Wie funktioniert der Schwierigkeitsgrad im Aerials?
DD-Werte, Formeln und wie Schwierigkeit das Ergebnis prägt
Zuletzt aktualisiert: 8. April 2026
Im Freestyle-Ski Aerials weist die FIS jedem Manöver einen Schwierigkeitsgrad (Degree of Difficulty, DD) zu, abhängig von der Komplexität. Der DD wirkt als Multiplikator: Fünf Wertungsrichter bewerten die Ausführung, die höchste und die niedrigste Note fallen pro Komponente raus, die drei mittleren Noten werden je Komponente summiert. Diese Summe der Ausführungsnoten wird mit dem DD des Manövers multipliziert – fertig ist die Endwertung. Höherer DD bringt mehr, aber nur bei sauberer Ausführung.
Was ist der Schwierigkeitsgrad im Aerials?
Der Schwierigkeitsgrad (DD) ist ein vorab festgelegter Zahlenwert, den die FIS jedem anerkannten Aerials-Manöver zuweist. Er erfasst, wie komplex ein Sprung ist, und stützt sich auf drei Hauptfaktoren: die Zahl der Salti (einfach, doppelt oder dreifach), die Zahl der Schrauben innerhalb dieser Salti und die Körperposition während des Manövers (gehockt, gebückt oder gestreckt).
Ein gestrecktes Rücksalto ohne Schraube zählt zu den einfachsten gestreckten Manövern und hat einen vergleichsweise niedrigen DD. Eine ganze Schraube hebt den DD an. Zwei Salti mit je einer Schraube heben ihn weiter. Ganz oben stehen Kombinationen aus drei Salti mit mehreren Schrauben, deren DD über 5,0 liegt – Manöver, die weltweit nur eine Handvoll Spitzenathleten beherrscht.
Das DD-System hat einen klaren Zweck: Wer schwerere Tricks angeht, soll für das höhere Risiko entlohnt werden. Die Belohnung hat aber eine Bedingung. Weil der DD als Multiplikator wirkt, kann ein unsauber gelandeter Sprung mit hoher Schwierigkeit weniger Punkte bringen als ein sauber gelandeter mit niedrigerer Schwierigkeit. Daraus ergibt sich das strategische Grunddilemma im Aerials: Athleten wägen die mögliche Belohnung des höheren DD gegen die eigene Fähigkeit ab, das Manöver sauber genug zu landen, damit der Multiplikator überhaupt zugunsten arbeitet.
Schwierigkeitstabelle Aerials
Die folgende Tabelle zeigt repräsentative DD-Werte für gängige Aerials-Manöver – vom einfachen Einfachsalto bis zu den schwersten Dreifachsalto-Kombinationen auf Weltklasseniveau. Die Kurzschreibweise beschreibt die Schrauben pro Saltorotation (z. B. bF = Rücksalto mit einer ganzen Schraube; bFF = Rücksalto mit zwei ganzen Schrauben).
| Maneuver | Somersaults | Twists | Dd |
|---|---|---|---|
| Layout (bL) | 1 | 0 | 2,050 |
| Full Twist (bF) | 1 | 1 | 2,900 |
| Double Full Twist (bFF) | 1 | 2 | 3,525 |
| Back Double (bLbL) | 2 | 0 | 3,150 |
| Full-Full (bFbF) | 2 | 2 | 3,825 |
| Full-Double Full (bFbFF) | 2 | 3 | 4,175 |
| Double Full-Full-Full (bFFbFbF) | 3 | 4 | 4,653 |
| Triple Full-Full-Full (bFFFbFbF) | 3 | 5 | 4,900 |
| Full-Full-Double Full (bFbFbFF) | 3 | 4 | 4,653 |
| Quad Twisting Triple (bFFFFbFbF) | 3 | 6 | 5,000+ |
Wie wird die Aerials-Endwertung berechnet?
Die Aerials-Wertung folgt einem präzisen, formelbasierten Ablauf. Eine Jury aus fünf Wertungsrichtern bewertet jeden Sprung unabhängig in zwei Komponenten:
Flug und Form (bis zu 7,0 Punkte) erfasst die Qualität des Absprungs, die Ausführung von Rotationen und Schrauben, die Körperposition über das ganze Manöver und die erreichte Höhe. Landung (bis zu 3,0 Punkte) bewertet das Aufsetzen selbst, die Absorption des Aufpralls, das Gleichgewicht und die kontrollierte Ausfahrt. Zusammen ergeben die zwei Komponenten pro Wertungsrichter eine Note zwischen 0,0 und 10,0.
Nachdem alle fünf Wertungsrichter abgegeben haben, läuft ein Streichverfahren pro Komponente. In jeder Komponente (Flug/Form und Landung getrennt) fallen die höchste und die niedrigste der fünf Noten weg, die drei mittleren Noten bleiben. Die drei mittleren Flug-/Formnoten werden summiert, ebenso die drei mittleren Landungsnoten – das ergibt die Summe der Ausführungsnoten.
Zum Schluss wird die Summe der Ausführungsnoten mit dem DD des gezeigten Manövers multipliziert. Diese eine Multiplikation macht den DD strategisch so wichtig: sie verstärkt herausragende Ausführung genauso wie eine mittelmäßige – sauberes Können bei schweren Tricks zahlt sich aus, unsaubere Form bei einfachen Tricks kostet dafür.
Beispielrechnung: Eine Aerials-Wertung
Gehen wir eine realistische Berechnung für ein Full-Full (bFbF) mit einem DD von 3,825 durch.
Schritt 1 – Wertungsrichter bewerten Flug/Form und Landung:
| Richter | Flug/Form | Landung | Gesamt |
|---|---|---|---|
| W1 | 5,8 | 2,5 | 8,3 |
| W2 | 6,0 | 2,6 | 8,6 |
| W3 | 5,6 | 2,4 | 8,0 |
| W4 | 5,9 | 2,7 | 8,6 |
| W5 | 5,7 | 2,5 | 8,2 |
Schritt 2 – Pro Komponente höchste und niedrigste Note streichen:
- Flug/Form-Noten: 5,6, 5,7, 5,8, 5,9, 6,0 → drei mittlere: 5,7 + 5,8 + 5,9 = 17,4
- Landungsnoten: 2,4, 2,5, 2,5, 2,6, 2,7 → drei mittlere: 2,5 + 2,5 + 2,6 = 7,6
Schritt 3 – Summe der Ausführungsnoten: 17,4 + 7,6 = 25,0
Schritt 4 – Multiplikation mit dem DD: 25,0 × 3,825 = 95,625
Die Endwertung des Sprungs liegt damit bei 95,63 (auf zwei Nachkommastellen gerundet). Ein solcher Wert ist auf Weltcupniveau für ein Doppelsalto-Manöver konkurrenzfähig.
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