Badminton pfeifen: so geht's
Umpire-Aufgaben, Aufschlagfehler, Wiederholungen und Lizenzweg
Zuletzt aktualisiert: 11. März 2026
Im Badminton arbeitet ein gestaffeltes Schiedsrichterteam: Der Umpire sitzt auf einem erhöhten Stuhl am Netzpfosten und führt das Match. Der Aufschlagrichter sitzt tief gegenüber und achtet ausschließlich auf Aufschlagfehler. Die Linienrichter (8–10 bei großen Turnieren) entscheiden über „in“ und „aus“. Bei BWF-World-Tour-Turnieren hat jeder Spieler eine erfolglose Hawk-Eye-Challenge pro Satz. Der Referee leitet das gesamte Turnier und bearbeitet Einsprüche jenseits der Umpire-Befugnis.
Wer macht was auf dem Badmintoncourt
Ein Standardmatch der BWF World Tour wird von folgender Crew geleitet:
Umpire Der Umpire sitzt auf einem erhöhten Stuhl am Netzpfosten und hat damit einen freien Blick über den gesamten Court — vergleichbar mit dem Stuhlschiedsrichter im Tennis. Er hat die oberste Befugnis im Match und ist zuständig für:
- Spielstandansage nach jedem Ballwechsel
- Fehlerentscheidungen (außer Aufschlagfehler, die der Aufschlagrichter übernimmt)
- Ankündigung von Spiel- und Matchbeginn sowie Spiel- und Matchende
- Verwaltung der Pausen (60 Sekunden in Satzmitte, 120 Sekunden zwischen den Sätzen)
- Ansage von Wiederholungen (replayte Ballwechsel)
- Überstimmen der Linienrichter, wenn er sich klar sicher ist, dass die Entscheidung falsch war
- Verhalten der Spieler im Blick behalten und Verwarnungen oder Strafen aussprechen
- Abstimmung mit dem Referee in strittigen Fällen
Aufschlagrichter Der Aufschlagrichter sitzt auf einem niedrigen Stuhl auf der gegenüberliegenden Netzseite des Umpire, nahe am Netz. Sein Fokus liegt allein auf der Korrektheit des Aufschlags:
- Treffpunkt des Federballs unter 1,15 m über dem Courtboden
- Schlägerschaft nach unten im Moment des Treffens
- Beide Füße des Aufschlägers ruhig und innerhalb des Aufschlagfeldes
- Treffpunkt unterhalb der Hand, die den Schläger hält
- Keine unangemessene Verzögerung im Aufschlagablauf, sobald begonnen
Der Aufschlagrichter zeigt einen Fehler an, indem er die rechte Hand hebt. Der Umpire spricht den Fehler dann aus und gibt den Punkt an die annehmende Seite.
Linienrichter (8–10) Linienrichter sind rund um den Court positioniert und tragen jeweils Verantwortung für eine oder zwei Begrenzungslinien. Bei großen Turnieren decken 10 Linienrichter alle Linien ab; bei kleineren Turnieren übernehmen 4–6 Linienrichter mehrere Linien gleichzeitig.
- In: Arme ausgestreckt, Hände zeigen nach unten Richtung Court (oder zur Linie)
- Aus: Arme waagrecht zur Seite ausgestreckt, Handflächen nach außen
- Sicht versperrt: Beide Hände vor die Augen gelegt — der Linienrichter konnte den Aufschlagpunkt nicht sehen
Referee Der Referee ist die oberste Turnierinstanz — kein Courtoffizieller. Er überwacht alle Matches, bearbeitet Einsprüche, legt Regeln aus und entscheidet über Disziplinarmaßnahmen, die die Umpire-Befugnis übersteigen. Der Referee darf eine Umpire-Entscheidung nur bei einer Rechtsfrage (Regelauslegung) aufheben, nicht bei einer Tatsachenfrage (Ermessensentscheidung).
| Role | Position | Primary |
|---|---|---|
| Umpire | Erhöhter Stuhl am Netzpfosten | Oberste Match-Befugnis — Spielstandansage, Fehler (außer Aufschlag), Spielleitung |
| Aufschlagrichter | Niedriger Stuhl, gegenüberliegende Netzseite | Aufschlagkontrolle — Höhe, Schlägerwinkel, Fußstellung |
| Linienrichter (8–10) | Rund um den Court | „In“ oder „Aus“ auf den zugewiesenen Begrenzungslinien |
| Referee | Turnierebene (nicht auf dem Court) | Oberste Turnierbefugnis — Einsprüche, Regelauslegung, Disziplin |
Aufschlagfehler: die häufigsten Entscheidungen im Badminton
Aufschlagfehler werden im Badminton am häufigsten gepfiffen und waren Gegenstand wichtiger Regeländerungen. Sie sicher zu erkennen, ist Pflicht für jeden Offiziellen.
