Floorball-Schiedsrichter-Leitfaden
Rollen, Strafarten, Freischläge, Penaltys und der Schutzraum
Zuletzt aktualisiert: 29. März 2026
Floorball wird von zwei Schiedsrichtern mit gleichberechtigten Befugnissen geleitet — beide pfeifen Strafen, geben Freischläge, anerkennen Tore und führen das Spiel. Die Strafskala umfasst 2-Minuten-, 5-Minuten- und 10-Minuten-Strafe (Rote Karte). Anders als im Eishockey wird jede Strafe vollständig abgesessen. Der Freischlag ist die häufigste Spielfortsetzung; der Penalty fällt, sobald eine klare Torchance regelwidrig vereitelt wird. Der Schutzraum gehört allein dem Torwart — wer als Feldspieler hineintritt, riskiert harte Konsequenzen.
Das Zwei-Schiedsrichter-System: gleiche Befugnisse
Floorball arbeitet mit einem Zwei-Schiedsrichter-System, in dem beide Unparteiischen identische Befugnisse haben. Das unterscheidet den Sport grundlegend vom Eishockey, das mit einer Hierarchie aus Hauptschiedsrichter und Linesmen mit klar getrennten Aufgaben arbeitet.
Beide Schiedsrichter können:
- jede Strafe pfeifen (2-, 5- oder 10-Minuten-Strafe)
- Freischläge bei Regelverstößen vergeben
- Tore anerkennen oder zurücknehmen
- das Spiel jederzeit unterbrechen
- die Spielzeit signalisieren (Start und Stopp)
Position auf dem Feld
Die beiden Schiedsrichter stehen typischerweise diagonal auf dem Feld:
- SR1 folgt dem Spiel an einer Längsseite, nah an der Angriffszone
- SR2 steht an der gegenüberliegenden Längsseite, deckt die Defensivzone ab und liefert den weiten Blickwinkel
Wandert das Spiel von einem Ende ans andere, passen die Schiedsrichter ihre Position an: einer bleibt nah am Geschehen, der andere behält die Übersicht. Dieses diagonale Prinzip sorgt dafür, dass mindestens ein Schiedsrichter jede Szene frei einsehen kann.
Kommunikation untereinander
Die beiden verständigen sich über Blickkontakt, Handzeichen und kurze Zurufe in den Unterbrechungen. Vor einer Strafentscheidung kann sich ein Schiedsrichter mit dem Kollegen abstimmen, falls die Szene in dessen Hauptzone lag. Bei strittigen Toren müssen beide zur selben Entscheidung kommen.
Der Zeitnehmer-Tisch
Neben den beiden Schiedsrichtern auf dem Feld arbeitet der Zeitnehmer-Tisch mit:
- Zeitnehmer: führt die Spieluhr, startet und stoppt auf das Zeichen der Schiedsrichter
- Protokollant (Sekretär): trägt Tore, Strafen und Wechsel in den Spielbericht ein
Wo auf Vereins- und Breitensportebene kein vollständiger Zeitnehmer-Tisch besetzt ist, ersetzt das kostenlose Scoreboard von JudgeMate diesen digital: eine Person steuert Uhr, Tore und Strafen vom Telefon aus, die Zuschaueranzeige zeigt den öffentlichen Punktestand.
Aufgaben vor dem Spiel
Vor dem Anpfiff prüfen die Schiedsrichter:
- Spielfeld (Banden sicher, Tore verankert, Schutzraum-Markierungen sichtbar)
- Ausrüstung (Schläger in zulässiger Länge, Torwartausrüstung vollständig)
- Vorbesprechung mit beiden Kapitänen (Hallenregeln)
- Bereitschaft des Zeitnehmer-Tisches
Strafarten und ihre Folgen
Floorball kennt drei Strafstufen, jede mit eigenen Folgen für Spieler und Team.
2-Minuten-Strafe (Kleine Strafe)
Die häufigste Strafe im Floorball. Der bestrafte Spieler nimmt für 2 Minuten reine Spielzeit auf der Strafbank Platz, sein Team spielt in Unterzahl (5 gegen 4).
Wichtig: Anders als im Eishockey wird die 2-Minuten-Strafe immer voll abgesessen — sie endet nicht vorzeitig, wenn das Gegnerteam in der Überzahl trifft. Der Spieler kehrt erst nach Ablauf der vollen zwei Minuten reiner Spielzeit zurück.
Typische Auslöser einer kleinen Strafe:
- Beinstellen mit Schläger oder Fuß
- Halten des Körpers, der Kleidung oder des Schlägers
- Stoßen mit Hand oder Körper
- Haken mit dem Schlägerblatt
- Hoher Schläger — Schläger beim Schlag über Hüfthöhe oder im laufenden Spiel über Kniehöhe (ob 2-Minuten-Strafe oder Freischlag entscheidet die Schwere)
- Spiel ohne Schläger — aktives Eingreifen ohne Schläger in der Hand
- Falscher Wechsel — zu viele Spieler auf dem Feld
- Spielverzögerung
5-Minuten-Strafe (Große Strafe)
Für schwerere oder gewalttätige Vergehen. Der Spieler sitzt volle 5 Minuten, sein Team bleibt in Unterzahl.
