Wie wird Badminton gewertet?
Rally-Wertung bis 21, der 2-Punkte-Vorsprung und die Aufschlagregeln
Zuletzt aktualisiert: 12. März 2026
Badminton nutzt die Rally-Wertung — jeder Ballwechsel bringt der Gewinnerseite einen Punkt, unabhängig davon, wer aufgeschlagen hat. Ein Satz geht bis 21 Punkte und verlangt mindestens 2 Punkte Vorsprung. Bei 29-29 greift der 30-Punkte-Deckel und der nächste Punkt entscheidet (30-29). Ein Match ist Best of 3, wer zuerst 2 Sätze gewinnt, holt das Match.
So funktioniert die Rally-Wertung
Seit 2006 spielt Badminton nach der Rally-Wertung (auch Rally-Point-System genannt). In diesem System bringt jeder Ballwechsel der Gewinnerseite einen Punkt — unabhängig davon, wer aufgeschlagen hat. Vor 2006 galt die Aufschlag-Wertung: Nur die aufschlagende Seite konnte punkten. Gewann die annehmende Seite den Ballwechsel, bekam sie nur den Aufschlag, aber keinen Punkt. Diese alte Regel machte Spiele in der Länge unberechenbar und führte oft zu sehr langen Partien.
Die BWF (Badminton World Federation) führte die Rally-Wertung ein, um Spiele kürzer, spannender und fernsehtauglicher zu machen. Unter der Rally-Wertung gilt:
- Gewinnt die aufschlagende Seite den Ballwechsel, erhält sie 1 Punkt und schlägt erneut auf.
- Gewinnt die annehmende Seite den Ballwechsel, erhält sie 1 Punkt und übernimmt den Aufschlag.
Ein Ballwechsel kann auf mehrere Arten enden: der Federball fällt im gegnerischen Feld zu Boden, der Federball geht ins Aus, ein Spieler berührt das Netz mit Körper oder Schläger während des Spiels, ein Spieler trifft den Ball zweimal, der Ball bleibt am Schläger hängen (ein Schleudern oder Werfen) oder es liegt ein Aufschlagfehler vor.
Die Rally-Wertung gilt einheitlich für alle BWF-sanktionierten Wettkämpfe — Weltmeisterschaften, Olympische Spiele, BWF World Tour und kontinentale Meisterschaften.
Sätze, der 2-Punkte-Vorsprung und der 30-Punkte-Deckel
Ein Badminton-Match wird im Modus Best of 3 gespielt. Wer zuerst 2 Sätze gewinnt, holt das Match.
Reguläres Satzende: Jeder Satz geht bis 21 Punkte. Erreicht eine Seite die 21 und führt dabei mit mindestens 2 Punkten (zum Beispiel 21-19, 21-17, 21-8), ist der Satz sofort beendet.
Die 2-Punkte-Regel (Deuce): Steht es 20-20, endet der Satz nicht bei 21. Das Spiel läuft weiter, bis eine Seite mit 2 Punkten vorne liegt (etwa 22-20, 23-21, 24-22, bis maximal 29-28).
Der 30-Punkte-Deckel — die badminton-typische Regel: Wurde der 2-Punkte-Vorsprung bis 29-29 nicht erreicht, greift der Deckel. Der nächste Ballwechsel entscheidet den Satz, die Gewinnerseite erzielt den 30. Punkt und gewinnt 30-29. Damit ziehen sich Sätze nicht endlos in die Länge.
Warum der 30-Punkte-Deckel zählt: Zwischen 20-20 und 28-28 gilt der normale 2-Punkte-Vorsprung. Bei 29-29 überschreibt der Deckel die Vorsprungregel. So entsteht einer der dramatischsten Momente im Rückschlagsport — ein einziger Ballwechsel, in dem der ganze Satz auf der Kippe steht.
Match-Ergebnisse: Ein Match kann 2-0 (glatt) oder 2-1 (mit entscheidendem dritten Satz) ausgehen. Der Wert ist derselbe — beides zählt als Sieg. In Mannschaftsformaten wie dem Thomas Cup können einzelne Match-Ergebnisse für die Tiebreak-Wertung relevant werden.
Aufschlagregeln und Stellung im Feld
Der Aufschlag im Badminton ist einzigartig unter den Rückschlagsportarten — er muss von unten und unterhalb einer festen Höhe gespielt werden. Die Aufschlagregeln sind zentral, weil der Punktestand bestimmt, wer aufschlägt und von welcher Feldhälfte.
Grundregeln des Aufschlags (seit 2018):
- Der Federball muss unterhalb von 1,15 Metern über dem Boden getroffen werden. Diese feste Höhe ersetzte die alte „unterhalb der Taille“-Regel, die schwerer einheitlich zu bewerten war.