Höhenfehler (die 1,15-m-Regel): Seit März 2018 schreibt die BWF vor, dass sich der gesamte Federball im Moment des Treffens unter 1,15 Metern über dem Courtboden befinden muss. Damit löste die feste Höhe die alte „unter der Taille“-Regel ab, die subjektiv war und sich kaum einheitlich durchsetzen ließ (Taillenhöhen der Spieler sind verschieden). Die feste Höhe wird mit einem Messgerät oder einer Markierung am Netzpfosten kontrolliert. Auf Turnieren ohne Messgerät schätzt der Aufschlagrichter.
Schlägerwinkelfehler: Im Moment des Treffens muss der Schaft des Schlägers nach unten zeigen. Der Schlägerkopf muss also erkennbar unter der Hand liegen, die den Schläger hält. Diese Regel hält den Aufschlag echt von unten.
Fußfehler: Aufschläger und Annehmer müssen mit Teilen beider Füße ruhig im jeweiligen Aufschlagfeld stehen, bis der Aufschlag ausgeführt ist. Der Aufschläger darf während der Aufschlagbewegung nicht treten, schlurfen oder schleifen. Ein Fuß auf einer Linie des Aufschlagfeldes ist ein Fehler.
Täuschungsfehler: Der Aufschläger darf keine Täuschungsbewegung machen, die den Annehmer in die Irre führen soll. Beginnt der Vorwärtsschwung zum Federball, muss die Bewegung ununterbrochen sein — kein Stoppen, Zögern oder Vortäuschen eines Aufschlags.
Verzögerungsfehler: Sind Aufschläger und Annehmer bereit und hat der Aufschläger die Bewegung begonnen, darf es keine unangemessene Verzögerung bei der Ausführung geben. Der Aufschläger darf den Schläger nicht endlos zurückhalten, um den Annehmer aus dem Rhythmus zu bringen.
Wiederholungen: wann ein Ballwechsel neu gespielt wird
Eine Wiederholung („Let“) im Badminton stoppt das Spiel und der Ballwechsel wird ohne Punktvergabe neu gespielt. Sie kann vom Umpire angesagt oder in bestimmten Fällen von einem Spieler erbeten werden.
Pflicht-Wiederholungen (Umpire muss ansagen):
- Der Aufschläger schlägt vor der Annehmer bereit ist. Versucht der Annehmer den Aufschlag zu retournieren, gilt er als bereit.
- Während des Aufschlags machen Aufschläger und Annehmer gleichzeitig einen Fehler.
- Der Federball bleibt nach dem Überqueren oben auf dem Netz hängen — er ist über das Netz gegangen, bleibt aber auf der Netzkante liegen.
- Der Federball zerlegt sich im Spiel; der Korkfuß löst sich von den Federn (kommt bei Federbällen vor).
- Einem Linienrichter ist die Sicht versperrt und der Umpire kann keine eindeutige Entscheidung treffen.
Ermessens-Wiederholungen (Entscheidung des Umpire):
- Eine unvorhergesehene oder versehentliche Situation tritt ein — etwa ein Federball aus einem Nachbarcourt fliegt ins Spielfeld, oder eine deutliche äußere Störung (lauter Knall, herabfallendes Objekt).
- Der Umpire ist überzeugt, dass ein Spieler durch ein Ereignis außerhalb des Matches echt abgelenkt wurde.
Wichtig: Eine Wiederholung wird nie wegen eines eigenen unprovozierten Fehlers, einer Ungeschicklichkeit oder Fehleinschätzung des Spielers angesagt. Das Wiederholungssystem deckt nur Situationen ab, in denen das Wiederabspielen des Ballwechsels die Fairness wahrt.
Hawk-Eye Instant-Review-System
Die BWF setzt das Hawk-Eye-Instant-Review-System bei World-Tour-Turnieren Super 1000, Super 750, Super 500, Weltmeisterschaften und Olympischen Spielen ein. Spieler können damit Linienentscheidungen anfechten.