Typische Anlässe:
- Gefährliches oder rücksichtsloses Spiel
- Wiederholte kleine Vergehen desselben Spielers
- Schwerer hoher Schläger mit Treffer und Verletzung
- Gefährliches Stoßen in die Bande
10-Minuten-Strafe und Rote Karte (Match-Strafe)
Die härteste Sanktion. Der Spieler erhält eine 10-Minuten-Strafe und die Rote Karte und ist damit vom weiteren Spiel ausgeschlossen. Nach Ablauf der zehn Minuten darf ein Ersatzspieler aufs Feld; der Bestrafte selbst kommt nicht zurück.
Auslöser einer Match-Strafe:
- Brutales Foul mit Verletzungsabsicht
- Beleidigung oder tätlicher Angriff gegen Offizielle
- Extrem gefährliches Spiel ohne jede Rücksicht auf die Gesundheit des Gegners
Strafanzeige durch Handzeichen
Die Schiedsrichter zeigen jede Strafe in fester Reihenfolge an:
- auf den bestraften Spieler zeigen
- die Art des Vergehens (z. B. Beinstellen, Stoßen) zeigen
- zur Strafbank zeigen
- die Dauer der Strafe mit den Fingern signalisieren (2, 5 oder 10 Minuten)
Das kostenlose Scoreboard von JudgeMate führt alle drei Strafarten mit Live-Countdown — jeder in der Halle sieht genau, wann eine Strafe ausläuft.
Freischläge: die häufigste Spielfortsetzung
Der Freischlag ist die mit Abstand häufigste Spielfortsetzung im Floorball — angeordnet bei einer Reihe kleinerer Verstöße, die keine Strafe rechtfertigen.
Wann es Freischlag gibt
- Hoher Schläger: Schlägerblatt im laufenden Spiel über Kniehöhe (beim Schlag auf den Ball über Hüfthöhe)
- Spiel mit Hand, Kopf oder Fuß: bewusster Ballkontakt mit allem außer dem Schläger (Ausnahme: Torwart im Schutzraum)
- Falscher Abstand: Gegenspieler steht beim Freischlag näher als 3 Meter
- Anheben oder Festhalten des gegnerischen Schlägers
- Spiel am Boden: ein Feldspieler darf den Ball nicht spielen, wenn ein anderer Körperteil als die Füße den Boden berührt
- Leichter Schutzraum-Verstoß: Feldspieler tritt in den Schutzraum, ohne das Spiel wesentlich zu beeinflussen
- Ball aus dem Spiel: über die Bande oder gegen die Decke
Ablauf des Freischlags
- Der Ball liegt ruhend am Ort des Vergehens
- Der Ausführende hat 5 Sekunden, um den Ball zu spielen
- Alle Gegenspieler halten mindestens 3 Meter Abstand
- Der Ausführende darf den Ball erst wieder spielen, nachdem ein anderer Spieler ihn berührt hat
- Der Ball muss am Boden gespielt werden — direktes Anheben aus dem Freischlag ist nicht erlaubt
Freischlag in Tornähe
Liegt der Freischlag im Angriffsdrittel nahe am Tor, wird die 3-Meter-Regel zur Trainerwährung: ruhender Ball, scharfer Stellungswechsel, schneller Pass. Trainer entwickeln gezielte Standards — schnelle Anspiele, Sichtblock, One-Timer — um diese Situationen zu nutzen.
Einschlag (Seitenfortsetzung)
Verlässt der Ball das Feld über die Längsbande, erhält das Gegnerteam einen Einschlag — im Ablauf wie ein Freischlag, ausgeführt am Ort, an dem der Ball die Bande überquert hat. Es gelten dieselben 3-Meter- und 5-Sekunden-Regeln.
Wiederanspiel durch den Torwart
Verlässt der Ball die Endlinie und wurde zuletzt von einem Angreifer berührt, setzt der Torwart das Spiel mit einem Wurf aus dem Schutzraum heraus fort.
Der Penalty: eins gegen eins mit dem Torwart
Der Penalty ist die dramatischste Spielfortsetzung im Floorball — ein direktes Duell zwischen Schütze und Torwart.
Wann es Penalty gibt
Der Penalty fällt, sobald eine klare Torchance regelwidrig vereitelt wird. Typische Szenen:
- Schutzraum-Verstoß durch die Verteidigung: Ein Feldspieler tritt in den eigenen Schutzraum, um den Schuss zu blocken oder den Ball zu spielen. Da nur der Torwart dort sein darf, ist das ein schweres Vergehen — eine echte Torchance wird unterbunden.
- Verschieben des Tores: Ein Verteidiger versetzt das Tor mit Absicht, um einen Treffer zu verhindern.
- Foul beim Alleingang: ein Strafvergehen gegen einen Spieler in klarer Alleingang-Situation (kein Verteidiger mehr zwischen Angreifer und Torwart).
- Ball zudecken: Ein Feldspieler legt sich im Schutzraum auf den Ball oder deckt ihn ab.