- Der Schläger muss im Moment des Treffens nach unten zeigen — der Schlägerkopf darf nicht über der Hand des Aufschlägers liegen.
- Der Aufschläger muss innerhalb seines Aufschlagfeldes stehen, beide Füße ruhig (nicht in Bewegung) und mit Bodenkontakt.
- Der Federball muss diagonal über das Netz in das gegnerische Aufschlagfeld fliegen.
Stellung im Einzel:
- Bei geradem Punktestand des Aufschlägers (0, 2, 4 …) wird aus dem rechten Aufschlagfeld serviert.
- Bei ungeradem Punktestand (1, 3, 5 …) wird aus dem linken Aufschlagfeld serviert.
- Der Annehmer steht im diagonal gegenüberliegenden Aufschlagfeld.
Stellung im Doppel:
- Der Punktestand der aufschlagenden Seite bestimmt das Aufschlagfeld: gerade = rechts, ungerade = links.
- Der Spieler, der bei diesem Punktestand im richtigen Aufschlagfeld steht, schlägt auf (das heißt: derselbe Spieler schlägt weiter auf, solange seine Seite Ballwechsel gewinnt — er wechselt nach jedem eigenen Punkt die Seite).
- Das annehmende Paar wechselt seine Stellung nicht, wenn es punktet (es wechselt nur, wenn es selbst aufschlägt und einen Punkt erzielt).
Wertung im Doppel: So funktioniert die Aufschlagrotation
Im Doppel gilt dieselbe Wertung wie im Einzel (Rally bis 21, 2-Punkte-Vorsprung, 30-Punkte-Deckel), die Aufschlagrotation ist jedoch komplexer:
Wer schlägt auf? Zu Beginn des Satzes entscheidet das aufschlagende Paar, welcher Spieler zuerst serviert. Danach folgt die Rotation einem festen Muster nach dem Punktestand der aufschlagenden Seite:
- Gerader Punktestand → der Spieler im rechten Aufschlagfeld schlägt diagonal zum Annehmer auf.
- Ungerader Punktestand → der Spieler im linken Aufschlagfeld schlägt diagonal zum Annehmer auf.
Kernprinzip: Gewinnt die aufschlagende Seite einen Ballwechsel, schlägt derselbe Spieler erneut auf, wechselt aber das Aufschlagfeld (weil der Punktestand von gerade auf ungerade oder umgekehrt gesprungen ist). Verliert die aufschlagende Seite den Ballwechsel, geht der Aufschlag direkt an das andere Paar.
Das annehmende Paar: Es behält seine Stellung, wenn die Gegner punkten. Eine neue Stellung gibt es nur, wenn das Paar selbst aufschlägt und einen Punkt holt.
Häufiger Irrtum: Anders als unter den alten Regeln (vor 2006) gibt es keinen zweiten Aufschläger. Verliert das aufschlagende Paar den Ballwechsel, wechselt der Aufschlag direkt zum gegnerischen Paar. Diese Vereinfachung kam zusammen mit der Rally-Wertung.
Zu Beginn jedes Satzes: Nach Satz 1 schlägt der Gewinner des vorherigen Satzes zuerst auf. Die siegreiche Seite wählt im Doppel, welcher Spieler aufschlägt und aus welchem Feld.
Pausen und Seitenwechsel
Badminton hat fest eingebaute Pausen im Spielablauf:
Pause innerhalb des Satzes: Erreicht die führende Seite 11 Punkte, gibt es eine verbindliche 60-Sekunden-Pause. In dieser Zeit trocknen sich die Spieler ab, trinken und können kurz vom Trainer angesprochen werden.
Zwischen den Sätzen: Hier gilt eine 120-Sekunden-Pause (2 Minuten). Die Spieler kehren zur Bank zurück, bekommen Coaching und stellen sich auf den nächsten Satz ein.
Seitenwechsel: Die Spielfeldhälften werden gewechselt:
- Nach dem ersten Satz.
- Nach dem zweiten Satz (falls ein dritter Satz folgt).
- Im dritten Satz, sobald die führende Seite 11 Punkte erreicht.
Der Seitenwechsel im dritten Satz hält die Bedingungen fair — Faktoren wie Luftströmungen, Beleuchtung und Hintergrundsicht können sich zwischen den Hälften unterscheiden. Der Wechsel bei 11 Punkten (etwa zur Hälfte des Satzes) verhindert, dass eine Seite den Großteil des Entscheidungssatzes unter schlechteren Bedingungen spielen muss.
