reihenfolge und Aufschlag dazu:
Schlag-Reihenfolge: Die Partner schlagen abwechselnd. Schlägt Spieler A auf und empfängt Spieler X, muss als nächstes Spieler B zurückschlagen, dann Spieler Y, dann wieder Spieler A — strenge Rotation. Wer außer der Reihe schlägt, verliert den Punkt.
Aufschlagwechsel (pro Satz): Zu Satzbeginn wählt das aufschlagende Doppel, wer aufschlägt, das rückschlagende Doppel wählt seinen Rückschläger. Nach zwei Punkten wird der bisherige Rückschläger zum Aufschläger, der Partner des bisherigen Aufschlägers zum Rückschläger. Diese Vier-Spieler-Rotation läuft durch den ganzen Satz.
Beim Einstand: Der Aufschlag wechselt nach jedem Punkt (wie im Einzel), und auch der Rückschläger ändert sich nach jedem Punkt.
Seitenwechsel: Gleiche Regel wie im Einzel — nach jedem Satz wechseln, im Entscheidungssatz bei 5 Punkten.
Mixed-Doppel: Mixed (ein Mann und eine Frau pro Doppel) folgt denselben Regeln wie das Standard-Doppel. Mixed-Doppel wurde 2020 in Tokio ins olympische Programm aufgenommen.
Taktische Folge: Die Schlag-Reihenfolge bedeutet, dass beide Spieler von jeder Position spielen können müssen. Ein Doppel mit einem dominanten Spieler kann diesen nicht jeden Ball schlagen lassen — er muss zur Seite und seinen Partner ans Werk lassen. Konstanz auf beiden Seiten zählt mehr als individuelle Glanzleistungen.
Die Wechselmethode (Zeitbegrenzung)
Tischtennis hat keine Spieluhr — aber eine zeitbezogene Regel: die Wechselmethode (Expedite System).
Wann sie greift: Ist ein Satz nach 10 Minuten Spielzeit noch nicht entschieden und es wurden weniger als 18 Punkte erzielt (zusammen), wird die Wechselmethode aktiviert. Beide Spieler oder Paare können sie auch jederzeit gemeinsam anfordern.
So funktioniert sie: Unter der Wechselmethode gilt:
- Der Rückschläger muss den Ballwechsel innerhalb von 13 Rückschlägen gewinnen (der Aufschlag selbst zählt nicht als erster Schlag). Schafft er das nicht — also bringt der Aufschläger den Ball 13-mal erfolgreich zurück — bekommt der Rückschläger den Punkt automatisch.
- Der Aufschlag wechselt nach jedem Punkt (statt nach zwei).
- Einmal aktiviert, bleibt die Wechselmethode für den Rest des Matches in Kraft (nicht nur für den laufenden Satz).
Warum es sie gibt: Die Wechselmethode verhindert übermäßig defensives Spiel, bei dem beide Spieler den Ball lange Zeit sicher hin- und herschieben. Eingeführt wurde sie für Matches zwischen Defensiv-Spielern (Chopper), die früher stundenlang dauerten.
In der Praxis: Heute wird die Wechselmethode selten ausgelöst, weil das 11-Punkte-Format (seit 2001) ohnehin kürzere Sätze ergibt. Unter dem alten 21-Punkte-System kam sie häufiger vor.
Häufige Irrtümer zur Tischtennis-Wertung
„Tischtennis geht bis 21 Punkte.“ Stimmte vor September 2001. Die ITTF hat vor über 20 Jahren auf 11 Punkte umgestellt. Wer noch bis 21 spielt, nutzt Regeln, die seit Anfang der 2000er nicht mehr existieren.
„Man schlägt fünfmal hintereinander auf.“ Unter dem alten 21-Punkte-System wechselte der Aufschlag alle fünf Punkte. Seit 2001 wechselt er alle zwei Punkte (beim Einstand nach jedem). Eine der hartnäckigsten Hobby-Regeln, die längst überholt ist.
„Der Aufschlag muss diagonal gehen.“ Nur im Doppel. Im Einzel kann der Aufschlag auf jede Stelle der gegnerischen Hälfte treffen — keine Diagonalpflicht.
„Man darf den Ball wie im Tennis aus der Luft nehmen.“ Nein. Im Tischtennis muss der Ball auf der eigenen Seite aufspringen, bevor man ihn schlägt (außer beim Aufschlag, der auf beiden Seiten aufspringt). Schlägt man ihn vorher, ist es ein Fehler — der Punkt geht an den Gegner. Ein grundlegender Unterschied zum Tennis.
„Trifft der Ball die Kante, ist er aus.“ Trifft der Ball die Oberkante der Spielfläche, ist er gültig und das Spiel läuft weiter. Nur wenn er die Seite des Tisches trifft (unter der Oberkante), ist er aus. Kantenbälle gehören zu den umstrittensten Entscheidungen im Sport.
„Im Tischtennis gibt es keine Zeitbegrenzung.“ Eine Spieluhr gibt es nicht — aber die Wechselmethode kann greifen, wenn ein Satz nach 10 Minuten und weniger als 18 Punkten noch läuft. Heute selten, aber sie steht im Regelwerk.
Beispielsatz: ein kompletter Satz
Schritt für Schritt durch einen kompletten Satz zwischen Spieler A und Spieler B:
Aufschlag: Spieler A beginnt (Aufschläge 1–2)
- Ballwechsel 1: A gewinnt → Stand: 1:0 (A schlägt auf)
- Ballwechsel 2: B gewinnt → Stand: 1:1 (A schlägt auf, letzter von zwei)
Aufschlag wechselt zu Spieler B (Aufschläge 3–4)
- Ballwechsel 3: B gewinnt → Stand: 1:2 (B schlägt auf)
- Ballwechsel 4: A gewinnt → Stand: 2:2 (B schlägt auf, letzter von zwei)
Aufschlag wechselt zu Spieler A (Aufschläge 5–6)
- Ballwechsel 5: A gewinnt → Stand: 3:2 (A schlägt auf)
- Ballwechsel 6: A gewinnt → Stand: 4:2 (A schlägt auf, letzter von zwei)
…es geht weiter, Aufschlag wechselt alle zwei Punkte…
Stand 10:8, Spieler B schlägt auf:
- Ballwechsel: A gewinnt → Stand: 10:8 → A braucht noch einen, muss aber mit zwei führen.
Stand erreicht 10:10 (EINSTAND):
- Aufschlag wechselt jetzt nach jedem Punkt.
- A schlägt auf und gewinnt → Stand: 11:10 (A führt nur mit einem, nicht genug)
- B schlägt auf und gewinnt → Stand: 11:11 (wieder Gleichstand)
- A schlägt auf und gewinnt → Stand: 12:11 (A führt nur mit einem)
- B schlägt auf und gewinnt → Stand: 12:12 (wieder Gleichstand)
- A schlägt auf und gewinnt → Stand: 13:12 (A führt nur mit einem)
- B schlägt auf und verliert → Stand: 14:12 → Spieler A gewinnt den Satz! (Zwei-Punkte-Vorsprung erreicht)
Der Satzstand 14:12 wird notiert. Beide Spieler wechseln die Seite. Der nächste Satz startet bei 0:0, Spieler B schlägt zuerst auf (der Spieler, der im vorherigen Satz Rückschläger war).
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