Ausführung
- Der Schütze legt den Ball auf den Mittelpunkt des Feldes
- Auf den Pfiff darf er sich nach vorn bewegen
- Der Ball muss durchgehend nach vorn bewegt werden — rückwärts ist nicht erlaubt
- Der Torwart bleibt im Schutzraum, bis der Schütze den Ball berührt
- Der Schuss muss in angemessener Zeit fallen — endloses Umrunden ist nicht zulässig
- Der Versuch endet, wenn:
- der Ball die Torlinie überquert (Treffer)
- der Torwart hält
- der Ball Pfosten oder Latte trifft und nicht ins Tor geht
- der Ball stehen bleibt
- der Schütze einen Regelverstoß begeht (z. B. rückwärts bewegt)
Wann pfeifen Schiedsrichter Penalty?
Die Penalty-Entscheidung gehört zu den folgenreichsten Pfiffen im Spiel. Geprüft wird:
- War die Torchance klar? (Nicht jede Aktion — es muss eine Situation mit hoher Trefferwahrscheinlichkeit sein.)
- Wurde sie regelwidrig vereitelt? (Nicht jeder Körperkontakt, sondern ein klarer Regelverstoß.)
- Wäre eine kleinere Strafe (2 oder 5 Minuten) die passendere Sanktion?
In Grenzfällen geben Schiedsrichter eher eine 2- oder 5-Minuten-Strafe; den Penalty halten sie für eindeutige Fälle frei, in denen eine sichere Torchance regelwidrig erstickt wird.
Schutzraum-Regeln: das geschützte Gebiet des Torwarts
Der Schutzraum ist eine der taktisch wichtigsten Zonen im Floorball — und seine Regeln gehören zum Pflichtwissen für Schiedsrichter und Spieler.
Was ist der Schutzraum?
Der Schutzraum ist eine halbkreisförmige Fläche direkt vor jedem Tor, durch eine aufgemalte Linie am Boden begrenzt. Er reicht etwa 2,5 Meter vor die Torlinie hinaus und ist die alleinige Zone des Torwarts.
Die Grundregel
Nur der Torwart darf im Schutzraum sein. Kein Feldspieler — weder vom eigenen noch vom gegnerischen Team — darf hineintreten, dort stehen oder den Ball aus dem Schutzraum heraus spielen. Diese Regel ist absolut und wird konsequent angewendet.
Folgen eines Schutzraum-Verstoßes
Welche Sanktion fällt, hängt von der Spielsituation ab:
Angreifender Feldspieler im Schutzraum:
- Trifft das Angriffsteam, während sich ein Spieler im Schutzraum befindet oder ihn gerade verlassen hat, wird das Tor nicht anerkannt
- Es gibt einen Freischlag für die Verteidigung
- Der Verstoß muss das Spiel nicht direkt beeinflussen — schon die bloße Anwesenheit im Schutzraum reicht, um das Tor zu annullieren
Verteidigender Feldspieler im eigenen Schutzraum:
- Das ist ein schweres Vergehen, weil der Verteidiger faktisch als zweiter Torwart agiert
- Es gibt in der Regel einen Penalty für das Angriffsteam
- Tritt der Verteidiger ein, um den Schuss zu blocken oder den Ball zu spielen, ist der Penalty so gut wie sicher
Ball im Schutzraum:
- Bleibt der Ball im Schutzraum liegen, darf nur der Torwart ihn spielen
- Greift ein Feldspieler mit dem Schläger in den Schutzraum, gibt es einen Freischlag oder eine Strafe
- Der Torwart darf den Ball innerhalb des Schutzraums mit den Händen aufnehmen (Sonderrecht des Torwarts)
Der Torwart im Schutzraum
Im Schutzraum hat der Torwart besondere Rechte:
- Er darf den Ball mit den Händen fangen, werfen und ablenken
- Er darf sich flach hinlegen, um zu halten (Feldspielern ist Spiel am Boden untersagt)
- Er ist vor Körperkontakt durch Gegenspieler geschützt
- Er setzt das Spiel mit einem Wurf nach einer Parade fort
Der Torwart außerhalb des Schutzraums
Der Torwart darf den Schutzraum verlassen, um den Ball mit dem Körper (nicht mit den Händen) zu spielen. Das ist riskant — das Tor steht offen, und außerhalb des Schutzraums gelten für ihn die Regeln eines Feldspielers (mit der Ausnahme, dass er weiterhin keinen Schläger führen darf).
Schutzraum aus Sicht der Schiedsrichter
Schutzraum-Verstöße gehören zu den häufigsten Pfiffen im Floorball. Geachtet wird auf:
- Angreifer, die im Gewühl vor dem Tor in den Schutzraum geraten
- Verteidiger, die gezielt in den Schutzraum treten, um Schüsse zu blocken
- Schläger, die in den Schutzraum greifen, um den Ball zu spielen
- Bälle, die im Schutzraum liegen bleiben — nur der Torwart darf sie spielen
Klare Abstimmung zwischen den beiden Schiedsrichtern ist entscheidend: Wer näher am Tor steht, hat in der Regel den besseren Winkel, um zu beurteilen, ob ein Fuß die Schutzraum-Linie überquert hat.
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