Das alte 15-Punkte-System (vor 2006)
Vor 2006 verwendete Badminton ein grundlegend anderes Wertungssystem:
Herreneinzel: Sätze bis 15 Punkte mit Aufschlag-Wertung (nur der Aufschläger konnte punkten). Dameneinzel: Sätze bis 11 Punkte mit Aufschlag-Wertung. Doppel (alle): Sätze bis 15 Punkte mit Aufschlag-Wertung.
Gewann die annehmende Seite den Ballwechsel, bekam sie nur den Aufschlag, aber keinen Punkt. Ein Match über drei Sätze konnte gut über eine Stunde dauern, mit langen Phasen ohne Punktgewinn, weil der Aufschlag mehrfach wechselte.
Die „Setting“-Regel: Im alten System konnte bei bestimmten Gleichständen (13-13 oder 14-14 im 15-Punkte-Satz) die Seite, die den Gleichstand zuerst erreicht hatte, das Spiel „setten“ — also die Zielmarke um eine festgelegte Anzahl an Zusatzpunkten erhöhen.
Die BWF stellte im August 2006 für alle Wettkämpfe auf die 21-Punkte-Rally-Wertung um. Dieser Schritt war ein Einschnitt: Spiele wurden kürzer und besser planbar, Fernsehsender konnten Übertragungen verlässlicher legen und der Sport gewann an Reichweite bei neuen Zuschauern, die dem Punktverlauf leichter folgen konnten.
Häufige Missverständnisse zur Badminton-Wertung
„Ein Satz endet immer genau bei 21 Punkten.“ Nur, wenn die Führung mindestens 2 Punkte beträgt. Steht es 20-20, läuft der Satz weiter. Er kann bei 22-20, 23-21 oder bis 29-28 enden (Sieg mit 2 Punkten) — oder bei 30-29 (Deckel).
„Im Badminton gibt es keinen Punkte-Deckel.“ Falsch — es gibt eine harte Obergrenze bei 30 Punkten. Bei 29-29 entscheidet der nächste Punkt. Das unterscheidet Badminton vom Volleyball (dort gibt es keinen Deckel).
„Badminton wird wie Volleyball im Modus Best of 5 gespielt.“ Nein — Badminton ist Best of 3. Wer zuerst 2 Sätze gewinnt, holt das Match.
„Nur die aufschlagende Seite kann punkten.“ Das galt unter den alten Regeln vor 2006. Seit 2006 bringt jeder Ballwechsel der Gewinnerseite einen Punkt — unabhängig vom Aufschlag.
„Der Aufschlag muss unterhalb der Taille gespielt werden.“ Die alte Taillen-Regel wurde 2018 durch eine feste Höhe ersetzt: Der Federball muss unterhalb von 1,15 Metern über dem Boden getroffen werden. Damit wurde die Aufschlagregel objektiv und einheitlich kontrollierbar.
Mythos: „Im Doppel schlägt jeder Spieler eines Paars einmal auf, bevor der Aufschlag wechselt.“ Das galt im alten System (zweiter Aufschläger). Seit 2006 geht der Aufschlag bei verlorenem Ballwechsel direkt an das gegnerische Paar — einen zweiten Aufschläger gibt es nicht mehr.
Rechenbeispiel: Ein kompletter Badminton-Satz
So kann ein Satz im Verlauf aussehen, mit den entscheidenden Punkten:
Stand 0-0: Spielerin A schlägt aus dem rechten Feld auf (gerader Stand). A gewinnt den Ballwechsel → 1-0 A. A schlägt jetzt aus dem linken Feld auf (ungerader Stand).
Stand 11-8: Erreicht A die 11 (oder B die 11 zuerst), wird die 60-Sekunden-Pause ausgerufen.
Stand 20-18: A punktet → 21-18 A. Satzende — A gewinnt, weil sie bei 21 mit 3 Punkten vorne liegt (mehr als 2).
Alternative: Stand 20-20 (Deuce): Der Satz endet nicht bei 21. A punktet → 21-20. A braucht noch einen Punkt für 2 Vorsprung. B punktet → 21-21. Jetzt B → 22-21. B braucht noch einen. A punktet → 22-22. Und so weiter …
Stand 29-28: Punktet A → 29-29. Jetzt greift der 30-Punkte-Deckel. Der nächste Ballwechsel entscheidet. B punktet → 30-29 B. B gewinnt den Satz — bei 29-29 ist kein 2-Punkte-Vorsprung mehr nötig.
Nach dem Satz: 120 Sekunden Pause, die Spieler wechseln die Seiten. Hat A Satz 1 und B Satz 2 gewonnen, folgt ein entscheidender dritter Satz mit Seitenwechsel bei 11 Punkten.
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