Wie viele Challenges? Jeder Spieler (im Doppel jedes Paar) bekommt eine erfolglose Challenge pro Satz. Ist die Challenge erfolgreich (die Linienentscheidung wird gekippt), bleibt sie erhalten — der Spieler verliert sie nicht. Ist sie erfolglos (die ursprüngliche Entscheidung bleibt), ist sie für den Rest des Satzes verloren. Zu Beginn jedes neuen Satzes werden die Challenges zurückgesetzt.
Was kann angefochten werden?
- Linienentscheidungen — ob der Federball im Court gelandet ist oder im Aus.
- Dazu zählen die Aufschlaglinien (kurze und lange Aufschlaglinie, Mittellinie, Seitenlinien).
Was kann nicht angefochten werden?
- Aufschlagfehler (Höhe, Schlägerwinkel, Fußstellung) — das sind Ermessensentscheidungen des Aufschlagrichters.
- Netzberührungen, Wiederholungen und andere Ermessensentscheidungen des Umpire.
- Verhaltensverstöße oder Strafen.
Ablauf der Challenge:
- Der Spieler hebt die Hand und ruft „Challenge“ oder „Review“ unmittelbar nach der Linienentscheidung — vor dem nächsten Aufschlag.
- Der Umpire kündigt die Challenge an.
- Das Hawk-Eye-System zeigt die Flugbahn des Federballs auf der Courtleinwand mit dem genauen Landepunkt im Millimeterbereich.
- Der Umpire sagt an: „Challenge erfolgreich, der Ball war [in/aus]“ oder „Challenge erfolglos, die ursprüngliche Entscheidung bleibt.“
Genauigkeit: Hawk-Eye nutzt mehrere Hochgeschwindigkeitskameras, um den Federball zu verfolgen, und rekonstruiert die Flugbahn dreidimensional. Die Systemgenauigkeit liegt typischerweise im Bereich von 2–3 Millimetern — extrem verlässlich bei knappen Linienentscheidungen.
Auf Turnieren ohne Hawk-Eye: Die Entscheidung des Umpire (oder die Linienrichter-Entscheidung, vom Umpire bestätigt oder überstimmt) ist endgültig. Auf Turnieren niedrigerer Ebene gibt es kein Challenge-System.
Häufige Fehler und Verstöße im laufenden Spiel
Neben Aufschlagfehlern hat der Umpire mehrere Verstöße im laufenden Spiel im Blick:
Netzfehler: Ein Spieler oder sein Schläger berührt das Netz oder die Netzhalterungen, während der Federball im Spiel ist. Dazu zählt eine Berührung im Ausschwung nach einem Schlag. Sobald der Ball am Boden ist oder ein Fehler gepfiffen wurde, wird eine Netzberührung nicht mehr bestraft.
Übertritt: Der Schläger oder Körper eines Spielers überquert das Netz in das gegnerische Feld. Der Schläger darf das Netz im Ausschwung nach dem Treffen überqueren (sofern der Treffpunkt auf der eigenen Seite war), aber kein Körperteil darf unter dem Netz hindurch ins gegnerische Feld geraten und den Gegner stören.
Doppelschlag: Der Federball wird zweimal in Folge vom selben Spieler getroffen oder im Doppel von einem Spieler und seinem Partner nacheinander, bevor er das Netz überquert. Ein einziger Schwung, der erst Federn und dann Kork berührt (oder umgekehrt), gilt als ein Treffer und ist regelkonform.
Festgehaltener Federball: Der Federball wird im Schlag gefangen und mitgeführt (Schleudern oder Werfen). Der Treffer muss sauber und kurz sein — nicht geschöpft oder getragen.
Behinderung: Ein Spieler stört oder lenkt seinen Gegner absichtlich ab — etwa durch Schlägerwedeln, Rufen oder Versperren der Sicht auf den Federball.
Annehmerbewegung beim Aufschlag: Der Annehmer bewegt sich, bevor der Aufschläger trifft. Beide müssen ruhig stehen, bis der Aufschlag ausgeführt ist.
| Fault | Description | Consequence |
|---|---|---|
| Netzfehler | Spieler oder Schläger berührt das Netz, während der Ball im Spiel ist | Punkt für den Gegner |
| Übertritt | Schläger oder Körper überquert das Netz ins gegnerische Feld (Körperkontakt oder Störung) | Punkt für den Gegner |
| Doppelschlag | Federball zweimal in Folge vom selben Spieler oder beiden Partnern vor dem Übergang getroffen | Punkt für den Gegner |
| Schleudern/Werfen | Federball gefangen und mitgeführt — kein sauberer Treffer | Punkt für den Gegner |
| Behinderung | Bewusste Störung des Gegners durch Aktion oder Geräusch | Punkt für den Gegner (eventuell zusätzlich Verhaltensstrafe) |
Spielerverhalten und Disziplinarmaßnahmen
Die BWF hat ein klar gestaffeltes System für das Spielerverhalten im Match:
Vergehensarten:
- Spielverzögerung — übermäßig viel Zeit zwischen den Ballwechseln, bewusstes Verlangsamen
- Bewusste Ablenkung, Rufen, Gestikulieren oder Bewegungen, die den Gegner aus der Konzentration bringen sollen
- Beleidigendes Verhalten, verbale Beleidigungen, obszöne Gesten, Schlägermissbrauch (werfen oder zertrümmern)
- Coaching-Verstöße, Coaching außerhalb der erlaubten Pausen (Coaching ist nur in den 60- und 120-Sekunden-Pausen erlaubt)
Strafprogression:
- Verwarnung — der Umpire spricht eine mündliche Verwarnung aus. Für ein erstes, leichtes Vergehen.
- Fehler, die fehlbare Seite verliert den Ballwechsel (Punkt an den Gegner). Für wiederholtes oder schwereres Fehlverhalten.
- Einschalten des Referee, bei hartnäckigem oder schwerem Fehlverhalten meldet der Umpire den Vorfall an den Turnier-Referee, der weitere Strafen bis hin zur Disqualifikation verhängen kann.
Die Regel des durchlaufenden Spiels: Im Badminton gilt strikt das Prinzip „continuous play“. Zwischen den Ballwechseln darf nur in den erlaubten Pausen verzögert werden. Bei absichtlicher Verzögerung kann der Umpire einen Fehler ansagen. Diese Regel hält das Match in Fluss und unterbindet Spielchen.
Wie wirst du Badminton-Schiedsrichter oder Umpire?
Die nationalen Verbände unter dem Dach der BWF organisieren die Schiedsrichterausbildung im Badminton. Der Weg ist in Stufen aufgebaut:
Stufe 1 — Vereins-/Regional-Umpire:
- Einstieg über deinen nationalen Badmintonverband (z. B. Deutscher Badminton-Verband DBV, Badminton England, PZBad in Polen)
- Voraussetzungen: Regelkundekurs, schriftliche Prüfung, praktische Bewertung (Umpiren unter Aufsicht)
- Berechtigt zum Pfeifen in lokalen Ligen, Vereinsturnieren und Regionalwettkämpfen
Stufe 2 — Nationaler Umpire:
- Setzt Erfahrung auf Stufe 1 voraus (in der Regel 1–2 Jahre mit Mindestanzahl an gepfiffenen Matches)
- Zusatzschulung zu Regeln höherer Ebene, Matchmanagement und Konfliktlösung
- Nationale schriftliche und praktische Prüfung
- Berechtigt zum Pfeifen bei nationalen Meisterschaften und höheren nationalen Wettkämpfen
Stufe 3 — Kontinental-/Internationaler Anwärter:
- Setzt eine starke nationale Bilanz und die Empfehlung des nationalen Verbands voraus
- Bewertung durch den Kontinentalverband (z. B. Badminton Europe, Badminton Asia)
- Videogestützte Regelprüfung auf höherem Niveau
BWF Accredited Umpire:
- Die höchste Stufe, direkt von der BWF verwaltet
- Setzt eine Nominierung durch nationalen Verband und Kontinentalverband voraus
- Teilnahme am BWF Umpire Assessment bei festgelegten internationalen Turnieren
- Komplette praktische und schriftliche Bewertung
- BWF-akkreditierte Umpires pfeifen Weltmeisterschaften, BWF World Tour und Olympische Spiele
- Aktiver Status durch laufendes Pfeifen und regelmäßige Reakkreditierung erforderlich
Loslegen: Wende dich an deinen nationalen Badmintonverband — die meisten bieten Einstiegskurse an, oft online oder an Wochenenden. Viele Verbände suchen aktiv neue Offizielle und übernehmen die Kosten für Ausbildung und Anreise.
Bereit, Wettkämpfe zu werten?
JudgeMate ist eine kostenlose Plattform für Sportwettkämpfe und berechnet die Punktzahl automatisch. Funktionen von JudgeMate für Veranstalter ansehen
Häufige Fragen
Primärquellen
Verwandte Leitfäden
JudgeMate kostenlos testen
Digitale Wertungsplattform für jede Sportart auf JudgeMate.